Das römische Wagenrennen
Shownotes
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Transkript anzeigen
00:00:06: Just Another Geschichtspodcast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin.
00:00:15: Awe, Salü und guten Tag!
00:00:17: Willkommen im Strudel der Geschichte.
00:00:19: Hier ist Corinna eure An der Realitet gescheiterter Historikerinnen mit Just Another Geschichte Podcast Und ich möchte euch erstmal eine kleine Geschichte erzählen.
00:00:30: Ich war vor ein paar Tagen auf dem Weg zu Freunden Auf der A-Fünf unterwegs Und da war dieses andere Auto.
00:00:37: Es hat mich immer überholt.
00:00:38: Dann habe ich jetzt wieder überholt, dann wieder andersrum.
00:00:42: Und jedes Mal haben wir uns kurz angegrinst oder kurz gewunken.
00:00:46: Irgendwann mussten wir uns leider am Kreuzdarm statt trennen und als sich die Geschichte später auf der Party erzählt habe meinte jemand, ob es gehen raus an Tobi?
00:00:56: Das klingt wie ein römisches Wagenrennen!
00:00:59: Und ehrlich gesagt habe ich das als Chance für einen kleinen Ausflug in die römische Geschichte aufgefast, denn Obwohl ich mich sehr viel mit dem römischen Reich beschäftigt habe, mit Politik, Gesellschaft, Religion und natürlich auch den Spielen waren Wagenrennen nie wirklich mein Spezialgebiet.
00:01:17: Dabei waren sie im antiten Rom riesig!
00:01:19: Nicht einfach nur Sport sondern Massenunterhaltung Politikum Glücksspiel Status Symbol Und emotionales Ventil für hunderttausende Menschen... ...und ja es gab Fanlager Gewalt Ausschreitungen und im Grunde Hooligans lange bevor jemand auf die Idee kam, Bengalos ins Stadion zu schmuggeln.
00:01:40: Heute schauen wir uns also an wie römische Wagenrennen entstanden sind, warum sie die Menschen so fasziniert haben und was sie über die Geschichte des ersten Jahrhunderts nach Christus verraten.
00:01:51: Tauchen wir ein in den Strudel der Geschichte!
00:01:56: Wir befinden uns in Rom – im ersten Jahr- hundert Nachchristus.
00:02:00: Der Zirkus Maximus ist bis auf dem letzten Platz gefüllt.
00:02:04: Ferdeschnauben Menschen brühen, Wettzettel wechseln den Besitzer und irgendwo sitzt vermutlich ein Senator der offiziell behauptet solche Spektakel sein unter seiner Würde.
00:02:14: Aber trotzdem verfolgt er jede einzelne Runde!
00:02:18: Denn römische Wagenrennen sind so viel mehr als nur Sportveranstaltungen.
00:02:23: Sie sind kulturelles und religiöses Ereignis Ein Wirtschaftsfaktor Identität Und Machtmittel.
00:02:36: Du sitzt auf deinem Platz mitten im Zirkus Maximus.
00:02:40: Vor dir erhippt sich eines der größten Bauwerke der antiken Welt.
00:02:44: Stein, Marmor und Menschen – soweit das Auge reicht!
00:02:49: Über hundert Tausend Zuschauer haben hier Platz gefunden.
00:02:53: Doch so sah der Zirkus Maximus nicht immer aus.
00:02:57: Ursprünglich war er nichts weiter als eine einfache Rennbahn zwischen Arventin und Palantín mit Erdwellen für die Zuschauer.
00:03:05: Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus jedoch das gewaltige Bauwerk, in dem du jetzt sitzt.
00:03:12: Vor dir zieht sich die Spiner durch die Mitte der Rennbahn – die lange Mittelbarriere um die sich gleich alles im wahrsten Sinne des Wortes drehen wird.
00:03:22: An beiden Enden stehen die Mäther, die Wände sollen.
00:03:26: Genau dort entscheidet sich oft das Rennen, denn die wahre Herausforderung liegt nicht auf der Geraden.
00:03:33: Schnell fahren können viele!
00:03:35: Aber wer die Kurve zu eng nimmt, riskiert einen spektakulären Unfall.
00:03:40: Wer zu weit fährt, verliert wertvolle Meter!
00:03:43: Du lässt dein Blick schweifen.
00:03:46: Auf der Spina stehen Define und Eier Sieht ihnen als Rundenzähler.
00:03:51: Nach jeder gefahrenen Runde wird einer davon umgelegt So dass Fahrer und Zuschauer jederzeit wissen wie weit das Rennen bereits fortgeschritten ist.
00:04:02: Im Zirkus wird es immer leiser Die Gespräche verstummen langsam.
00:04:08: Alle Blicke richten sich auf den Spieleiter, erhebt ein weißes Tuch.
00:04:13: für einen Moment scheint sich Zeit stillzustehen dann lässt er es los.
00:04:20: Noch bevor das Tuch den Boden vollständig berührt knallen die Teure der Startboxen auf.
00:04:25: zwölf Gespanne schießen gleichzeitig nach vorne je drei für die roten Weißen Grün und Blauen Fraktion.
00:04:32: bis zur Startlinie müssen alle ihre Spur halten.
00:04:35: Doch danach, danach gibt es nur noch ein Ziel.
00:04:39: Gewinnen!
00:04:41: Neun Minuten später steht der Sieger
00:04:43: fest.".
00:04:45: Okay wir haben gerade ungefähr neun Minuten eines römischen Wagenrenns erlebt.
