Völker der Sonne - Inka

Shownotes

Völker der Sonne II – Die Inka

Wie verwaltet man ein riesiges Reich ohne Schrift, ohne Pferde und ohne moderne Kommunikationsmittel?

In der zweiten Folge unserer Reihe „Völker der Sonne“ reisen wir ins Tawantinsuyu, das Reich der Inka. Wir begleiten die Chasquis auf ihrem Weg durch die Anden, versuchen gemeinsam mit der Forschung, die Geheimnisse der Khipus zu entschlüsseln, besuchen Cusco, den Coricancha und Machu Picchu und schauen uns an, wie eng Religion, Politik und Alltag miteinander verbunden waren.

Außerdem geht es um erstaunlich erfolgreiche Schädeloperationen, Herrschermumien, die auch nach ihrem Tod noch eine Rolle spielten, die Capacocha und die Kinder auf den heiligen Bergen, Kartoffeln, Chicha – und natürlich um Alpakas.

Sehr, sehr flauschige Alpakas.

Kommt mit auf eine Reise durch eines der faszinierendsten Reiche der präkolumbischen Amerikas.


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Quellen und weiterführende Literatur

Allgemein

  • Julien, Catherine: Die Inka. Herrscher in den Anden. C.H.Beck, München 2016.
  • Smithsonian National Museum of the American Indian: The Great Inka Road: Engineering an Empire. Online-Ausstellung.

Khipus, Chasquis und Kommunikation

  • Pache, Vera: „Der vergessene Code der Inka – Im Reich der Knotenschnüre“. Deutschlandfunk, 25.12.2019.
  • Hyland, Sabine: „Unraveling an Ancient Code Written in Strings“. Scientific American, 2017.
  • Smithsonian National Museum of the American Indian: The Great Inka Road: Engineering an Empire – Informationen zum Qhapaq Ñan, zu Chasquis und Khipus.

Trepanationen und Medizin

  • Kushner, David S.; Verano, John W.; Titelbaum, Anne R.: „Trepanation Procedures/Outcomes: Comparison of Prehistoric Peru with Other Ancient, Medieval, and American Civil War Cranial Surgery“. World Neurosurgery 114 (2018), S. 245–251. DOI: 10.1016/j.wneu.2018.03.143.
  • Franz, Angelika: „Inka waren Weltmeister der Schädel-Chirurgie“. Spiegel Online, 2008.

Capacocha und die Kinder vom Llullaillaco

  • Wilson, Andrew S. et al.: „Archaeological, radiological, and biological evidence offer insight into Inca child sacrifice“. Proceedings of the National Academy of Sciences 110/33 (2013), S. 13322–13327. DOI: 10.1073/pnas.1305117110.
  • Museo Nacional de Historia Natural de Chile: Informationen zum „Niño del Cerro El Plomo“ und zur Capacocha.

Herrschermumien und Totenkult

  • Ziemendorff, Stefan: „El hallazgo de las momias reales incaicas en el Cusco en 1559“. Historia y Cultura 29 (2018).
  • Riese, Berthold: Die Inka. Herrscher in den Anden. C.H.Beck, München 2016.

Landwirtschaft, Ernährung und Alltag

  • Smithsonian National Museum of the American Indian: The Great Inka Road: Engineering an Empire – Landwirtschaft, Ernährung und Anpassung an die verschiedenen Höhenstufen der Anden.
  • FAO: Andean Agriculture – Globally Important Agricultural Heritage Systems – traditionelle Landwirtschaft, Höhenstufen und Nutzpflanzen der Anden.

Machu Picchu

  • Smithsonian National Museum of the American Indian: *The Great Inka Road: Engineering an Empire.
  • Yale Peabody Museum: Materialien zu Machu Picchu, Hiram Bingham und der Erforschung der Anlage.

Transkript anzeigen

00:00:06: Just another Geschichte Podcast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin.

00:00:15: Awe Salü und guten Tag, willkommen im Strudel der Geschichte!

