Der schwarze Tod - Warum uns der Schwarze Tod nicht loslässt
Shownotes
Der Schwarze Tod ist seit fast 700 Jahren vorbei – und trotzdem begegnet uns die Pest noch überall.
In der letzten Folge unserer Pest-Trilogie geht es deshalb nicht mehr darum, was während des Schwarzen Todes geschah, sondern darum, was danach aus ihm wurde.
Wir hören Menschen zu, die Pestepidemien selbst erlebt haben: Boccaccio im Florenz des Jahres 1348, Agnolo di Tura in Siena, Guy de Chauliac in Avignon, Ibn al-Khatib in Granada und später Samuel Pepys im London des Jahres 1665.
Dann folgen wir dem Tod durch die Jahrhunderte: zu mittelalterlichen Totentänzen, dem Triumph des Todes in Palermo und den Holzschnitten Hans Holbeins. Wir begegnen der Pest bei Daniel Defoe und Albert Camus, hören Schuberts Der Tod und das Mädchen und landen schließlich bei Ingmar Bergmans Das siebente Siegel, modernen Pestfilmen und Computerspielen wie A Plague Tale und Pathologic 2.
Dabei geht es immer wieder um dieselben Fragen:
Warum eignet sich ausgerechnet die Pest so gut, um Geschichten über Angst, Tod, Kontrollverlust, Schuld und gesellschaftlichen Zusammenbruch zu erzählen? Und warum erkennen wir manche dieser Reaktionen heute plötzlich wieder?
Zum Abschluss von Folge 10 beantworte ich außerdem eine Frage, die mir inzwischen mehrfach gestellt wurde:
Warum heißt dieser Podcast eigentlich „Von einer an der Realität gescheiterten Historikerin“?
Und dann seid ihr gefragt: 🌎 Soll unsere nächste Reise nach Südamerika gehen? 🏺 Oder zurück in die Antike – auf eine ziemlich lange Odyssee?
Schreibt mir gerne, worauf ihr mehr Lust habt.
Du möchstest mir ein Heiß- oder Kaltgetränk deiner Wahl ausgeben? Dann bitte hier entlang: https://ko-fi.com/justanothergeschichtspodcast
Quellen und Bücher der Folge Literatur Bergdolt, Klaus: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. C.H. Beck, München. Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters. C.H. Beck,
Literatur & Quellen
Überblick
Klaus Bergdolt: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. C.H. Beck.
Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters. C.H. Beck.
Joseph P. Byrne: Daily Life during the Black Death. Greenwood Press, 2006.
Historische Quellen
Giovanni Boccaccio: Decameron, Einleitung zum ersten Tag.
Agnolo di Tura del Grasso: Cronaca Senese, Bericht über die Pest von 1348.
Guy de Chauliac: Chirurgia Magna (1363).
Lisan al-Din Ibn al-Khatib: Schriften zur Pest und Ansteckung.
Samuel Pepys: Diary, Einträge zur Großen Pest von London 1665.
Daniel Defoe: A Journal of the Plague Year (1722).
Albert Camus: La Peste / Die Pest (1947).
Kunst, Musik & Rezeption
St. Marien zu Lübeck: Der Lübecker Totentanz von Bernt Notke (1463). Informationen der Marienkirche
Galleria Regionale della Sicilia, Palermo: Trionfo della Morte, anonymer Meister, ca. 1440–1446.
Hans Holbein d. J.: Dance of Death, Entwürfe 1524/25. British Museum
Michael Wolgemut: Dance of Death, Nuremberg Chronicle, 1493. Metropolitan Museum of Art
Matthias Claudius: Der Tod und das Mädchen (1774/75).
Franz Schubert: Der Tod und das Mädchen, D 531 (1817) sowie Streichquartett Nr. 14 d-Moll, D 810.
Ingmar Bergman: Das siebente Siegel (1957). British Film Institute
Qijun Han & Daniel R. Curtis: „Social Responses to Epidemics Depicted by Cinema“. Emerging Infectious Diseases 26/2 (2020), 389–394. DOI 10.3201/eid2602.181022. Artikel beim CDC
Games
A Plague Tale: Innocence (Asobo Studio, 2019).
A Plague Tale: Requiem (Asobo Studio, 2022).
Pathologic 2 (Ice-Pick Lodge, 2019). Pathologic 2 – Spielbeschreibung
Musik in dieser Folge
Franz Schubert: String Quartet No. 14 in D minor, D 810 – „Death and the Maiden“, 1. Satz, 1. Thema. Interpretation: Yorkside Quartet. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 (CC BY 3.0).
Transkript anzeigen
00:00:06: Just another Geschichte Podcast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin.
00:00:14: Awe Salü und guten Tag willkommen im Strudel der Geschichte!
00:00:18: Ich bin Corinna, heute geht es um die Pest ein drittes und letztes Mal.
00:00:24: Und diesmal geht's um die Frage warum fasziniert uns die Pests eigentlich bis heute so sehr?
00:00:31: Aber erst einmal vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen zu den letzten beiden Folgen.
00:00:36: Eine Freundin von mir war im Urlaub und hatte die beiden Folgenden nicht gehört, sie dann direkt hintereinander zu Hause gehört und fand sie super spannend.
00:00:45: Und eine andere Freundin schrieb mir – mit Mittelalter kriegt man mich ja immer!
00:00:50: Also, vielen liebendank für eure lieben Rückmeltungen.
00:00:53: Und vielen dank auch an Barbara, die mir bei Kofi ein Ale ausgegeben hat.
00:01:01: Das hier ist schon die zehnte Folge von Just Another Geschichtspotcast, was irgendwie ein bisschen verrückt ist.
00:01:08: Und weil zehn Folgen ja zumindest ein kleiner Meilenstein sind gibt es heute am Ende noch ein kleines Extra!
00:01:16: Ich beantworte nämlich eine Frage, die mir inzwischen tatsächlich schon mehrfalt gestellt wurde.
00:01:22: Welche das ist?
00:01:23: Verrate ich euch aber jetzt nicht.
00:01:25: dafür müsst ihr bis zum Ende durchhalten.
00:01:28: Aber kommen wir zum Thema.
00:01:30: Mit einem Werk, über das wir heute sprechen werden hatte ich tatsächlich schon in der Schule Berührungspunkte.
00:01:37: Und ich finde, dass ist einmal ein ganz schönes Beispiel dafür, dass man sich dann doch irgendwie weiterentwickelt!
00:01:43: Ich glaube, ich habe es auch noch irgendwo – nämlich die Pest von Albert Camus und ich weiß noch, dass ich dieses Buch damals ganz schrecklich fand und überhaupt keine Lust hatte es zu lesen dass jemand aus meiner Klasse ein so schlechtes Referat darüber gehalten hat, das meine eine Freundin und ich heute noch darüber lässt an.
00:02:06: Also Entschuldigung an dieser Stelle!
00:02:09: Aber wie gesagt, ich weiß noch, da sich dieses Buch furchtbar fand und ich auch einfach keine Lust hatte, darüber irgendwas zu machen... Und jetzt habe ich mich aber für diese Folge nochmal damit beschäftigt und einige Auszüge daraus gelesen.
00:02:25: Doch noch mal eine Chance und Lese ist vielleicht doch nochmal komplett.
00:02:30: Vielleicht geht es dem einen oder anderen von euch ja genauso?
00:02:33: Vielleicht gibt's Dinge, die ihr hier in der Schule lesen oder lernen musstet bei denen ihr damals einfach nur dachtet Boah!
00:02:40: Nee.
00:02:42: Und dann schaut man ein paar Jahre später mit einem anderen Blick auf die Welt nochmal drauf und denkt sich plötzlich Oh!
00:02:50: Vielleicht ist das ja doch ganz interessant.
00:02:53: Und damit habe ich natürlich schon ein bisschen gespoilert, womit wir uns heute beschäftigen werden.
00:02:58: Mit der Darstellung der Pest mit der Rezeption der Peste, mit Literatur Kunst Musik filmen und spielen und vor allem mit der Frage Warum fasziniert uns die Pest heute eigentlich noch so sehr?
00:03:13: Dafür gehen wir zunächst noch einmal zurück ins vierzehnte Jahrhundert.
00:03:19: Die Pest erzählt sich selbst.
00:03:22: Einige zeitgenössische Stimmen habt ihr in den letzten beiden Folgen schon kennengelernt.