00:04:50: aber was haben wir da eigentlich gesehen?
00:04:53: und vor allem wer waren die Menschen die dort ihr Leben riskierten?
00:04:58: Der Sieger eines Wagenrens war nämlich nicht einfach nur ein Sieger er war ein Superstar.
00:05:03: Ein einziger Sieg konnte ihm bis zu sechzigtausend Zesterzen einbringen.
00:05:07: Zum Vergleich, ein einfacher Soldat verdiente ungefähr tausend zweihundert Zesterzens im Jahr – ein gewöhnlicher Römer kam oft mit etwa hundert- bis hundfünfzig Zesterze jährlich aus!
00:05:17: Ein einziges Rennen konnte also mehr Geld einbringen als viele Menschen in einem ganzen Leben verdienten.
00:05:24: und trotzdem gehörten die meisten Wagenlänker gesellschaftlich nicht zur Oberschicht.
00:05:31: Denn das Leben eines Wagenlenkers war ein ständiger Balanceakt.
00:05:36: Einerseits warteten Ruhm, Reichtum und die Bewunderung von Zehntausenden.
00:05:41: Andererseits konnte ein einziger Unfall das Ende bedeuten.
00:05:48: Ein Sturz in einer Kurve konnte schwere Verletzungen verursachen oder tödlich enden.
00:05:55: Loyalität spielte dabei übrigens nur eine untergeordnete Rolle.
00:05:59: Bekam ein erfolgreicher Fahrer vor einer anderen Fraktion ein besseres Angebot wechselt er häufig den Rennstall Und die Zuschauer?
00:06:07: Die waren den meisten Fahrern genauso wenig treu.
00:06:10: Ihre Loyalität, weil deiner einzigen Sache ihrer Farbe.
00:06:16: Die Zugehörigkeit zu einer Fraktion war für viele Römer so wichtig dass der Dichter Owid sich sogar darüber lustig machte und behauptete manche würden vor einer Hochzeit erst prüfen ob der zukünftige Partner dieselbe Fraktion unterstützte.
00:06:31: Ob das tatsächlich Alltag war oder eher eine satirische Übertreibung wissen wir heute natürlich nicht Aber es zeigt sehr eindrucksvoll welchen Stellenwert diese Farben im römischen Alltag hatten.
00:06:43: Wir haben gerade gesehen, welchen Stellenwert diese Farben im römischen Alltag hatten.
00:06:47: Aber was steckt eigentlich hinter den roten, weißen, grünen und blauen Fraktion?
00:06:54: Hinter jeder dieser Farben stand eine sogenannte Faktion – ein Rennstahl.
00:06:59: Wobei Rennsteil eigentlich schon fast untertrieben ist.
00:07:02: Tatsächlich handelt es sich um hochprofessionelle Unternehmen vergleichbar mit heutigen Profisportorganisation oder sogar Formel-I Teams.
00:07:12: Vor allem die Grünen und Blauen, genossen in der Kaiserzeit immer wieder die besondere Aufmerksamkeit einzelner Kaiser.
00:07:19: Caligula war etwa bekennender Anhänger der Grün – doch dazu kommen wir gleich noch!
00:07:24: Die Fraktionen waren nämlich weit mehr als nur ein Ort an dem Pferde untergebracht wurden.
00:07:29: Sie waren ein wirtschaftliches Großunternehmen.
00:07:32: Hinter den Rennstellen standen wohlhabende Unternehmer aus dem Ritterstand, Schließlich verschlangen allein der laufende Betrieb Unsummen an Geld.
00:07:43: Ein Rennsteil benötigte mehrere hundert Pferde.
00:07:47: An einem Rententag fanden bis zu vierundzwanzig Rennen statt, Pferden verletzten sich, starben bei Unfällen oder mussten geschont werden.
00:07:55: Es brauchte also ständig Ersatz und Nachwuchs.
00:07:57: Dazu kam Wagenlänker, Stallanlagen, Werkstätten, Futter, Transporte und ein riesige Zahl an Mitarbeitern.
00:08:03: Ein solcher Rennstein funktionierte fast wie ein modernes Unternehmen.
00:08:07: es gab Trainer Stahlmeister, Pferdeknächte, Tierärzte, Bagenbauer, Geschirrmacher, Buchhalter, Verwaltungsmitarbeiter und zahlreiche weitere Spezialisten.
00:08:19: Manche kümmerten sich ausschließlich um die Zucht besonders schneller Pferde.
00:08:23: Andere waren ständig auf der Suche nach neuen Talenten.
00:08:27: Auch die Wagenlenker selbst waren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
00:08:31: Je erfolgreicher ein Fahrer wurde, desto höher stieg sein Marktwert.
00:08:36: Wer viele Rennen gewann konnte hohe Gagen verlangen oder sogar den Rennstall wechseln.
00:08:41: Wer jetzt denkt, Transfers seien eine Erfindung des modernen Fußballs liebt er so falsch.
00:08:47: Schon im alten Rom wechselten erfolgreiche Wagenlänke ihre Faktion wenn ein besseres Angebot lockte.
00:08:53: Loyalität spielte dabei häufig eine untergeordnete Rolle.
00:08:57: Die Fans blieben ihrer Fahrbetreu die Fahrer dagegen oft nicht.
00:09:02: Geleitet wurden diese Unternehmen von der sogenannten Dominifaktion um.
00:09:07: Sie führten Verhandlungen mit den Veranstaltern der Spiele, kauften Pferde, verwalteten Personal und handelten Verträge mit erfolgreichen Wagenlänkern aus.