00:00:19: Hier ist Corinna und ich freue mich dass ihr auch bei der zweiten Folge über die Völker der Sonne Mittel- und Südamerikas wieder dabei seid.

00:00:26: Bevor wir anfangen möchte ich mich aber ganz herzlich bei Barbara für einen Tequila auf Kofi bedanken.

00:00:33: Vielen vielen Dank.

00:00:34: Und bevor wir anfangen, habe ich überlegt schauen wir doch mal wo uns die Inka eigentlich noch so begegnen.

00:00:41: Und Überraschung!

00:00:42: Wir treffen sie wieder bei den drei Fragezeichen Denn auch hier gibt es eine Folge über ein Inkamomie Nämlich das Grab der Inkamomie und die hab' ich mir natürlich auch nochmal angehört Dabei einige interessante Sachen gehört und dann angefangen zu recherchieren wurde mein Instagram-Algorithmus anschließend sehr auf Inka und alles, was damit zu tun hat geprägt.

00:01:07: Und irgendwann wurde mir ein Reel angezeigt in dem der Ersteller behauptet hat, dass die Inka ein funktionierendes Postsystem hatten.

00:01:16: Ich war direkt so, what?

00:01:18: Ein Postsystem ernsthaft mit allem!

00:01:22: Mit festen Routen und Poststationen und so... Deswegen fangen wir heute mit dem Postsystem der Inka an und von daraus erzähle ich euch, was ich noch alles Verrücktes Interessantes und Cooles über die Inka herausgefunden habe.

00:01:39: Das Postsystem wurde von den sogenannten Chaskis getragen.

00:01:44: Chaskies waren sozusagen Postboten – wobei eigentlich waren sie viel mehr als das!

00:01:51: Es waren vor allem sehr gut trainierte Läufer die Nachrichten und Gegenstände durch das riesige Ingenkarreichtransportierten, und zwar nicht in dem ein Chasky mal eben zweitausend Kilometer durch die Anden joggte sondern über ein ausgeplügeltes Staffelsystem.

00:02:08: Entlang des Straßennetzes gab es sogenannte Chaskivasi also kleine Relé-Station für die Läufer.

00:02:16: diese lagen häufig ungefähr zehn bis fünfzehn Kilometer auseinander.

00:02:20: Nährte sich ein Chasky einer der nächsten Stationen, konnte er sein Ankunft mit einem Pututu ankündigen.

00:02:27: Einer Art Trompete aus seiner großen Meeresschnecke.

00:02:31: So wusste der nächste Läufer gleich geht's los!

00:02:34: Dann wurde die Nachricht oder das Transport gut übergeben und der nächste Chaskie rannte weiter.

00:02:41: Eigentlich müsst ihr euch das Ganze, also wie einen gigantischen Staffelau vorstellen.

00:02:45: Nur dass statt eines Staffelstabs Nachrichten Kippus und manchmal sogar frischer Fisch weitergegeben wurden Denn die Chaskis überbrachten vor allem mündliche Nachrichten transportierten aber auch Kippos und kleinere Waren.

00:02:58: Und ein Kippu ist nun ja.

00:03:01: Darüber werden wir gleich noch sehr ausführlich reden.

00:03:04: Für den Moment reicht erst einmal, es handelt sich um ein System von Schnüren und Knoten mit dem Informationen festgehalten werden konnten – und möglicherweise konnten Kippus den Chasky auch dabei helfen, Informationen zu bewahren die sie mündlich weitergeben sollten!

00:03:20: Für den Transport konnten die Chaskys außerdem einen KiPi tragen also eine Art Tasche oder Bündel in dem Gegenstände transportiert werden konnten Und weil wir hier nicht über einen gemütlichen Spaziergang sprechen, sondern über Läufe durch die Anden mit erheblichen Höhen unterschieden, spielte auch Koka eine Rolle.

00:03:40: Koka-Blätter wurden in den Anden unter anderem gekaut um Mütigkeit und körperliche Belastungen besser auszuhalten.