00:03:27: Heute möchte ich aber noch ein bisschen genauer hinschauen und anfangen möchte ich mit einem Mann, der uns ebenfalls schon begegnet ist Giovanni Bocaccio Denn Boccaccio beschreibt den Beginn der Pest-Inflorenz-Dreizendhundertundvierzig Folgendermaßen In der berühmten Stadt Florens erschien jene totbringende Pestilenz.
00:03:48: Er überlegt ob es eine Strafe Gottes sei oder von einem Himmelskörper herbeigeführt.
00:03:54: Und er erzählt weiter, es habe sich vom Osten bis nach Florenz
00:03:58: ausgebreitet.".
00:04:00: Dieser Zeilen stammen aus Boccacius de Cameroone.
00:04:03: Das De Cameroon ist für uns nicht nur wegen seiner Beschreibung der Pest und der Zustände in Florens unglaublich interessant Denn eigentlich handelt es sich um eine Sammlung von hundert Novellen eingebettet in einer Rahmenhandlung.
00:04:16: Sieben junge Frauen und drei junge Männer verlassen das von der Pesteim gesuchte Florenz und ziehen sich aufs Land zurück.
00:04:23: Dort verbringen sie ihre Zeit damit, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen.
00:04:27: Jeden Tag wird ein König oder eine Königin auserwählt, die einen Thema bestimmt – und zu diesem Thema muss jeder eine Geschichte erzählen!
00:04:35: Also an zehn Tagen werden jeweils zehn Geschichten erzählt.
00:04:40: Und daher kommt auch der Name Dekamaron das Zehntagewerk.
00:04:45: Viele dieser Geschichten greifen ältere Erzählstoffe Motive und Geschichten auf die Bokatsu neu verarbeitet.
00:04:52: Und hier kommt übrigens noch ganz kurz mein anderes Studium durch, denn was vielleicht nicht alle von euch wissen?
00:04:57: Mein zweites Fach an der Uni war Germanistik und da habe ich mich vor allem mit Literaturwissenschaft beschäftigt!
00:05:04: Deswegen finde ich solche Sachen auch wahnsinnig spannend – die Bücher aufgebaut sind, welche schriftstellerischen Kniffe verwendet werden wie Literatur auf ältere Literatur zurückgreift und wie Geschichten immer wieder neu erzählt werden.
00:05:17: Aber zurück zur Pest Denn bevor Bukaccio seine eigentlichen Geschichten erzählen lässt, beschreibt er ziemlich ausführlich was in Florenz passiert.
00:05:25: Und dazu gehören auch die Symptome!
00:05:27: Er beschreibt zunächst Schwellungen in Leiste- und Axelhöhlen teilweise so groß wie ein Apfel oder ein Ei... ...und anschließend schwarze beziehungsweise Livideflecken an Armen oberschenkeln und anderen Körperstellen.
00:05:40: Dann kommt für mich der eigentlich noch viel spannende Teil Denn Bokaccio beschreibt nicht nur die Krankheit.
00:05:47: Er beschreibt, was die Krankheiten mit den Menschen macht.
00:05:50: Manche schlossen sich von allen anderen ab, lebten möglichst gemäßigt und versuchten überhaupt nichts von Krankheit und Tod mitzubekommen.
00:05:57: Andere machten genau das Gegenteil – sie tranken, feierten und zogen von Taverne zu Taverna!
00:06:01: Und wieder andere kamen zu einem ziemlich radikalen Schluss, nämlich der Flucht.
00:06:07: Sie verließen Florenz und zog aufs Land.
00:06:09: Dann beschreibt Bokace etwas, dass ich ziemlich heftig finde….
00:06:14: Er schreibt wie tief die Angst vor der Krankheit in die Beziehungen zwischen den Menschen Eingriff.
00:06:20: So schreibt er, Brüder ließen Brüde zurück, Verwandte mieden einander und Ehepartner verließen einander.
00:06:29: Bokaccio geht sogar noch weiter und schreibt das Eltern teilweise ihre erkrankten Kinder zurückließen.
00:06:35: Und natürlich müssen wir auch Bokaci als literarischen Autoquellen kritisch lesen.
00:06:39: Das hier ist keine nüchterne moderne Sozialstatistik aus Florenz.
00:06:43: Aber genau das macht diese Quelle für unsere heutige Frage so interessant, denn plötzlich haben wir nicht mehr einfach... ... und wir haben Geschichten.
00:07:01: Geschichten die Menschen sich erzählen während draußen eine Epidemie ihre Welt vollkommen auf den Kopf stellt.
00:07:08: Und vielleicht ist genau das schon ein erster Hinweis darum, warum die Pest bis heute so fasziniert.
00:07:14: Nun haben wir mit Bocaccio natürlich eine unglaublich große Quelle für den Schwarzen Tod aber er war bei Weitem nicht der einzige der aufschrieb was um ihn herum geschah.
00:07:24: und ich möchte euch noch drei Männer vorstellen die uns teilweise schon in der ersten Folge begegnet sind Denn das spannende ist alle drei erleben dieselbe Pandemie Aber sie schreiben vollkommen unterschiedlich darüber.
00:07:36: Der erste ist Anjolu Ditura aus Sienna.
00:07:40: Ditura war Kronis seiner Stadt und er erlebte dort, den Schwarzen Tod.
00:07:47: Und sein Bericht gehört für mich zu den eindrücklichsten Quellen die wir aus dieser Zeit haben.
00:07:52: Er schreibt Es ist der menschlichen Zunge unmöglich Die schreckliche Wahrheit wiederzugeben Und trotzdem versucht er es.
00:08:00: Er beschreibt das Väter ihre Kinder zurückließen Ehefrauen ihre Männer und Geschwister einander dass irgendwer niemand mehr gefunden werden konnte, der die Toten für Geld oder aus Freundschaft begraben wollte.
00:08:12: Die Angehörigen brachten ihre Toten selbst zu den Geruben ohne Priester, ohne die üblichen kirchlichen Rituale.
00:08:20: und er schreibt sobald eine dieser Geruben voll war wurde die nächste ausgehoben.
00:08:26: Und dann wird aus dieser Chronik plötzlich etwas sehr Persönliches Denn Angiolo di Tura schreibt ich begrub meine fünf Kinder mit meinen eigenen Händen.
00:08:37: Und ich finde genau an solchen Stellen passiert etwas mit Geschichte.
00:08:40: Wir können sagen, ins Jenner starben tausende Menschen wir können über Sterblichkeitsraten sprechen und Tabellen machen Aber dann schreibt da ein Mann vor fast siebenhundert Jahren Ich habe meine fünf Kinder mit meinen händen begraben und plötzlich ist das keine Statistik mehr.
00:09:01: Dann haben wir jemanden den wir auch schon kennengelernt haben Nämlich Guy de Chulac.
00:09:07: Und dieser blickt vollkommen anders auf dieselbe Katastrophe.
00:09:13: Guy des Chulacs war einer der bedeutendsten Ärzte und Chirurgen des vierzehn Jahrhunderts, er hatte unter anderem in Montpellier und Bologna studiert und wurde schließlich Arzt am Hebstlichen Hof in Avignon.
00:09:26: Seine thirteenhundertsechzig vollendete Chirurgia Magna wurde für Jahrhunderte eines der einflussreichsten chirurgischen Lehrbücher Europas.
00:09:36: Und in den letzten Jahren war Ghi mitten drin, die Pest erreichte Avignon.
00:09:43: Ghi blieb dort, behandelte Erkrankte und erkrankte schließlich selbst.
00:09:49: Er entwickelte einen Pest-Bubu unter der Achse und überlebte.
00:09:54: Während Anjolu Dittura uns vor allem vermittelt wie sich die Katastrophe anfühlte versuchte Gide Sholak als Mediziner zu verstehen Was passiert hier eigentlich?
00:10:06: Er unterschiedt in seinem späteren Bericht unterschiedliche Scheinungsformen der Pest und beobachtete unter anderem Bubonen und den unterschiedlichen Verlauf der Erkrankungen.
00:10:16: Seine medizinische Interpretation war natürlich weiterhin die eines Arztes des vierzehnten Jahrhunderts mit Humoralpatologie- und Vorstellungen von verdorbener Luft, aber er beobachtet – er vergleicht!
00:10:31: Er versucht aus dem, was er erlebt hat, medizinisches Wissen zu machen.
00:10:36: Und genau deshalb finde ich diese Quellen nebeneinander so spannend an.