00:09:16: Neben ihnen gab es ein ganzes mittleres Management – ehemalige Wagenlenker arbeiteten häufig als Trainer oder Berater weiter und brachten ihre Erfahrungen in den Rennbetrieb ein.
00:09:28: Doch nicht nur hinter den Kulissen der Rennstelle herrschte Hochbetrieb.
00:09:31: auch im Zirkus Maximus selbst arbeitete unzählige Menschen daran dass ein Renntag überhaupt stattfinden konnte.
00:09:38: Da waren beispielsweise die Männer, die den komplizierten Startmechanismus der Startboxen bedient haben.
00:09:43: Andere kürten zwischen den Renten Pferde und Wagen mit Wasser, wie der andere hielten Tafeln hoch oder riefen den Fahrer in ihre aktuelle Position und die verbleibenden Runden zu.
00:09:55: Und nach jedem Unfall musste die Strecke möglichst schnell wieder frei geräumt werden – denn Unfälle gehörten zum Alltag!
00:10:03: Nicht selten wurden Wagen völlig zerstört, Pferde verletzt oder getötet und Fahrer schwer verwundet.
00:10:09: Allein deshalb war ein Renntag ein logistisches Meisterwerk.
00:10:13: Schon vor Sonnenaufgang mussten die Pferden von den Stallanlagen auf dem südlichen Marsfeld zum Zirkus Maximus gebracht werden – einen Weg von rund zwei Kilometern!
00:10:23: Hunderte Menschen arbeiteten Tag für Tag daran, dass dieser gewaltige Betrieb reibungslos funktionierte.
00:10:30: Die Rennstelle selbst flichen kleine Städte.
00:10:33: Es gab Stallungen, Unterkünfte, Bergstätten und Verwaltungsgebäude.
00:10:38: Gleichzeitig achtete man darauf dass die einzelnen Fraktion möglichst wenig Einblick in die Arbeit ihrer Konkurrenz hatten.
00:10:46: Spionage gehörte offenbar schon damals zu Geschäft Und manchmal bekam dieses ganze Unternehmen sogar königlichen Besuch.
00:10:54: Kali Gula zum Beispiel war regelmäßig bei den Grünen zu Gast.
00:10:59: Er interessierte sich leidenschaftlich für Wagenrennen und hatte sogar ein Lieblingspferd.
00:11:06: Der Legende nach soll Caligula einmal angekündigt haben, dieses Pferd zum Konsul machen zu wollen.
00:11:12: Ob er das tatsächlich ernst meinte oder seine Senatoren damit lediglich provozieren wollte?
00:11:18: Darüber streiten Historiker!
00:11:21: Bis heute.
00:11:23: Wir wechseln jetzt einmal die Perspektive.
00:11:32: Gerade eben saßt ihr noch auf den Rängen des Zirkus Maximus.
00:11:36: Jetzt steht ihr selbst auf einem der Wagen.
00:11:38: vor euch vier nervöse Pferde Die Zügel um die Hüfte gebunden das Messer am Gürtel.
00:11:44: Vor euch sieben Runden und ihr wisst genau, entweder gewinnt ihr heute ein Vermögen oder ihr sterbt im schlimmsten Fall.
00:11:54: Wagenlinker gehörten gesellschaftlich eigentlich nach ganz unten – die meisten waren Sklaven oder Freigelassene.
00:12:01: Und selbst wenn sie frei waren, gehörden sie zu den sogenannten Informes-Menschen, die einen uneerenhaften Beruf ausübten.
00:12:08: Das hatte ganz konkrete Folgen!
00:12:10: Sie durften keine öffentlichen Ämter übernehmen, hatten vor Gericht erhebliche Nachteile und konnten nicht ohne Weiteres in die Schicht der frei geborenen Römer einheiraten.
00:12:22: Für einen freien Röma wäre dieser soziale Abstieg kaum vorstellbar gewesen.
00:12:27: Deshalb waren Wagenlenker fast immer Menschen, die ohnehin nur wenige gesellschaftliche Möglichkeiten hatten.
00:12:34: Natürlich gab es Ausnahmen!
00:12:37: Nero fuhr selbst Wagenrenn Auch Viterius versuchte sich als Wagenlenker.
00:12:42: Allerdings galt das unter Senatoren und der Oberschicht eher als peinlich, also bewundernswert.
00:12:48: Aber dem Pringcaps sagte das niemand ins Gesicht.
00:12:53: Trotz ihres niedrigen gesellschaftlichen Status bot dieser Beruf eine Chance die nur wenige Menschen im römischen Reich hatten – man konnte reich werden… sehr reich!
00:13:05: Viele Wagenlänke haben ihre Ausbildung bereits im Alter von dreizehn Jahren.
00:13:10: Zunächst lernten sie den Umgang mit dem Pferden und kleineren Gespannen, bevor Sie später auf einer Quadrie gefahren durften.
00:13:17: Natürlich schaffte das längst nicht jeder – doch wer den Sprung schafften?
00:13:21: Und erfolgreich war!
00:13:22: Der wurde zum Superstar.
00:13:25: Die Menschen kannten ihre Namen.
00:13:27: Frauen schwärmten für sie.
00:13:29: Dichter wie Martial beschrieben sie als Lieblinge der jubelnden Menge.
00:13:33: Und natürlich entwickelte manche dabei auch ein ordentliches Ego.
00:13:38: Denn Obwohl sie offiziell für eine Fraktion fuhren, wollten sie vor allem eins.