00:03:48: Neben dem Chaskivasi gab es entlang der großen Straßen auch so genannte Tambos.

00:03:55: Das waren größere Rastversorgungs- und Verwaltungsstationen.

00:03:59: Wir haben hier also nicht einfach ein paar Läufer, die irgendwo durch die Berge rennen sondern einen ziemlich ausgeklügeltes Netz aus Straßen und verschiedenen Stationen.

00:04:09: Man geht davon aus dass das Inkarstrasennetz ca.

00:04:11: vierzig tausend Kilometer umfasste Und dieses System war schnell!

00:04:17: Sehr sehr schnell.

00:04:18: Die Entfernung zwischen Quito und Cusco Ungefähr zweitausend Kilometer konnte eine Nachricht durch dieses Staffelsystem offenbar in weniger als einer Woche zurücklegen.

00:04:28: Was natürlich beispielsweise für die Kriegsführung und Verwaltung eines riesigen Reiches wahnsinnig wichtig war, aber nicht nur dafür!

00:04:37: Denn über dieses System wohnen tatsächlich auch verderbliche Lebensmittel transportiert – beispielsweise frischer Fisch von der Küste für Inka-Elite.

00:04:45: Also irgendwo unten am Meer wird ein Fisch gefangen Und dann wird dieser Fisch durch ein Staffelsystem von Läufern in Richtung Andentransport.

00:04:52: Ob es damals schon Ceviche gab?

00:04:55: Weiß ich nicht, aber zumindest gab's frischen Fisch.

00:04:58: und damit sind wir eigentlich schon bei einem der Dinge angekommen die ich an diesem ganzen System besonders faszinierend finde denn diese Läufertransportiert nicht einfach nur Dinge.

00:05:07: sie transportierten Informationen und zwar in einem Reich das keine Schrift in unserem klassischen Sinne verwendete.

00:05:15: Ein Teil dieser Information steckt in den Kippus.

00:05:18: Und bevor wir uns anschauen, was ein Kippo eigentlich genau ist, möchte ich euch noch eine kleine Geschichte erzählen die ich bei meiner Recherche gefunden habe.

00:05:26: Denn mithilfe eines Kippos wurde offenbar sogar einmal einen Mord aufgeklärt.

00:05:30: Die Geschichte stammt aus der frühen Kolonialzeit.

00:05:33: Ein spanischer Reisender war unterwegs und hatte in einem Tambo übernachtet.

00:05:38: Als er am nächsten Morgen weiter zog, wurde er wenig später ermordet Und zunächst wusste niemand wen getötet hat.

00:05:45: Aber dann untersuchte man die Aufzeichnungen des Tambos, also das Kippu.

00:05:50: Denn dort war mithilfe eines Kippus festgehalten worden wer in der betreffenden Nacht dort gewesen war und welche Personen bzw.

00:05:57: Reisenden die Stationen passiert hatten.

00:06:00: Dadurch ließ sich der Kreis der Verdächtigen eingrenzen Man konnte rekonstruieren wer sich zur fraglichen Zeit dort aufgehalten hatte Und diese Informationen halfen schließlich dabei den Täter zu identifizieren.

00:06:12: Und ich finde diese Geschichte aus zwei Gründen ziemlich spannend, zum einen haben wir hier im Grunde ein mehrere hundert Jahre alten Kriminalfall bei dessen Aufklärung ein paar verknotete Schnüre eine entscheidende Rolle spielen und zum anderen zeigt uns die Geschichte etwas das für den Rest dieser Folge noch ziemlich wichtig wird.

00:06:31: Kippus waren eben nicht einfach nur irgendwelche Schnüre mit Knoten.

00:06:35: in ihnen steckten Informationen aber welche?

00:06:39: und wie viele.

00:06:41: Und genau da wird es richtig spannend!

00:06:44: Also jetzt sprechen wir noch einmal ein bisschen detaillierter über Kipus, denn Kipuss sind unglaublich faszinierend unspannnd und mich hat das in einem richtigen Rabbit Hole gestürzt als ich angefangen habe mich damit zu beschäftigen.