00:10:39: Yolo di Tura sagt im Grunde Ich kann kaum beschreiben, was ich gesehen habe und Gidis Cilac sagt, ich hab es gesehen!
00:10:47: Jetzt versuche ich zu verstehen, was ist wahr?
00:10:52: Dann verlassen wir für einen Moment tatsächlich mal unseren sehr europäischen Blick auf den schwarzen Tod Denn während in Italien und Frankreich diese Texte entstehen sitzt im islamisch geprägten Al-Andalus, ein Mann namens Lisan Abdin Ibn al Qadib.
00:11:08: Und ibn al qadib war – dafür gibt es tatsächlich ein wunderschönes Wort – einen Universalgelehrter.
00:11:16: Er war Dichter, Historiker, Philosoph, Mediziner, Politiker und zeitweise war er wie sie am Hof der Nasriden in Granada.
00:11:26: Was denn Kiki?
00:11:28: Ja ist ja gut!
00:11:29: Ja du hast auch ganz viel Ahnung ich weiß.
00:11:33: Entschuldigung, Kiki ist gerade reingekommen.
00:11:39: Ähm... Wo waren wir?
00:11:41: Genau!
00:11:41: Bei Iben Al-Katib.
00:11:43: Sein Leben war übrigens ziemlich wild.
00:11:46: Er stieg zu einem der wichtigsten Männergerinadas auf, musste mehrfach ins Exil und wurde schließlich in Fils inhaftiert und erdrosselt.
00:11:57: Aber für uns ist vor allem wichtig, was er über die Pest geschrieben hat.
00:12:00: Denn ihm Al-Katib beschäftigte sich mit einer Frage, die für uns heute vollkommen selbstverständlich klingt – Ist die Peste ansteckend!
00:12:09: Und seine Argumentation ist erstaunlich empirisch.
00:12:11: Er schreibt sinngemäß das die Existenz von Ansteckung durch Erfahrung, Untersuchungen, Beobachtung und wiederholte Berichte bestätigt werde.
00:12:20: Dann wird er sehr konkret.
00:12:23: Die meisten Leute, die keinen Kontakt mit einem infizierten Patienten mit der Krankheit hatten sind nicht gestorben.
00:12:33: Während Menschen, die den Kontakt mit einen infizierten Patienten hatten, gestorgen sind.
00:12:39: Er beobachtet außerdem dass die Krankheit offenbar über Gegenstände wie Kleidung und Gefäße weitergegeben werden konnte.
00:12:45: Nein!
00:12:46: Iben Eikati wusste natürlich nichts von Yasinia Pestis, Bakterien oder Flöhen aber er hatte etwas Entscheidendes beobachtet.
00:12:55: Kontakt scheint eine Rolle zu spielen.
00:12:57: Und jetzt kommt etwas, was ich tatsächlich faszinierend finde Denn in der islamischen Überlieferung existierte bereits lange vor ihm Al-Katib ein Regel für den Umgang mit Pestgebieten oder allgemeinen Seuchengebieten.
00:13:10: Im Sahih al-Bukhari wird einen Ausspruch Mohameds überliefert Wenn du von einem Ausbruch einer Pest oder einer Seuche in einem Land hörst dann betritt es nicht Und wenn die Pest dort ausbricht, wo man sich bereits befindet, dann verlassen diesen Ort nicht.
00:13:28: Also ganz grob ist die Peste irgendwo, geh'n ich hin?
00:13:31: Seid ihr schon dort, geh nich weg!
00:13:34: Und das ist natürlich noch keine moderne Keimtheorie... Aber praktisch ist es erstaunlich nah an einem Prinzip des wir heute kennen – Bewegung aus einem solchen Gebiet heraus begrenzen.
00:13:45: und eben akatip geht sogar noch einen Schritt weiter.
00:13:47: Er argumentiert ausdrücklich mit Beobachtung an der Erfahrung für die Existenz von Ansteckungen.
00:13:53: Eine umfassendere, frühneuzeitliche Theorie der Anstecken formuliert schließlich Girolamo Fra Castoro in Dicontagione ad Contagiosis Morbis.
00:14:08: Er unterscheidet Übertragung durch direkten Kontakt und Gegenstände sogenannte Formithes und über Entfernung, und stellte sich winzige Krankheitsübertragende Seminaria – also gewisserweise oder gewissermaße Samen vor.
00:14:25: Von moderner Mikrobiologie sind wir damit immer noch weit entfernt.
00:14:29: Aber es war ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Infektionstheorien.
00:14:34: Nur hatte ihm Al-Katib fast zweihundert Jahre vorher schon etwas Entscheidendes getan.
00:14:38: Er hat hingeschaut.
00:14:40: Darum wissen wir so vieles über den Schwarzen
00:14:42: Tod.".
00:14:43: und dem, was er mit den Gesellschaften machte.
00:14:46: Boccaccio erzählt Aniolo di Tura erinnert sich Gidescholak dokumentiert als Arzt und ihm ein Kathib beobachtet und versucht Zusammenhänge zu erkennen.
00:14:57: Vier Menschen vier vollkommen unterschiedliche Texte Und trotzdem passiert durch alle vier dasselbe.
00:15:04: Die Pest verschwindet nicht einfach nachdem die Menschen gestorben sind.
00:15:07: sie wird aufgeschrieben.
00:15:10: Springen wir noch einmal ungefähr dreihundert Jahre weiter.
00:15:13: Seine Stimme kennen wir schon aus der letzten Folge.
00:15:15: Samuel Pipps.
00:15:17: Sechzehnhundertfünfundsechzig erlebt er die große Pestepidemie von London und bei ihm haben wir noch einmal eine ganz andere Form der Überlieferung.
00:15:26: Pippes schreibt keine Kronik über die Pest, er schreibt auch keine medizinische Abhandlung, er Schreibt Tagebuch – und zwar ziemlich ausführlich!
00:15:34: Er schreibt über seine Arbeit, über Geld und Politik darüber wie er getroffen hat was er gegessen hat, über seine Frau oder Musik eigentlich über sein ganz normales Leben.
00:15:44: Und genau in dieses normale Leben schiebt sich die Pest hinein.
00:15:50: Dadurch können wir in seinem Tagebuch fast mitverfolgen wie eine Epidemie langsam Teil des Alltags wird.
00:15:56: Andy Juni schreibt er beispielsweise über die wöchentlichen Sterbezahlen.
00:16:00: Am neunzwanzigsten Juni sind laut dem Bill of Mortality, zweihundertsechzig Menschen an der Pest gestorben.
00:16:07: Ende August sieht das vollkommen anders aus.
00:16:10: Pipsch schreibt every day sadder and sadder news on its increase.
00:16:15: Jeden Tag traurigere und trauriggere Nachrichten über ihre Zunahmen.
00:16:20: Für diese Woche nennt ihr sechstausend einhundertzwei Pest-Tote und vermutet selbst dass die tatsächliche Zahl noch höher lag.
00:16:26: Und wenige Tage später, am siebten September, wurde sich wieder die wöchentlichen Sterbe zahlen und schreibt... ...which is a dreadful number.
00:16:34: Das ist eine höchststreckliche Zahl.
00:16:36: Sechstausend achthundert, altundsevtig Pestote weist die Liste aus in einer einzigen Woche Aber genau wie bei Agnolo di Tura sind es eigentlich nicht diese Zahlen, die ich an dieser Quelle am eindrücklichsten finde.
00:16:49: Es sind die Momente dazwischen.
00:16:52: Pip sieht Särge und Beerdigung Häuser werden geschlossen, Menschen aus seinem persönlichen Umfeld erkranken und sterben.
00:16:59: Einer seiner Bootsleute der ihn regelmäßig über die Temse gefahren hatte wird krank und stirbt kurz darauf.
00:17:06: Zwei seiner Angestellten verlieren in derselben Woche ihre Väter Und an einer Stelle schreibt er über die Quarantänemaßnahmen etwas das ich unglaublich eindrücklich finde The plague making us cruel as dogs one to another Die Pestmache sie gegeneinander grausam wie Hunde.
00:17:25: Und genau deswegen finde ich Pips für uns heute so spannend.
00:17:28: Wir wissen natürlich, wie die Geschichte ausgeht.
00:17:30: Pips weiß es nicht!
00:17:32: Wenn er morgens aufsteht und seinen Tagebuch schreibt, weiss er nicht ob die Zahlen nächste Woche steigen oder fallen werden.
00:17:39: Er weiß nicht, ob jemand aus seinem Umfeld als Nächstes erkrankt und auch nicht, dass er selbst die Pest bekommen wird.