00:13:43: Selbst gewinnen!
00:13:46: Genau wie im modernen Spitzensportler wechselten die erfolgreichen Wagenlänker deshalb häufig die Fraktion wenn anderswo mehr Geld winkte.
00:13:55: Den Fans war das meistens egal Hauptsache ihre Farbe gewann.
00:13:59: Unter den Wagenlenkern gab es aber auch noch eine ganz besondere Elite.
00:14:03: Sie wurden Milliari genannt So bezeichnete man Fahrer mehr als tausend Siege-Errungen hatten.
00:14:11: Allein diese Zahl ist eigentlich kaum vorstellbar!
00:14:15: Der erste bekannte Wagenlenker, dem dieses Kunststück gelang war vermutlich Abilios Therys mit Sage und Schreibe Tausend Island elf ersten Plätzen.
00:14:27: Andere Fahrer wie Flavio Scorpus oder Pompeius Musculus brachten es sogar auf mehrere Tausende Siege.
00:14:34: Scorpus gilt bis heute als eines der größten Talente überhaupt.
00:14:39: Er gewann über zwei tausend Rennen, und trotzdem wurde er nur siebenundzwanzig Jahre alt.
00:14:44: Er starb bei einem Rennunfall.
00:14:47: Genau das machte diesen Beruf so widersprüchlich!
00:14:50: Ein einziger Sieg konnte vierzig bis sechzigtausend Zesterzen einbringen – ein Einfacherömer lebte häufig von wenigen Hundert Zesterzern im Jahr.
00:15:00: Wagenlenker gehörten also trotz ihres niedrigen gesellschaftlichen Status zu den bestbezahlten Menschen ihrer Zeit.
00:15:08: Doch jeder einzelne Rententag konnte gleichzeitig ihr letzter sein.
00:15:12: Und noch etwas fällt auf, die ganze Zeit spreche ich von Wagenlenkern – nicht von Wangenlenkerinnen!
00:15:18: Denn anders als bei Gladiatoren unter denen wir mittlerweile auch Frauen kennen scheint der Wagenrennsport tatsächlich eine ausschließlich männliche Domäne gewesen zu
00:15:27: sein.".
00:15:32: Die Luft knistert.
00:15:34: Du stehst auf deinem Wagen vor dir vier nervöse Pferde hinter dir mehr als hunderttausend Zuschauer.
00:15:42: Du hörst ihre Rufe.
00:15:44: In wenigen Sekunden beginnt das Rennen!
00:15:47: Während du red darauf wartest, dass der Spieleiter das weiße Tuch fallen lässt versuchst du deine Gedanken zu verdrängen.
00:15:53: Was passiert wenn du heute stürzt?
00:15:56: Ein lauter Knall.
00:15:58: Die Tore der Startboxen fliegen auf.
00:16:00: Du peitscht deine Pferde an.
00:16:02: Jetzt bloß die Spur halten Noch ein paar Meter – die weiße Linie.
00:16:06: Und
00:16:06: jetzt?!
00:16:07: Jetzt gibt es keine Regeln mehr!
00:16:09: Du beschleunigst.
00:16:10: Vor dir liegt die erste Kurve Die gefährlichste Stelle des gesamten Rennens.
00:16:14: Wer hier die Idealinie erwischt, gewinnt wertvolle Meter.
00:16:18: Wer sich verschätzt verliert alles!
00:16:21: Du zögerst nicht – du versuchst dich noch innen vorbeizukwetschen.
00:16:24: Ein Schlag Dein Rad streift je Meter.
00:16:27: Der Wagen kippt.
00:16:28: Die Pferde geraten in Panik.
00:16:30: Du wirst aus dem Wagen geschleudert und hinter ihm hergerissen.
00:16:33: Jetzt zählt jede Sekunde.
00:16:35: Mit einem Messer durchtrennst du die um deinen Körper gewickelten Zügel, bevor dich die Pferde über die gesamte Bahn schleifen.
00:16:41: Du rollst zur Seite.
00:16:42: Die Pferden werden eingefangen.
00:16:44: Mitarbeiter räumen die Trümmer deines Wagens von der Strecke.
00:16:47: Das Rennen weift längs weiter.
00:16:50: Heute wirst du nicht gewinnen Aber du lebst.
00:16:53: Ein Arzt teilt herbei und versorgt deine Wunden Und jetzt wird es aus heutiger Sicht etwas Gewöhnungsbedürftig.
00:17:01: Er trägt eine Mischung ausgetrocknetem Wildschweinkot und Essig auf deine Verletzungen auf.
00:17:06: Ob das wirklich geholfen hat, sei einmal dahingestellt – damals hielt man es jedenfalls für eine sinnvolle Behandlung.
00:17:14: So oder so ähnlich könnte ein Wagenrennen innerhalb weniger Sekunden beendet gewesen sein!
00:17:19: Die Wagenlenker selbst waren nur erstaunlich schlecht geschützt.
00:17:23: Sie trugen meist eine knielange Tunica in den Farben ihrer Fraktion dazu eine Lederkappe und häufig ein gepolstertes Brustkorsett aus Wollbändern und Leder, das zumindest einen Teil der Schläge abfedern sollte.
00:17:36: In einer Hand hielten sie die Peitsche – um den Körper waren die Zügel gewickelt – und genau deshalb trugen sie auch immer ein Messer bei sich nicht als Waffe sondern als Lebensversicherung.