00:06:59: Die einfache Erklärung ist erst einmal Kipús sind Schnüre die auf eine bestimmte Art miteinander verbunden und geknotet sind um Informationen zu speichern Und ein Teil davon verstehen wir inzwischen ziemlich gut.

00:07:13: Wir wissen zum Beispiel, dass man mit Kipus Zahlen festhalten konnte.

00:07:17: Sie wurden für Verwaltung und Buchhaltung verwendet beispielsweise um Abgabenwaren oder Bevölkerungszahlen zu dokumentieren.

00:07:25: Lange ging man deshalb davon aus das Kipuss im Wesentlichen solche Verwaltungs- und Buchhaltungsinstrumente waren.

00:07:31: Aber möglicherweise steckt noch sehr viel mehr dahinter.

00:07:36: Und damit kommen wir zu einer Frau, über deren Forschung ich in den letzten Tagen wirklich sehr viel gelesen habe.

00:07:41: Weil ich sie unglaublich spannend finde!

00:07:43: Sabine Highland.

00:07:46: Sabina Highland ist Anthropologin und Ethno-Historikerin und Professorin an der University of St Andrews in Schottland.

00:07:55: Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kippus und mit der Frage welche Informationen eigentlich in diesen Schnüren stecken Und das ist auch deshalb spannend, weil wir bei historischen Objekten manchmal ein falsches Bild davon haben wie Forschung funktioniert.

00:08:09: Man könnte ja denken wenn etwas seit Jahrzehnten in einem Museum liegt dann ist es archiviert dokumentiert untersucht und irgendjemand weiß schon was es bedeutet.

00:08:19: Nein!

00:08:20: Ist nicht so.

00:08:22: Im ethnologischen Museum in Berlin liegt zum Beispiel eine der größten zusammenhängenden Kipu-Sammlungen der Welt.

00:08:29: Dreihundertsiebzig Kipus sind dort eingelagert und trotzdem gab es zeitweise niemanden, der sich wissenschaftlich speziell mit diesen Kipust beschäftigt hat.

00:08:37: Und das ist kein Sonderfall in Berlin!

00:08:40: In Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt liegen unglaublich viele Objekte die noch längst nicht vollständig erforscht sind – weil das Personal fehlt, weil das Geld fehlt, andere Dinge Priorität haben oder weil bisher schlicht niemand die richtige Frage gestellt hat.

00:08:56: Und genau deshalb finde ich die Geschichte von Sabine Highland so spannend, denn irgendwann beschäftigt ihr sie sich mit einem Kipu bzw.

00:09:04: einem sogenannten Kipuport aus dem peruanischen Dorf Mangas.

00:09:09: Teile der dazu gehörigen spanischen Schriftwaren kaum noch lesbar unter anderem und das ist vielleicht einer der weniger glamourösen Teile des Forscherlebens bei Fledermauskot darüber lag.

00:09:21: Sie wollte die Schrift mit multispektral Aufnahmen widersichtbar machen und wandte sich an National Geographic.

00:09:27: Und daraus entstand schließlich eine Dokumentation, Decoding the Incas – eine Folge der Reihe Ancient X-Files.

00:09:35: Und diese Dokumentations wurde ausgestrahlt!

00:09:38: Und irgendwo in Lima saß eine Frau namens Meche Moreja Orozco und sah sie... ...und danach kontaktierte sie Sabine Highland.

00:09:48: Denn In ihrem Heimatdorf in den Peruanischen Anden San Juan de Colata wurden noch zwei Kippus aufbewahrt.

00:09:57: Ob Sabine Highland, die sich nicht vielleicht einmal anschauen möchte?

00:10:01: Und natürlich wollte sie!