00:17:47: Wir lesen diese Epidemie also nicht rückblickend als abgeschlossenes historisches Ereignis – wir erleben sie mit einem Menschen der mitten drin steckt.
00:17:55: Und damit haben wir über mehrere Jahrhunderte Menschen, die die Pest erleben und darüber schreiben.
00:18:00: Sie erzählen sie beobachten sie dokumentieren sie versuchen zu verstehen aber irgendwann verändert sich etwas denn irgendwann schreiben Menschen über die Pests, die sie überhaupt nicht erlebt haben und aus dem historischen Ereignis wird Kultur.
00:18:15: Bis jetzt haben wir also von Menschen gehört, die Die Pest erlebt und darüber geschrieben haben.
00:18:20: Aber natürlich sind Texte nicht die einzige Möglichkeit, wie Menschen versuchen so etwas zu verarbeiten.
00:18:26: Denn irgendwann bekommt der Tod auch ein Gesicht.
00:18:30: und damit kommen wir zur einem Motiv das fast jeder von euch wahrscheinlich schon einmal irgendwo gesehen hat dem Totentanz.
00:18:41: Und vielleicht erinnert ihr euch noch?
00:18:43: In der letzten Folge hatte ich euch einen ganz bestimmten Totentans schon versprochen den Lübecker-Totentanz von Bernd Nottke.
00:18:51: Nottke schuf in fourteenhundertsechzig für die Marienkirche in Lübeck und das Timing könnte eigentlich kaum passender sein, denn zu diesem Zeitpunkt wusste man bereits dass sich die Pest von Süden näherte.
00:19:03: Und tatsächlich erreichte sie Lübäck zur Ostern fourteenhundert sechzig.
00:19:08: Der ursprüngliche Totentanz war riesig – ungefähr sechsundzwanzig Meter lang und fast zwei Meter hoch auf Leinen gemalt und an den Wänden der Beichtkapelle angebracht.
00:19:17: Darauf waren vierundzwantig Paare zu sehen Und mit Paare meine ich jetzt keine romantischen Paare.
00:19:23: Jedes Bestand aus einem lebenden Menschen und dem Tod.
00:19:28: Da sind Papst, Kaiser, Bürgermeister und Kaufmann, Bauer und schließlich sogar ein kleines Kind... ...und der Tod kommt zu ihnen allen!
00:19:38: Das ist ein Motiv das uns immer wieder begegnen wird.
00:19:41: Vor dem Tod sind alle gleich.
00:19:44: Egal ob Papst-, Kaiser-, Kaufmann oder Bauer.
00:19:47: Irgendwann kommt der Tod und fordert zum Tanz.
00:19:51: Natürlich heißt das nicht, dass während einer Pestepidemie tatsächlich alle Menschen das gleiche Risiko hatten.
00:19:57: Wer reich war konnte beispielsweise eher eine Stadt verlassen oder hatte andere Möglichkeiten als jemand der in Armut lebte.
00:20:04: Aber als Bild ist diese Vorstellung unglaublich mächtig!
00:20:07: Der Tod interessiert sich nicht für deinen gesellschaftlichen Rang – genau daraus entwickelt sich die ganze Bildsprache von Totentanz Memento Mori, also Bedenke dass du sterblich bist und dem Triumph des Todes.
00:20:23: Ein berühmtes Beispiel ist der Triumph Des Todes in Palermo entstanden ungefähr fourteenhundertviertig vierzehnhundertsechsundvierzig.
00:20:31: Wenn ihn gemalt hat wissen wir bis heute nicht.
00:20:35: Und dieses Bild ist wirklich... ...nicht subtil.
00:20:39: Der Tod reitet auf einem vollkommen abgemagerten Pferd mitten durch die Szene und schießt mit Feilen auf die Menschen und dabei trifft es eben nicht nur die Armen oder die Kranken.
00:20:49: Da sind Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, genau wie beim Totentanz begegnet uns also wieder diese Vorstellung – dem Tod kann man am Ende nicht
00:20:58: entkommen.".
00:21:00: Das Fresco entstand übrigens für das Palazzo Scalfani in Palermo, der damals als Krankenhaus genutzt wurde.
00:21:08: Heute befindet sich in der Galeria regionale della Sicilia im Palazso Abercellis Und auch hier müssen wir wieder ein bisschen vorsichtig sein.
00:21:19: Das ist keine Illustration des schwarzen Todes von thirteenhundertachtundvierzig, das Werk entstand fast hundert Jahre später aber es gehört in diese mittelalterliche oder spätmittelalterliche Bildwelt in der Todvergänglichkeit und die Erfahrung widerkehrender Seuchen unglaublich präsent waren.
00:21:39: Jetzt springen wir einmal ziemlich weit nach vorne Um fifteenhundertsechzeigmal Peter Brügel der Ältere ebenfalls ein Triumph des Todes.
00:21:49: Der schwarze Tod liegt da mehr als zweihundert Jahre zurück, aber schaut euch dieses Bild einmal an!
00:21:55: Es ist vollkommen irre.
00:21:57: Überall sind Gelette, Menschen fliehen, Menschen werden getötet, Ein Herr aus Toten zieht durch eine verwüstete Landschaft.
00:22:04: und egal wohin man schaut – der Tod gewinnt Und weder spielt er gesellschaftliche Rang keine Rolle.
00:22:12: Und wenn ihr sehen wollt, wie weit man dieses Prinzip treiben kann, dann schaut euch einmal Hans Holbeins Totentanz an.
00:22:19: Holbein entwarf in den fifteen Hundertzwanziger Jahren eine ganze Serie kleiner Holzschnitte und ich habe mich da wirklich ein bisschen drin verloren Denn der Tod kommt einfach zu allen Zum König zum Adeligen zum Geistlichen zum Händler zum alten Mann zur Frauen zur Kindern.
00:22:36: Teilweise geht ja tot neben ihnen her.
00:22:39: teilweise überrascht er sie mit einem Alltag Und dadurch passiert etwas ziemlich Geniales.
00:22:44: Der Tod ist nicht mehr dieses abstrakte Ding, das irgendwann einmal passiert.
00:22:50: Er platzt mitten ins Leben hinein.
00:22:53: Im Original ansehen kann man sich das Ganze im British Museum.
00:22:56: Dieses führt die Serie mit einundvierzig Holzschnitten von Holborn, fifteenhundertzwanzig entworfen und von Hans Glitzelburger geschnitten.
00:23:05: Erstmals ist es fünfzehnhundertdreißig dann als Buchserie erschienen.
00:23:11: Auch in der Nürnberger Chronik von fourteenhundertdreiundneinzig gibt es eine Abbildung des Totentanzes.
00:23:20: Bis jetzt hatten wir Menschen, die die Pest tatsächlich erlebt haben und darüber geschrieben haben oder eben den Schrecken des Todes illustriert haben.
00:23:29: Aber irgendwann passiert etwas spannendes.
00:23:32: Die Pest wird selbst zum Stoff für Literatur Und einer der ersten Autoren bei denen wir das besonders schön sehen können ist jemand Den wahrscheinlich fast jeder zumindest vom Namen kennt Daniel Defoe, der Autor von Robinson Coso.
00:23:47: Das habe ich übrigens tatsächlich in der sechste Klasse gelesen.
00:23:51: Was ich damals nicht gelesen habe ist ein anderes Buch von ihm und dessen vollständiger Titel es so herrlich lang dass ich ihn euch jetzt nur einmal zumuten werde.
00:24:12: which happened in London during the last great visitation in sixteen sixty-five, written by a citizen who continued all the while in London.
00:24:24: Never made public before oder wesentlich handlicher Gepäst zu
00:24:30: London.".
00:24:31: Das Buch erscheint seventeenhundertzwanzig also mehr als fünfzig Jahre nach der großen Londoner Pest von sechzehnhundertfünfundsechzig Und ich habe es für diese Folge leider auch nur auszugsweise gelesen.
00:24:43: Aber ich glaube tatsächlich, dass ich es noch komplett lesen werde weil das einfach unglaublich spannend klingt Denn Defoe macht etwas ziemlich Klepperes.
00:24:51: Er schreibt nicht Hallo Ich bin Daniel Defoe und ich erzähle euch jetzt etwas über die Pest von sixteenhundertfünfundsechzig.
00:25:01: Stattdessen schreibt er aus der Perspektive eines Mannes mit den Initialen HF.