00:17:48: Blieb ein Wagen nach einem Unfall an den Pferdenhängen konnte nur ein schneller Schnitt durch die Zügel verhindern, dass der Fahrer über die gesamte Rennbahn geschleift wurde.
00:17:57: Doch nicht jedes Rennen endete mit einem Unfall.
00:17:59: Schaffte man die erste Kurve, begann der eigentliche Kampf.
00:18:03: Sicherheitsregeln wie wir sie heute kennen gab es praktisch nicht.
00:18:07: Nach der Startlinie durfte gedrängelt geblockt um die beste Linie gekämpft werden.
00:18:11: Man drückte Gegner nach außen und nahm sie in die Zange.
00:18:14: Man zwang sie zu Fehlern.
00:18:16: Und selbst innerhalb derselben Fraktion wurde keine Rücksicht genommen.
00:18:20: Dann am Ende zählte nicht der Sieg der Mannschaft.
00:18:22: Am Ende zahlte nur eines – Der eigene Sieg!
00:18:26: Diese knapp neun Minuten waren deshalb Hochleistungssport für Mensch und Tier.
00:18:33: Und am Ende stand nur ein Sieger!
00:18:44: Wir wechseln noch einmal die Perspektive.
00:18:46: Diesmal bist du kein Zuschauer, du bist auch kein Wagenlenker.
00:18:50: Du leitest einen Rennstall.
00:18:52: Einer deiner Fahrer ist gerade in der ersten Kurve ausgeschieden Verdammt!
00:18:57: Du hattest gehofft dass genau dieses Gespann heute gewinnt.
00:19:01: Die Pferdewaren hervorragend vorbereitet Jung genug um schnell zu sein, erfahren genug um keinen Anfängerfehler mehr zu machen.
00:19:09: Sie werden bestens trainiert gepflegt und gefüttert und sie trugen Namen die eigentlich schon nach sie klangen.
00:19:15: Victor der Sieger Dominator der Beherrscher Polyneikis der Vielgewinner oder Krinitus der Lockenkopf.
00:19:24: Eigentlich ein Traumgespann.
00:19:27: Doch heute hat das Glück nicht gereicht.
00:19:30: Du atmest tief durch.
00:19:32: Zum Glück hat sich keines der Pferdeschwer verletzt, denn ein Rennpferd ist nicht einfach nur im Pferd.
00:19:38: Es ist ein Vermögenswert!
00:19:40: Die Rennstelle unterhalten deshalb ein ganzes Netzwerk von Scouts die dem gesamten römischen Reich nach besonders talentierten Pferden suchen.
00:19:47: vor allem Nordafrika Spanien und später auch Kapadokien Galien und Griechenland galten als hervorragende Zuchtgebiete.
00:19:56: Ein typisch römisches Rennfärd gab es also nicht.
00:20:00: Die besten Kiere wurden aus den verschiedensten Regionen zusammengekauft und gezielt weitergezüchtet.
00:20:06: Eine Karriere begann meist mit etwa fünf Jahren, war ein Pferd erfolgreich und blieb den Verletzungen verschont.
00:20:13: Konnte es bis ungefähr zum fünftzehnten Lebensjahrrennen bestreiten.
00:20:18: Und manche Pferde wurden zu echten Berühmtheiten.
00:20:21: Sie hatten Fans eigene Fanartikel und wurden heute wie fast wie heutige Spitzensportler gefeiert.
00:20:28: Archäologen fanden Mosaike Ölampen am Vorn, Medaillons oder Eintrittsmarken mit den Namen berühmter Rennpferde.
00:20:35: Im Grunde funktionierte das kaum anders als heute.
00:20:39: Wer Fan einer Fußballmannschaft ist besitzt vielleicht einen Schal.
00:20:43: Ein Römer kaufte sich stattdessen eine Öllampe mit dem Namen seines Lieblings Pferdes.
00:20:48: Und natürlich gab es auch damit schon das Gegenteil.
00:20:50: Fluchthefüchen Kleine Bleithefüchien wurden vergraben auf den Stand dass bestimmte Pferde den Zügel nicht gehorchen Oder sich im Rennen verletzen sollten.
00:21:00: Fair Play sah offenbar schon damals anders aus.
00:21:04: Besonders schön finde ich übrigens die Namen der Pferde, sie verraten oft etwas über ihr Aussehen, ihren Charakter oder die Hoffnung ihrer Besitzer.
00:21:12: Da gibt es Aureus den Goldenen, Candidus den Schimmelweißen, Ferox den Wilden Victor den Sieger oder Amandos den Liebling.
00:21:24: andere trugen Namen von Göttern oder Helden wie Achilles und spätestens dann merkt man Die Tiere waren weit mehr als bloß Nutztiere.
00:21:32: Sie waren Idole!
00:21:34: Der Kaiser selbst konnte sich dieser Begeisterung kaum entziehen, Caligula verwöhnte seine Lieblingsferde mit luxuriösen Stallungen und Commodus soll seinen berühmten Hengst Pertinax nach dessen Karriere sogar mit vergoldeten Hufen und prachtvollem Schmuck durch den Zirkus Maximus geführt haben.
00:21:52: Ob jedes Detail dieser Geschichte stimmt sei dahingestellt Aber sie zeigt eindrungsvoll, welchen Stellenberg erfolgreiche Rennpferde im alten Rom hatten.
00:22:09: Wir wechseln noch einmal die Perspektive.
00:22:12: Diesmal stehst du nicht auf der Rennenbahn?
00:22:14: Du bist Wagenbauer!