00:10:02: Zwei-tausendfünfzehn reiste Highland zusammen mit ihr Mann nach Colata und dort konnte sie nicht einfach sagen Hallo ich bin Anthropologin zeigt mir mal eure Kippos denn diese Kippas gehörten der Gemeinschaft und wurden dort seit Jahrhunderten aufbewährt.

00:10:17: Also musste zunächst die Zustimmung der Verantwortlichen des Dorfes eingeholt werden.

00:10:22: Und schließlich durfte sie sie untersuchen.

00:10:24: Allerdings unter einer Bedingung, sie hatte nur achtundvierzig Stunden Zeit – zwei Tage für zwei Kippus!

00:10:31: Die vollkommen anders waren als alles womit sie bis dahin gearbeitet hatte.

00:10:35: Jeder dieser beiden Kippust besitzt mehr als fünfhundert herabschlängende Schnüre und diese Schnüre haben beide unterschiedliche Farben, unterschiedliche Materialien und unterschiedliche Strukturen.

00:10:47: Also begann Heiland zu fotografieren, zu dokumentieren und zu vergleichen.

00:10:52: Und dabei passierte etwas das ich unglaublich spannend finde.

00:10:55: Sie untersuchte die Kippus zunächst mit Handschuhen... ...und die Männer aus dem Dorf, die während ihrer Arbeit bei ihr waren und auf die Kipus aufpassten erklärten ihr irgendwann sinngemäß so funktioniert es nicht!

00:11:06: Du musst sie anfassen – mit bloßen Händen!

00:11:09: Denn manche dieser Schnüre sehen zwar gleich aus aber sie fühlen sich unterschiedlich an.

00:11:15: Die Bewohner erklärten ihr, dass Fasern von sechs verschiedenen Tierarten verarbeitet worden waren.

00:11:20: Vikunja, Hirsch, Alpaka, Lama, Guanako und Biskacher.

00:11:26: Braunes Hirschha kann beispielsweise ähnlich aussehen wie braune Vikunya-Wolle aber es fühlt sich anders an.

00:11:32: einer der Männer bezeichnete dieses System gegenüber Heiland als eine Art Sprache der Tiere.

00:11:39: Und spätestens da wird das richtig interessant Denn plötzlich haben wir ein Informationssystem, das möglicherweise nicht nur mit Knoten funktioniert.

00:11:47: Sondern mit Farben!

00:11:48: Mit Materialien – mit der Art wie eine Schnur gezwirnt wird.

00:11:51: Mit der Art, wie sie an einer anderen Schnur befestigt wird und möglicherweise sogar damit, wie sich sie anfühlt.

00:11:59: Highland stellte später fest, dass die Schnüre der Colater-Kipus in zahlreichen unterschiedlichen Kombinationen dieser Merkmale vorkommen.

00:12:06: Und das Besondere an diesen beiden Kipus ist noch etwas anderes... Nach der Überlieferung der Gemeinde handelt es sich dabei nicht einfach um Abrechnungen.

00:12:15: Es sollen Briefe sein.

00:12:17: Highland fragte nämlich unter anderem nach Seidenfäden, die am Ende des Kipus verarbeitet sind und die Hüter erklärten ihr diese Seilen in Siegnien des Häublings – quasi eine Unterschrift, die den Hersteller bzw.

00:12:29: Absender kennzeichnete.

00:12:32: Die Kipuss- beziehungsweise Brieffe stammen aus dem achtzehn Jahrhundert also aus der spanischen Kolonialzeit und soll inzwischen lokalen Anführern während eines Aufstandes gegen die spanische Herrschaft ausgetauscht worden sein.

00:12:44: Und Highland gelang es tatsächlich, Teile davon mit Namen bzw.

00:12:48: Abstammungsgruppen in Verbindung zu bringen.

00:12:51: Das bedeutet jetzt nicht dass Sabine Highland die Kippus entschlüsselt hat.

00:12:55: Davon sind wir weit entfernt!

00:12:56: Wir können auch nicht einfach sagen so funktionierten sämtliche KippUs im Inka-Reich Denn diese beiden KippUS stammen aus einer späteren Zeit.