00:25:06: HF ist Sattler und lebt im Osten Londons, im Bereich von Altgate und Whitechapel.
00:25:14: Und er erzählt uns die Ereignisse so als hätte er sie selbst erlebt!
00:25:18: Jetzt wird es interessant denn Daniel Defoe selbst war während der Pest tatsächlich schon am Leben.
00:25:25: Er wurde um sixteenhundertsechzig geboren und war sixteenhundertfünfundsechzlich ungefähr vier oder fünf Jahre alt.
00:25:32: aber wir können natürlich nicht einfach sagen dass das was er hier beschreibt seiner eigenen Kindheitserinnerung sind.
00:25:39: Es gibt allerdings eine ziemlich faszinierende Theorie.
00:25:43: Default hatte ein Onkel namens Henry Faux, HF und ratet mal was Henry Faud beruflich war.
00:25:53: Sattler!
00:25:54: Genau wie der Erzähler.
00:25:56: Es wurde das halt immer wieder vermutet dass Default für sein Buch auf Erinnerungen oder vielleicht sogar Aufzeichnungen seines Onkels zurückgegriffen haben könnte.
00:26:05: nur Wir wissen es nicht.
00:26:08: Und genau deshalb ist dieses Buch für unsere heutige Folge so interessant, denn was isst a Journal of the Black Year eigentlich?
00:26:17: Ein Roman eine historische Rekonstruktion ein fiktiver Augenzeugenbericht.
00:26:24: irgendwie ist das ein bisschen von allem.
00:26:27: Default benutzt nachweislich historischer Quellen.
00:26:30: er arbeitet beispielsweise mit den damaligen Builds Of Mortality also den wöchentlichen Londoner Sterbelisten und greift auf medizinische Berichte zurück.
00:26:39: Gleichzeitig lässt er seinen fiktiven bzw zumindest literarisch gestalteten Erzähler durch London laufen, beobachten was mit der Stadt geschieht – und die Geschichte beginnt eigentlich ganz langsam.
00:26:53: HF hört zunächst Gerüchte!
00:26:55: Die Pest sei wieder in Holland.
00:27:04: Etwas kam into Holland again.
00:27:07: Woher sie kam, war zunächst egal.
00:27:09: alle waren sich nur einig die Pest war wieder da und irgendwann kommen die ersten Meldungen aus London.
00:27:15: dann steigen die Zahlen.
00:27:17: Menschen beginnen die Stadt zu verlassen Und auch HF muss sich entscheiden bleibe ich oder gehe Ich?
00:27:24: sein Bruder will mit seiner Familie London verlassen und versucht auch ihn davon zu überzeugen.
00:27:30: Hf überlegt tatsächlich zu fliehen aber immer wieder kommt etwas dazwischen.
00:27:35: Schließlich schlägt er die Bibel auf und landet bei Psalm einundneunzig.
00:27:39: Für ihn wird das zu einem Zeichen, ich soll
00:27:41: bleiben.".
00:27:43: Also bleibt er in London!
00:27:44: Und von diesem Moment an beobachten wir mit ihm was die Pest mit einer Stadt macht... ...und das Spannende ist... ...DV beschreibt nicht einfach nur Menschen, die an der Pest sterben.
00:27:56: Er stellt im Grunde eine viel größere Frage.
00:27:59: Was passiert mit einer Gesellschaft während einer Epidemie?
00:28:04: Was macht die Politik?
00:28:06: Wie versucht die Verwaltung, die Krankheit einzudämmen.
00:28:09: Was passiert mit Handel und Wirtschaft?
00:28:11: was passiert mit den Armen dann plötzlich Arbeit- und Einkommen wegbrechen?
00:28:15: was passiert Mit der Versorgung einer riesigen Stadt?
00:28:18: Und wie verändern sich Religion und Aberglaube?
00:28:21: und vor allem was machen Die Menschen?
00:28:24: manche fliehen manche schließen sich ein Manche versuchen mit der Katastrophe Geld zu verdienen manche helfen anderen und manche machen einfach irgendwie weiter wie bisher.
00:28:36: Und dadurch wird die Pest bei Defo fast zu einem Experiment – was bleibt von einer Gesellschaft übrig, wenn man sie unter extremen Druck setzt?
00:28:46: Das ist übrigens nicht nur unsere Interpretation!
00:28:48: Eine neuere Analyse des Journal hebt gerade Defos Beschäftigung mit Risiko öffentlicher Gesundheit, Sterbestatistik, Quarantänehandel und dem Verhalten der Bevölkerung hervor.
00:29:00: Interessanterweise erschien das Buch, auch in einem ganz konkreten Kontext.
00:29:06: Kurz zuvor hatte die Pest von Marseille, in Europa erneut große Angst vor einer Ausbrötung ausgelöst.
00:29:15: Der V schrieb also nicht zufällig siebenundfünfzig Jahre später über die Londoner Pest – denn Pest war plötzlich wieder ein hochaktuelles Thema!
00:29:24: Die Vergangenheit wird also wieder interessant, weil sie plötzlich etwas über die Gegenwart zu erzielen scheint.
00:29:30: Und genau dieses Muster werden wir noch einmal sehen – mehr als zweihundert Jahre später in einem anderen Buch, bei Berg Camus' «Die Pest».
00:29:39: Wie gesagt ich habe das Buch in der Schule gelesen und ich fand es schrecklich!
00:29:43: Ich habe jetzt für diese Folge nochmal Auszüge gelesen, und ich muss sagen... ...ich glaube, ich gebe dem Ganzen noch einmal eine Chance.
00:29:51: Denn wenn man sich ein bisschen näher damit beschäftigt ist dieses Buch eigentlich herrlich absurd.
00:29:57: Die Pest erscheint in den Algerischen Stadt Oran und die Katastrophe beginnt erst einmal ziemlich unspektakulär, es tauchen Todratten auf.
00:30:10: dann werden Menschen krank, Menschen sterben und irgendwann fällt zum ersten Mal das Wort Pest.
00:30:18: Und was passiert dann?
00:30:20: Nun ja!
00:30:21: Es wird erstmal diskutiert.
00:30:23: Ist das wirklich die Pest?
00:30:25: Kann man das überhaupt so nennen?
00:30:27: Welche Maßnahmen müsste man ergreifen, wäre es eigentlich zuständig und was bedeutet das für die Stadt.
00:30:34: Die Bedrohung ist längst da aber die Menschen müssen sich erst einmal darauf einigen dass die Bedrohnung überhaupt existiert.
00:30:41: und währenddessen sterben Menschen.
00:30:43: Und das ist natürlich politisch unglaublich interessant Denn Camus zeigt hier etwas das weit über eine Pestepidemie hinausgeht.
00:30:51: Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn eine Bedrohung auftaucht, die eigentlich sofortiges gemeinsames Handeln verlangen würde?
00:30:59: Aber die Menschen vollkommen unterschiedlich darauf reagieren.
00:31:02: Schließlich wird Oran abgesegelt... ...abgeriegelt!
00:31:09: Entschuldigung.
00:31:12: Niemand darf einfach hinein oder hinaus.
00:31:15: Familien und Liebespaare werden voneinander getrennt.
00:31:19: Menschen sitzen fest und plötzlich ist die ganze Stadt eine Art abgeschlossene Versuchsanordnung.
00:31:24: Und innerhalb dieser Stadt begleiten wir verschiedene Menschen.
00:31:28: Da ist zum Beispiel Dr.
00:31:29: Berna Rieu, Rieu ist Arzt.
00:31:33: Er erkennt relativ früh was geschieht und versucht im Grunde während des gesamten Romans einfach eines Menschen am Leben halten.
00:31:40: Ein kleiner Spoiler für ein fast-achtzig Jahre altes Buch.
00:31:45: Erst am Ende erfahren wir das Rieu selber derjenige ist, der die Chronik geschrieben hat, die wir gerade lesen.
00:31:54: ein Jesuiten-Pater.
00:31:55: Und der ist interessant, weil er Riehre einen vollkommen anderen Blick auf die Katastrophe gegenüberstellt.
00:32:03: In seiner ersten großen Predigt deutet Panelu, die pässt als eine göttliche Strafe Aber dann passiert etwas Entscheidendes.
00:32:11: Panelu erlebt den qualvollen Tod eines Kindes und danach verändert sich seine Theologie.
00:32:19: Seine zweite Predigt Wesentlich komplizierter, erhält zwar an seinem Glauben fest aber die einfache Erklärung ihr habt gesündig also schickt euch Gott.