00:22:15: Und gerade eben hast du mit angesehen wie einer deiner Wagen in der ersten Kurve in tausend Stücke zerbrochen ist.
00:22:22: Verdammt... Eigentlich hattest du gehofft heute nur ein paar kleine Reparaturen erledigen zu müssen.
00:22:28: Stattdessen musst du einen komplett neuen Wagen bauen.
00:22:31: Dabei hattest du dir bei diesem besonders viel Mühe gegeben.
00:22:34: Ein Rennwagen musste vor allem eines sein – leicht!
00:22:38: Gerade einmal rund dreißig Kilogramm brachte so ein Wagen auf die Waage.
00:22:42: Je weniger Gewicht die Pferde ziehen mussten, desto schneller konnte das gespannt werden.
00:22:47: Die Konstruktion bestand deshalb überwiegend aus leichtem Holz, Leder und Flechtberg.
00:22:53: Vor dem Wagen verlief eine etwa zweieinhalb Meter lange Deichse.
00:22:57: An ihr wurden viele Pferder eingespannt.
00:22:59: Die beiden mittleren Pferde liefen direkt am Joch, dem Yukum.
00:23:03: Deshalb nannte man sie Jugalis.
00:23:05: Die beiden äußeren Pferden waren lediglich über die Seile mit dem Gespann verbunden.
00:23:10: Sie hießen deshalb Funalis, abgeleitet vom lateinischen Funes, dem Seil.
00:23:17: Während das Rennen weiterläuft gehst du im Kopf bereits deine Materialliste durch Leder, neue Farbe.
00:23:23: Vielleicht müssen auch einige mit halbeschläge ersetzt werden.
00:23:26: Zum Glück verbraucht so ein Wagen gar nicht so viel Materialien.
00:23:29: Schließlich soll er möglichst leicht bleiben.
00:23:31: Im Gegensatz zu modernen Rennenwagen waren römische Wagen bewusst extrem leicht gebaut, Geschwindigkeit war wichtiger als Stabilität.
00:23:40: Das ein Wagen bei einem Unfall vollständig zerbrach war deshalb eher die Regel als die Ausnahme und Sicherheit.
00:23:48: Über Sicherheit machte sich ohnehin kaum jemand Gedanken.
00:23:52: Du wirst noch einmal einen Blick auf die Waren.
00:23:54: Vielleicht schaffen es wenigstens die anderen beiden Wagen deiner Fraktion ins Ziel.
00:24:00: Dann musst du heute Abend wenigstens nur einen Wagen neu bauen.
00:24:09: Wechseln wir noch einmal die Perspektive!
00:24:12: Du sitzt auf deinem Ehrenplatz und kannst dir ein zufriedenes Lächeln nicht verknäifen.
00:24:17: Das erste Rennen ist kaum richtig gestartet, da kracht es bereits in der ersten Kurve Die Menge springt auf sich schreit sie jubelt.
00:24:25: Genau so hast du dir das vorgestellt Denn heute bist du weder Zuschauer nach Wagenlenker oder Rennsteilbesitzer.
00:24:33: Du bist Editor der Mann, der diese Spiele veranstaltet.
00:24:38: Und wenn die Zuschauer heute begeistert nach Hause gehen dann hast vor allem du gewonnen zumindest politisch.
00:24:46: Finanziell sieht die Sache nämlich ganz anders aus.
00:24:50: Die Ausrichtung solcher Spiele verschlingt ein Vermögen.
00:24:53: Die Rennstelle müssen bezahlt werden das Personal, die Organisation, die Versorgung.
00:24:59: kurz gesagt irgendjemand muss diese gigantische Veranstaltung stemmen Und dieser Jemand bist du.
00:25:07: Warum tut man sich das also an?
00:25:09: Ganz einfach, weil Du politische Karriere machen möchtest!
00:25:14: Im alten Rom verlief der Weg in die höchsten Staatsämter über den sogenannten Kursus Honorum – die klassische Ämterlaufbahn eines Politikers.
00:25:22: Gerade als Edil bot sich die Gelegenheit, prachtvolle Spiele auszurichten und sich dadurch die Gunst der Bevölkerung zu sichern.
00:25:30: Ja, je beeindruckender die Spiele waren desto größer war die Chance, später weitere Ämter zu erreichen.
00:25:37: Das Problem war nur... Nicht jeder konnte sich solche Spiele leisten.
00:25:42: Deshalb galt das Amt des Edelen für viele als eine der größten finanziellen Flaschenhäse des Kurses Honorum.
00:25:48: Die Spiele waren also weit mehr als bloße Unterhaltung.
00:25:52: Sie waren politischer Werbung sie waren eine Investition in die eigene Karriere und sie waren ein Machtinstrument Und deshalb überrascht es kaum dass sich dieses System im Laufe der Kaiserzeit veränderte, denn immer häufiger trat nun der Brinkert selbst als Editor auf.
00:26:08: Damit gewann nicht nur er die Begeisterung der Bevölkerung – er nahm gleichzeitig den Senatoren und Magistraten eines ihrer wichtigsten Mittel zur Selbstdarstellung.
00:26:17: Denn wer die Spiele bezahlt, der gewinnt die Herzen der Menschen!
00:26:22: Das Verhältnis zwischen Pring-Kapsenat und den übrigen Magistraten ist dabei deutlich komplizierter, als wir es in einer Podcastfolge erklären könnten.
00:26:31: Deshalb belassen wir's heute bei diesem Grundgedanken... ...und wechseln noch einmal die Perspektive!
00:26:40: Du sitzt wieder auf deinem Platz im Zirkus Maximus Die ersten Rennen sind vorbei, die Sonne scheint Neben dir unterhalten sich deine Sitznachbarn Es gibt Essen, es gibt Getränke Und vor allem gibt es etwas das im Alltag vieler Römer selten war Ablenkung.
00:26:56: Für einen Tag musst du nicht an Arbeit schulden oder Sorgen denken.
00:26:59: Dafür nimmst Du sogar den etwas langatmigen Beginn des Festtages in Kauf, denn bevor überhaupt das erste Rennen startet findet eine riesige Prozessionsstadt die Pompazik Kansas.
00:27:11: sie beginnt am Palatin führt über das Forum Romanum bis zum Zirkus Maximus und zieht schließlich einmal durch die gesamte Arena.
00:27:19: als ihr den Zirkuss erreicht erhebst auch du dich!
00:27:21: Nicht unbedingt aus Begeisterin sondern weil man es ebenso macht Denn diese Spiele sind ja nicht nur Unterhaltung, sie sind auch Religion.
00:27:31: Vorbei ziehen Musiker, Reiter, Akrobaten, Athleten und Wagenlenker.
00:27:36: an ihrer Spitze fährt der Editor selbst auf einer prachtvollen Quadriger gekleidet fast wie ein Triumphator.
00:27:43: Es folgen kostbar geschmückte Wagen mit den Standbildern der Götter Neptun Venus Minerva Xeres Bakus Und viele weitere.
00:27:54: Bayrauch erfüllt die Luft, überall glänzen Gold und pur-pur.
00:27:58: Es ist weniger eine Prozession als vielmehr eine perfekt inszenierte Show.
00:28:02: Und trotzdem wartest du eigentlich nur auf eines Das endlich die Rennen beginnen.
00:28:08: Interessanterweise konnte genau das zum Problem werden Denn unterlief während der Prozession oder den anschließenden Spielen ein religiöser Fehler mussten die Zeremonien unter Umständen vollständig wiederholt werden.
00:28:21: Für die Zuschauer Bedeutete das einen noch längeren Tag.
00:28:26: Für den Editor vor allem eines, noch höhere Kosten.
00:28:30: Es wurde sogar gemunkelt, dass manche Rennsteilbesitzer angeblich solche Fehler provoziert hätten – ob das tatsächlich vorkam, wissen wir nicht.
00:28:39: Das steht allerdings, dass Kaiser Clausius dieser Möglichkeit ein Regelvorschub und gesetzlich festlegte, dass Spiele nicht beliebig verlängert werden durften.
00:28:48: Nachdem die Prozession beendet war, wurde ein Stier geopfert.
00:28:52: Die Standbilder der Götter erhielten ihren Platz im Pulvina, einer Tempelährenloge im Zirkus.
00:28:59: Und erst jetzt konnten die Rennen beginnen.
00:29:09: Wechseln wir letztes Mal die Perspektive Wie alle anderen Spieler auch gehen irgendwann nie Wagenrennen zu Ende.
00:29:16: Schade eigentlich.
00:29:17: Heute gab es zwar nicht besonders viele spektakuläre Unfälle Aber deine Fraktion hat gleich mehr Rennen gewonnen.
00:29:24: Du hast gegessen, du hast getrunken und jubelt.
00:29:28: Eigentlich war es ein richtig guter Tag.
00:29:30: Gemeinsam mit deinen Freunden machst du dich auf den Heimweg.
00:29:34: Die Straßenroms sind voller Menschen, überall wird noch über die Rennen diskutiert, bei denen einen Fahrer, über das eine Pferd, über diese Szene in der ersten Kurve.
00:29:44: und plötzlich steht dir einer Gruppe Anhänger der gegnerischen Fraktion gegenüber – die Stimmung kippt!
00:29:50: Vorhin hat einer eurer Wagenlänker ihren Favoriten in die Kurve abgedrängt.
00:29:55: Sie sind wütend Ein Wort gibt es andere, dann fliegt die erste Faust.
00:30:00: Auch Hooligans sind also keine Erfindung des modernen Fußballs.
00:30:03: Schon in der Antike kam es immer wieder zu Schlägereien zwischen Anhängern verschiedener Fraktionen.
00:30:09: Aus Alexandria kennen wir entsprechende Berichte und in Pompeii erinnert sogar ein Graffito an solche Massenschlägereien nach den Spielen.
00:30:17: Offenbar hat sich der Mensch in den letzten zweitausend Jahren in dieser Hinsicht kaum verändert.
00:30:22: Irgendwann löst die Menge sich auf – du hast ein paar blaue Flecken!
00:30:25: Vielleicht auch selbst den einen oder anderen Schlag verteilt.
00:30:30: Jetzt willst du nur noch nach Hause, du öffnest deine Haustür ein kleines Ölämpchen spendet noch etwas Licht.
00:30:36: darauf eingraviert der Name deines Lieblingspferdes.
00:30:40: Du legst dich ins Bett schließt die Augen und denkst noch einmal an diesen Tag An das Donnern der Rufe An den Jubel der Menge an die Spannung vor jeder Kurve.
00:30:54: Morgen beginnt wieder der Alltag Die Arbeit die Sorgen, das ganz normale Leben.
00:31:00: Aber heute?
00:31:02: Heute durftest du für einen Tag alles vergessen und vielleicht war genau das der eigentliche Grund warum die Römer ihr Wagenrennen so liebten.