00:32:27: die Pest funktioniert angesichts des Leidens eines unschuldigen Kindes nicht mehr so einfach.
00:32:33: Und schließlich erkrankt Panelu selbst.
00:32:35: Er vertritt zu diesem Zeitpunkt die Auffassung dass ein Priester sich vollständig Gottes Willen anvertrauen müsse und keinen Arzt rufen soll.
00:32:43: Als er krank wird weigert er sich deshalb zunächst tatsächlich einen Arzt kommen zu lassen.
00:32:47: seine Gastgeberin ruft trotzdem Riö Und Panellou stirbt.
00:32:52: Und selbst dann verweigert Camus uns eine einfache Antwort, denn seine Symptome sind nicht eindeutig.
00:32:58: Réux schreibt auf seine Karte zweifelhafter Fall.
00:33:03: und genau solche Konflikte ziehen sich durch das ganze Buch Glauben gegen Zweifel Individuum gegen Gemeinschaft Flucht gegen Verantwortung Eigeninteressen gegen Solidarität.
00:33:15: Es gibt Menschen die aus Oran fliehen wollen es gibt Schmuggler die daraus ein Geschäft machen andere schließen sich den freiwilligen Sanitätsdrupps an.
00:33:23: Und immer wieder steht eigentlich dieselbe Frage im Raum, was schulde ich anderen Menschen wenn wir alle von der selben Katastrophe bedroht sind?
00:33:33: Und jetzt könnte man natürlich sagen okay das ist eben ein Roman über eine Pestepidemie – ist es auch!
00:33:40: Aber eben nicht nur denn die Pest erscheint nineteenhundertsiebundvierzig.
00:33:45: Camus hat während des Zweiten Weltkriegs selber in der französischen Resistor gearbeitet und für die Untergrundzeit im Combat geschrieben.
00:33:54: Die Pest lässt sich deshalb gleichzeitig als Bild für die deutsche Besatzung Frankreichs und den Faschismus lesen.
00:34:01: Diese Interpretation ist nicht einfach irgendwann von Literaturwissenschaftlern erfunden worden, Camus selbst schrieb Er habe durch die Pest die Beklemmungen bedrohen und das Exil ausdrücken wollen, die während der Besatzungszeit erlebt wurden waren Aber – und das finde ich wichtig Die Pest steht nicht ausschließlich für den Nationalsozialismus.
00:34:21: Camus wollte diese Erfahrung ausdrücklich auf die menschliche Extenz allgemein ausweiten, und damit wird die Pest endgültig zur Metapher.
00:34:30: Sie kann Krankheit sein!
00:34:31: Sie kann Faschismus sein?
00:34:33: Sie kann Unterdrückung
00:34:34: sein?!
00:34:35: Sie kann all das sein was sich in eine Gesellschaft hineinschlägt, was Menschen voneinander trennt und sie irgendwann zwingt sich zu entscheiden.
00:34:42: Was mache ich jetzt?
00:34:44: Schau' ich weg... versuche ich nur, mich selbst zu retten oder tue ich mich mit anderen zusammen und versuche etwas dagegenzutun.
00:34:53: Und vielleicht ist auch das ein weiterer Grund warum uns die Pest bis heute nicht loslässt weil sie als Geschichte unglaublich wandelbar ist.
00:35:00: wir können mit ihr über Krankheit sprechen aber gleichzeitig können wir mit ihrer Angst Politik Religion Egoismus Solidarität Tod und gesellschaftlichen Zusammenhalt sprechen.
00:35:11: Die Pest ist irgendwann nicht mehr nur ein historisches Ereignis.
00:35:15: Sie wird zu einer Sprache, mit der wir über Krisen erzählen.
00:35:22: Und eine ganz andere Sprache mit der wie über Tod und damit auch über Pest sprechen können ist die Musik.
00:35:29: Da begegnet uns wieder etwas das wir gerade schon bei den Bildern gesehen haben – der Totentanz!
00:35:35: Es gibt verschiedene musikalische Totentänze.
00:35:37: Auch hier gilt nicht jeder Totentans-Hanwalt von der Pest.
00:35:41: Eigentlich tun das die meisten gar nicht.
00:35:44: Aber sie greifen dieselbe Bildwelt auf die uns jetzt schon die ganze Zeit begleitet, den personifizierten Tod, die Vergänglichkeit und die Vorstellung dass irgendwann jeder mit ihm tanzen muss.
00:35:57: Und ein sehr bekanntes Beispiel das war kein Totentanz im eigentlichen Sinne ist aber genau in dieser Tradition der Begegnung mit dem personifiziertem Tod steht ist Franz Schubert's Der Tod und Das Mädchen.
00:36:09: Schupert vertont hier ein Gedicht von Matthias Claudius Das Mädchen sieht den Tod und bekommt Angst.
00:36:15: Der Tod antwortet ihr, stellt sich dabei interessanterweise gar nicht als grausame Gestalter sondern beinahe etwas Tröstliches.
00:36:24: Schubert hatte das Ursprünglich als Klavierstück verfasst und später mit dem gleichen Motiv ein Geigenquartett geschrieben.
00:36:37: Ich wollte euch davon natürlich unbedingt etwas vorspielen Übrigens aber erstaunlich schwierig war, weil Schubert ist zwar seit fast zweihundert Jahren tot.
00:36:48: Die Menschen die seine Musik heute aufnehmen, aber halt meistens noch nicht... Aber ich habe tatsächlich eine Aufnahme gefunden, die ich euch ganz legal vorspielen darf.
00:37:16: Und auch hier muss man natürlich bedenken, Schupert hat dieses Stück nicht explizit über den schwarzen Tod geschrieben.
00:37:22: Aber hört euch an wie lange dieses Motiv weiterlebt.
00:37:26: Der Tod wird zur Figur Er kommt zu uns, er spricht mit uns und irgendwann müssen wir mit ihm gehen.
00:37:35: Genau diese Grundidee ist uns vorher schon im mittelalterlichen Totentanz begegnet.
00:37:40: Wenn ihr euch das Stück einmal komplett anhören möchtet dann sucht einfach nach Franz Schubert Streichquartett Nr.
00:37:51: Und jetzt haben wir schon einige verschiedene Arten gesehen, wie Menschen die Pest und vor allem Tod Krankheit und Vergänglichkeit verarbeitet haben.
00:38:02: In Kroniken und Tagebüchern in Literatur, in Bildern und in Musik.
00:38:10: Und natürlich fehlt uns jetzt noch ein Medium das all diese Dinge miteinander verbinden kann der Film.
00:38:20: Und ein Film möchte ich dabei besonders herausgreifen, weil er eigentlich fast alles zusammenbringt, worüber wir heute schon gesprochen haben.
00:38:28: Das Siebente Siegel von Ingmar Bergmann aus dem Jahr nineteenhundert siebenundfünfzig.
00:38:34: Ich sage es direkt dazu – ich habe den Film selbst noch nicht gesehen.
00:38:38: Er steht jetzt allerdings ziemlich weit oben auf meiner Liste.
00:38:42: Die Handlung spielt zur Zeit des Schwarzen Todes.
00:38:45: Der Ritter Antonius Block gespielt von Max von Südo kehrt von den Kreuzzügen nach Schweden zurück und dort wartet jemand auf ihn, der Tod.
00:38:58: Und Block tut etwas das wahrscheinlich eines der berühmtesten Bilder der Filmgeschichte hervorgebracht hat.
00:39:04: Er fordert den Tod zu einer Partyschach heraus.
00:39:08: Solange die Party läuft darf Block weiterleben und diese gewonnene Zeit nutzt er um Antworten auf ziemlich große Fragen zu suchen Gibt es Gott?
00:39:19: Was bedeutet mein Leben?
00:39:21: Und kann ich wenigstens noch eine einzige wirklich sinnvolle Tat vollbringen, bevor ich sterbe?
00:39:28: und währenddessen zieht die Pest durch das Land.
00:39:31: Jetzt wird es für unsere Folge besonders schön denn Bergmann erfindet diese Bildsprache nicht vollkommen neu.
00:39:38: der personifizierte Tod Die Beschäftigung mit der eigenen Sterblichkeit Das alles kennen wir inzwischen und am Ende des Films bekommen wir sogar wieder unseren Totentanz.
00:39:50: Die Figuren ziehen als Silhouetten über ein Hügel, angeführt vom Tod.