00:31:11: Nicht nur wegen der Geschwindigkeit nicht nur wegen Der Gewalt nicht nur Wegen der Politik sondern weil sie für ein kurzer Moment all das vergessen ließen.
00:31:28: Also als ich angefangen habe mich mit diesem Thema zu beschäftigen Dachte ich eigentlich, dass Wagenrennen einfach nur Wagen-Rennen sind.
00:31:36: Also vielleicht so ein bisschen wie die Formel eins der Antike.
00:31:39: Aber ich muss ehrlich sagen hier mehr ich mich eingelesen habe desto faszinierter war ich dann tatsächlich.
00:31:45: Denn nicht nur wegen den Rennen selber dir schon mega spektakulär sind sondern wegen allem was da hintersteckt also vor allem diese riesigen Rennstelle mit hundert Mitarbeitern absolut aufwendige Organisationen, dann das Pferde eigene Fangruppen hatten.
00:32:02: Das war Hagenlänke die eigentlich ein Superstars ihrer Zeit waren und natürlich – das hatte ich ja auch schon mal so'n bisschen angedeutet – diese unglaubliche politische Bedeutung der Spiele.
00:32:13: Denn Wagenrennen waren eben nicht einfach nur Sport Sie waren ja auch Unterhaltungen sie waren Religion, sie waren Wirtschafts sie waren Politik, sie wahren Macht.
00:32:24: Das finde ich einem besonders spannend, wie geschickt diese Spiele politisch genutzt wurden.
00:32:29: Denn zum einen konnten sie ja jungen Politiker tatsächlich als Möglichkeit dienen sich auf ihrem Weg durch den Kursus Honoreum einen Namen zu machen.
00:32:37: aber halt nur wenn Sie sich diese enormen Kosten leisten konnten.
00:32:41: und das war natürlich dann auch wieder ein Einfallstor für Korruption weil... Es konnte ja dann auch einer dem anderen Geld leihen und da stand man auf einmal in seiner Schuld.
00:32:49: Und wenn man zum Konsum wurde, musste man sich wieder an seine guten Spezies erinnern die einem geholfen haben.
00:32:57: Zum Anderen erkannte der Brinkcaps sehr schnell wie wirkungsvoll dieses Instrument war und übernahm die Rolle des Editus immer häufiger selbst um sich selber beliebt zu machen.
00:33:08: Damit gewann nicht nur die Gunst der Bevölkerung sondern nahmen halt auch noch gleichzeitig den Senatoren eines ihrer wichtigsten Mittel zur politischen Selbstdarstellung.
00:33:18: Und dann finde ich es halt noch total spannend, diese ganzen kleinen Parallelen die wir zur Gegenwart haben, ja?
00:33:24: Also sie haben Transfermärkte!
00:33:25: Wir haben Fanartikel... ...wir haben Hooligans, wir haben Fanliebe und wir haben sportliche Rivalität.
00:33:32: Wenn wir ganz ehrlich sind hat sich in den letzten zwei Tausend manchmal gar nicht so viel verändert.
00:33:38: Auf die Idee für diese Folge bin ich ja nicht nur durch meinen kleinen Autobahnmoment gekommen, sondern ein weiterer Anstoß war halt tatsächlich das Graffito aus Pompeii.
00:33:47: Das von einer Prügeleit zwischen Anhängern verschiedener Fraktionen berichtet und als ich das gesehen habe dachte ich krass.
00:33:52: darüber muss ich echt mal sprechen weil es ist ja schon mega spannend dass es auch damals schon wirklich Hooligans gab!
00:34:01: Ja und ich hoffe ich konnte heute ein Stück dieser Geisterung weitergeben Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann freue ich mich natürlich riesig.
00:34:09: Wenn ihr den Podcast abonniert oder ihm eine Bewertung auf eurer Podcast-Plattform dalasst und wenn ihr mich darüber hinaus unterstützen möchtet, könnt ihr mir auch gerne bei Kofi einen Eistee ausgeben!
00:34:21: Ja ein EistEE denn für Kaffee ist es im Moment einfach viel zu warm.
00:34:25: und weil wir in einem Geschichtspotcas sind gibt's zum Abschluss noch einen kleinen historischen Fun Fact.
00:34:31: Populär wurde Eistie nämlich im Jahr.
00:34:41: Es war ein Rekordsonger und heißen Tee wollte bei diesen Temperaturen verständlicherweise nie mal trinken.
00:34:54: Also kühlte er den Tee kurzerhand mit Eis runter!
00:34:58: Ob Eisty wirklich da erfunden wurde, darüber streiten Historiker heute zwar ein wenig.
00:35:02: Berühmt gemacht wurde er dort aber auf jeden Fall und vielleicht schmeckt dein nächster oder euer nächster Eisty ja gleich noch ein bisschen historischer!
00:35:11: Und ich freue mich schon auf unsere nächste gemeinsame Reise in den Strudel der Geschichte.
00:35:16: Wenn ihr Fragen habt, Themenvorschläge oder einfach Lust habt über Geschichte zu quatschen findet ihr mich auf Instagram unter just.nasa.geschichtspotcast.
00:35:26: Schreibt mir gerne!
00:35:28: Ich freue mich immer über eure freundlichen Nachrichten.
00:35:31: Bis zum nächsten Mal und macht's gut!
00:35:33: Ciao.
00:35:36: als Quellen dieser Folge habe ich vor allem das buch zirkus maximus wagen rein im antiken rum von karl willhelm wehbar genutzt.
00:35:47: musik und bilder stammen von tixabay.
00:35:50: vielen dank fürs zu hören.
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