00:39:55: Damit sind wir im Grunde bei den Bildern angekommen, über die wir vorhin gesprochen haben und genau deshalb passt das siebente Siege so gut in diese Folge.
00:40:04: Bergmann dreht kein Film darüber wie Yasinia Pest es übertragen wird.
00:40:15: Derblichkeit gesprochen wird.
00:40:19: Und auch das Entstehungsjahr ist interessant, ... ... der Zweite Weltkrieg liegt gerade einmal zwölf Jahre zurück.
00:40:28: Gleichzeitig befindet sich die Welt mit einem kalten Krieg und lebt mit der Angst vor atomarer Vernichtung.
00:40:34: Das British Film Institute weist genau auf diesen zeitgenössischen Resonanzraum hin... ...und damit passiert eigentlich wieder etwas ähnliches wie bei Camus!
00:40:42: Wir erzählen von der Pest und reden gleichzeitig über unsere eigene Zeit.
00:40:46: Und das siebende Siegel ist natürlich nicht der einzige Film, der sich am schwarzen Tod bedient.
00:40:51: Zwei tausendzehn erschienen beispielsweise Black Death mit Jean-Bien, Eddie Redmayne und Carice van Houten.
00:40:58: Der Film ist eine Mischung aus Historienfilm und Horror und versetzt seine Handlungen unmittelbar in die Welt des vierzehnten Jahrhunderts und zur Zeit der Pest oder The Pied Piper von neunzehntseinzebzig.
00:41:11: Der nimmt die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln und versetzt sie ausdrücklich ins Jahr thirteenhundertneunundvierzig, also mitten in den Schwarzen Tod.
00:41:20: Und natürlich bekommen wir dort jetzt wieder unsere alten Freunde... ...die Ratten!
00:41:24: Herzlichen Glückwunsch Ratten, ihr seid wieder schuldig!
00:41:27: Und dann gibt es zum Beispiel noch Anna Zabter der Schwarze Tod von zwei tausendzwei, der ebenfalls im Jahr treizehundertdachtundviertzig angesiedelt ist.
00:41:36: Die Pest ist im Film also mal historische Hintergrund, mal Horosinario, mal Metapher.
00:41:42: Und tatsächlich gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen darüber wie Epidemien im Film dargestellt werden und dabei zeigt sich etwas Spannendes.
00:41:51: wenn Filme Epidemin darstellen erzählen sie nämlich erstaunlich häufig gar nicht in erster Linie von Krankheit.
00:41:57: Sie erzählen von der Gesellschaft unter Druck.
00:41:59: die Atoren der Untersuchung schauen sich an welche gesellschaftlichen Reaktionen Epidemiefilme immer wieder zeigen Angst und Panik, Flucht, Quarantäne und Isolation, Schuldzuweisungen und Stigmatisierung.
00:42:11: Aber auch staatliche Maßnahmen und die Frage wie sich Menschen verhalten wenn ihre gewohnte Ordnung zusammenbricht.
00:42:17: Und spätestens jetzt merkt ihr wahrscheinlich Wir drehen uns seit Beginn dieser Folge eigentlich immer wieder um dieselben Fragen Was machen Menschen wenn plötzlich etwas da ist was sie nicht kontrollieren können?
00:42:28: Was macht die Gesellschaft?
00:42:29: wer hilft Wer flieht?
00:42:30: Wem geben wir die Schuld?
00:42:32: Und was bleibt übrig, wenn die gewohnte Ordnung nicht mehr funktioniert?
00:42:37: Aber wir können der Pest heute nicht nur beim Lesen anschauen oder anhören begegnen.
00:42:41: Wir können sie mittlerweile sogar selbst erleben – also zumindest virtuell.
00:42:46: und damit kommen wir zu Videospielen!
00:42:54: Ein ziemlich offensichtliches Beispiel ist A Black Tail Innocence von zehntausendneunzehn.
00:43:00: Das Spiel versetzt uns ins Frankreich des Jahres treizendhundertachtundvierzig.
00:43:05: Wir begleiten die junge Amicia Deodun und ihren kleinen Bruder Hugo.
00:43:11: Die beiden werden von der Inquisition verfolgt, und bewegen sich durch eine Welt, die vom Krieg und Pest verwüstet wird.
00:43:18: Und jetzt könnt ihr euch nach der letzten Folge wahrscheinlich schon denken was überall herumläuft.
00:43:23: Ratten!
00:43:24: Sehr viele Ratten... ...und damit meine ich nicht da huscht gelegentlich mal eine Ratte durchs Bild.
00:43:31: Das Spiel macht ganze Ratten-Horben zu einem zentralen Spielmechanismus.
00:43:36: Sie strömen teilweise wie eine Flüssigkeit durch die Umgebung, verschlingen Menschen und Tiere und lassen sich unter anderem mit Licht um Feuer zurückdrängen.
00:43:45: Historisch?
00:43:46: Nun ja!
00:43:47: Wir haben eine ganze Folge lang darüber gesprochen aber kulturell ist das unglaublich interessant denn das Spiel nimmt eines der mächtigsten Bilder unserer modernen Vorstellung vom schwarzen Tod – Die Ratte gegen den wir spielen können.
00:44:19: Diesmal endbültig als Teil einer übernatürlichen Geschichte.
00:44:23: Und daran sieht man ziemlich schön, wie weit wir inzwischen gekommen sind von einem realen Bakterium zu mittelalterlichen Kroniken zu Ratten- als übernatürlicher Flutwelle in einem Computerspiel.
00:44:35: Geschichte ist manchmal schon ein interessanter Weg und dann gibt es Spiele die überhaupt nicht versuchen den historischen Schwarzen Tod nachzustellen.
00:44:44: zum Beispiel Pathologic beziehungsweise Pathologic II.
00:44:49: Pathologic II erschien im Jahr und spielte in einer fiktiven, abgelegenen Stadt in der eine tödliche solche ausbricht.
00:44:57: Unser Spiel sagt einem ziemlich unmissverständlich – du kannst nicht alle retten!
00:45:00: Man übernimmt die Rolle eines Highlights.
00:45:03: Man hat zwölf Tage, Menschen werden krank, Ressourcen werden knapp, man muss essen trinken und schlafen, gleichzeitig Medikamente herstellen und entscheiden wem man überhaupt helfen kann.
00:45:13: Und ständig läuft die Zeit weiter.
00:45:15: Das heißt, die Epidemie ist hier nicht einfach coolisse.
00:45:19: Sie zwingt den Spieler zu Entscheidungen.
00:45:21: Wie ihn rette ich?
00:45:22: Wofür verwende ich meine begrenzten Medikamente, kümmere ich mich um andere?
00:45:27: oder erst einmal darum selbst nicht zu verhungern?
00:45:30: und was passiert mit einer Gesellschaft wenn irgendwann klar wird es wird nicht für alle reichen?
00:45:35: Und da sind wir plötzlich wieder erstaunlich nahe bei Camus.
00:45:38: nur dass wir diesmal nicht darüber lesen welche Entscheidung eine Figur trifft.
00:45:42: Wir müssen sie selbst treffen Und die Pest findet sich natürlich auch in wesentlich kleineren Spielen.
00:45:48: Ich bin zum Beispiel über das Handygame Last Asylum Black gestolpert, da spielt man einen Pestarzt behandelt, Patienten braut Kräutermedizin, baut seine Zuflucht aus und kämpft gegen Rattenhorden – es ist wild!
00:46:02: Und sogar bei Die Sila von Katan dem Kartenspiel begegnet uns die Seuche als Ereignis.
00:46:08: Das Badehaus bzw.
00:46:09: die Wasserversorgung können dort Schutz gegen das Ereignis solche bieten.
00:46:13: Die Pest hat es also geschafft, von Jesinia Pestes zum Brettspielmechanismus.
00:46:19: Und nachdem wir jetzt fast siebenhundert Jahre durch Literatur-, Kunst-, Musik-, Film- und Spiegelkreis sind bleibt eigentlich nur noch eine Frage warum ausgerechnet die Pest?
00:46:35: Warum lässt uns dieser eine Krankheit nicht los?
00:46:38: Ich glaube ein Teil der Antwort ist weil Sie unglaublich viele Dinge in sich vereint vor denen Menschen Angst haben.
00:46:46: Eine Bedrohung, die man nicht sehen kann.
00:46:50: Kontrollverlust Krankheit und plötzlichen Tod Isolation Die Frage nach Schuld Den Zusammenbruch vertrauter Regeln Und die ziemlich unangenehme Erkenntnis das Macht Geld und gesellschaftlicher Status einen am Ende eben doch nicht unsterblich machen.
00:47:10: Gleichzeitig erzählt die Pest aber auch Geschichten über etwas anderes über Solidarität, über Menschen die anderen helfen.
00:47:17: Über Anpassungen, über Überleben und darüber.
00:47:21: wir Menschen versuchen in einer Vollkommen aus der fugen geratenen Welt irgendwie weiterzumachen.
00:47:28: Und vielleicht kommt uns einiges davon heute gar nicht mehr so fremd vor denn wir haben selbst eine Pandemie erlebt!
00:47:34: Und nein Covid-IX war sicherlich nicht der Schwarze Tod.
00:47:38: das sind vollkommen unterschiedliche Krankheiten, unterschiedliche historische Situation und unterschiedliche Dimensionen.
00:47:45: Mir geht es um etwas anderes, nämlich darum was mit einer Gesellschaft passiert wenn plötzlich eine Epidemie den Alltag bestimmt Quarantäne Masken Hamsterkäufe Verschwörungserzählungen Schuldzuweisungen jeden Tag neu zahlen Und Zahlen die irgendwann so groß werden dass hinter ihnen kam noch einzelne Menschen zu erkennen sind.
00:48:09: Gleichzeitig haben Menschen Tagebuch geführt Kunst gemacht Texte geschrieben, Videos gedreht und versucht ihre Erfahrungen irgendwie festzuhalten.
00:48:18: Und natürlich wurde sehr viel Bananenbrot gebacken.
00:48:21: Und nein!
00:48:22: Unsere Erfahrung ist nicht einfach auf das Jahr thirteenhundertachtundvierzig übertragbar Aber manche menschlichen Reaktionen sind uns dadurch vielleicht weniger fremd geworden Angst, Verdrängung Das Bedürfnis nach Erklärungen Die Suche nach Schuldigen Solidarität und der Versuch in einer Situation weiterzuleben von der niemand weiß, wann sie eigentlich vorbeisein wird.
00:48:46: Und vielleicht ist auch genau das einer der Punkte an dem wir am Ende dieser drei Folgen wieder bei Bukaccio landen.
00:48:52: Menschen erleben eine Katastrophe und Menschen erzählen Geschichten darüber – Das haben Sie, Dreizehnhundertachtundvierzig getan!
00:49:01: Das haben sie, Sechzehn-Hundertfünfundsechzig getan!
00:49:04: Da haben Diffot, Camus und Bergmann getan!
00:49:08: Und das tun wir heute noch.
00:49:10: Nur die Medien verändern sich Aus der Chronik wird ein Roman, aus dem Totentanz wird ein Film und aus der Ratte wird irgendwann ein Computerspielgegner.
00:49:19: Und genau deshalb glaube ich dass der Tag Schwarzer Tod uns auch nach fast siebenhundert Jahren noch nicht loslässt.
00:49:26: Damit sind wir am Ende unserer kleinen Reise in den Schwarzen Tod angekommen!
00:49:32: Wenn euch diese Folge gefallen hat freue ich mich natürlich wie immer wenn ihr just another Geschichtspotcast abonniert dem Podcast folgt und mir auf der Plattform eurer Wahl eine Bewertung darlässt.
00:49:44: Und damit fehlt uns eigentlich nur noch das Getränk für Kofi, wo ihr mich und mein Podcast unterstützen könnt!
00:49:52: Nachdem wir heute ungefähr siebenhundert Jahre lang dabei zugesehen haben wie Menschen den Tod in Literatur, Bildern, Musik, Filmen und Spielen verarbeitet haben gibt es diesmal einen Cocktail, der zumindest vom Namen her hervorragend passt – nämlich einen Das ist ein Cocktail aus Absinnt und Champagner, der mit Ernest Hemingway verbunden ist.
00:50:16: Und in einer Cocktailsammlung unter diesem Namen veröffentlicht wurde.
00:50:21: Der Name kommt von Hemingways Buch Death In The Afternoon.
00:50:27: Damit sind wir historisch überhaupt nicht mehr Mittelalter aber nach dieser Folge dürfen wir das.
00:50:32: Außerdem sind wir damit wieder beim Absinnte angekommen.
00:50:35: Barbara, wir schließen hier einen Kreis.
00:50:37: Prost!
00:50:38: Und damit lassen wir den Schwarzen Tod nach drei Folgen jetzt tatsächlich hinter uns.
00:50:43: Aber bevor wir uns verabschieden, hatte ich euch ja am Anfang noch etwas versprochen – denn diese Folge ist Folge zehn und in diesen zehn Folgen habe ich eine Frage tatsächlich schon mehrmals bekommen.
00:50:56: Warum heißt dieser Podcast eigentlich just another Geschichtspodcast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin?
00:51:04: Vor allem weil einige von euch gesagt haben, du bist doch gar nicht gescheitert.
00:51:07: Du machst doch jetzt diesen Podcast.
00:51:09: und nein der Untertitel soll ja auch gar nicht heißen dass ich mich als Historikerin für gescheiterthalte.
00:51:15: er kommt eigentlich aus der zeit nach meinem studium.
00:51:18: Ich glaube ich war damals vielleicht ein bisschen naiv.
00:51:22: ich hatte alte geschichte studiert mein master gemacht und irgendwie gedacht gut ich bin jetzt historikerin Jetzt finde ich schon irgendeinen job in der wissenschaft oder zumindest irgendwo wo ich genau das beruflich machen kann.
00:51:34: Nun ja, die Realität hatte andere Pläne denn nur wenn man Geschichte studiert hat und die Geschichte liebt wartet danach leider nicht automatisch irgendwo ein bezahlter Historikerinnen und Job auf einen.
00:51:47: Und genau daher kommt dieses an der Realität gescheitert Nicht daran gescheiterte Historikerin zu sein sondern ein bisschen an der Vorstellung davon wie das Leben nach der Universität aussehen würde.
00:51:57: Heute arbeite ich nicht hauptberuflich als Historikerin, dieser Podcast ist mein Hobby.
00:52:03: Ich verdiene damit nicht meinen Lebensunterhalt aber ich darf mich trotzdem wieder mit all den Dingen beschäftigen für die ich Geschichte überhaupt einmal studiert habe.
00:52:12: Ich darf recherchieren, Lesen erzählen, mich vollkommen in absurden Details verlieren und euch anschließend damit belästigen!
00:52:20: Und der Unterkliet klingt vielleicht ein bisschen negativer als ich ihn eigentlich meine.
00:52:24: da steckt durchaus selbst Ironie drin Und vielleicht bin ich am Ende auch gar nicht an der Geschichte gestaltet, sondern einfach nur in der Vorstellung dass aus einem Geschichtsstudium automatisch ein Beruf als Historikerin wird.
00:52:37: Jetzt wisst ihr endlich warum dieser etwas merkwürdige Untertitel da steht und damit sind nicht nur zehn Folgen geschafft, sondern auch unsere Reise durch den schwarzen Todes beendet!
00:52:48: Und jetzt stellt sich natürlich die Frage wo gehen wir als nächstes hin?
00:52:53: Und da bin ich tatsächlich noch nicht ganz entschieden.
00:52:55: Deshalb dürft ihr mitentscheiden, soll es uns als nächstes nach Süd- und Mittelamerika verschlagen oder gehen wir zurück in die Antike und begeben uns auf eine wirklich, wirklich lange Reise?
00:53:09: sagen wir ein Odyssey.
00:53:13: Schreibt mir gerne in die Kommentare auf Instagram Just.nava.geschichtspotcast oder eine Mail an justinavageschichtspodcast at gmail.com, auf welches Thema ihr mehr Lust habt!
00:53:27: Bis dahin macht es gut und bis bald wieder im Strudel der Geschichte.
00:53:34: Ciao!
00:53:35: Meine drei Hauptquellen für diese Folge waren Klaus Bergdolz die Pestgeschichte des Schwarzen Trudes Giovanni Boccacius de Cameroon und der wissenschaftliche Aufsatz Social Responses to Epidemic depicted bei Cinema von Kijun Han und Daniel Curtis.
00:53:52: Alle weiteren Quellen zu den einzelnen Werkenfilmen und Spielen findet ihr natürlich wie immer in den Show notes sowie die Angabe der Musik, alle weiteren Sounds wenn sind Wenn nicht weiter angegeben von Pixar Bay.
00:54:04: Vielen Dank fürs Zuhören.
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