00:13:05: Aber ihre Forschung liefert ziemlich starke Hinweise darauf, dass zumindest manche Kipus sehr viel mehr Informationen speichern konnten als blose Zahlen.

00:13:13: Und genau deshalb ist diese Forschung daran gerade so spannend – denn wir wissen inzwischen ziemlich sicher wie Zahlen in vielen Kipusten angestellt wurden!

00:13:21: Aber daneben gibt es Farbenfasern-, Drehrichtungen-, Knoten-Position und andere Merkmale.

00:13:26: deren Bedeutung wird teilweise noch nicht verstehen….

00:13:29: Und vielleicht müssen wir dabei auch einfach unser eigenes Verständnis von Schrift ein bisschen hinterfragen, denn wir verbinden Schrift automatisch mit Papier, mit Stift, mit Buchstaben oder Schriftzeichen.

00:13:39: Aber warum sollte Information unbedingt zweidimensional sein?

00:13:42: Vielleicht kann man Informationen noch knoten, färben, drehen – vielleicht sogar fühlen!

00:13:47: Ob wir Kippus deshalb im engeren Sinne als Schrift bezeichnen sollten, darüber wird in der Forschung diskutiert.

00:13:53: Aber genau das finde ich wieder so unglaublich spannend!

00:13:56: Wir können hier nämlich gerade live zusehen wie Forschung funktioniert.

00:13:59: Wir haben diese Objekte, wir können sie untersuchen, wir kann einzelne Teile verstehen und Hypothesen entwickeln Und dann taucht plötzlich irgendwo in einem kleinen Dorf, in den peruanischen Anden ein Kippu auf.

00:14:10: Dass seit Jahrhunderten von einer Gemeinschaft aufbewahrt wird.

00:14:13: und auf einmal müssen wir manche Dinge, die wir zu Wissen glaubten noch einmal komplett neu überdenken!

00:14:19: Und diese Forschung geht weiter... ...Zwanzig-Fünfundzwanzig untersuchte Heiland beispielsweise einen Inka-Kippu dessen Hauptschnur aus menschlichem Haar bestand Und mit Hilfe von Isotopenanalyse konnte ihr Team Hinweise darauf gewinnen, dass das Haar einer Person stammte deren Ernährung eher der eines einfachen Mitgliedes der Gesellschaft als der der Entlite entsprach.

00:14:39: Das wiederum wirft die Frage auf wer Kippus eigentlich herstellen und lesen konnte?

00:14:45: In einer anderen peruanischen Gemeinde Santa Leonor de Yucul durfte Highland inzwischen eine Sammlung von siebenundneunzig Kipus untersuchen, die zuvor aus dem Stillen nicht zugänglich gewesen war.

00:14:56: Darunter befindet sich ein Kipu von mehr als achtundsechzig Metern Länge.

00:15:01: Acht und sechzig – ich möchte das nur kurz festhalten!

00:15:06: Und dort gibt es Hinweise darauf, dass Kipbus unter anderem Veränderungen von Wetter- und Umweltbedingungen dokumentiert haben.

00:15:13: Das heißt wir sind mit diesem Thema noch überhaupt nicht fertig und vielleicht werden wir manche Kippus auch niemals vollständig lesen können.

00:15:21: Vielleicht finden wir aber auch irgendwann den entscheidenden Schlüssel, und wenn Menschen wie Sabina Highland noch weiter daran forschen bin ich zumindest ziemlich optimistisch dass wir in Zukunft noch sehr viel mehr darüber erfahren werden was diese Schnüre eigentlich alles erzählen können.

00:15:35: Und damit kommen wir zurück zu unserem Postsystem denn genau solche Kippos konnten über das Straßennetz durch das Reich transportiert werden von einer Station zur nächsten von einem Chasky zum Nächsten.

00:15:46: Und natürlich mussten Informationen auch irgendwann dorthin gelangen, wo politische Entscheidungen getroffen wurden.

00:15:52: Also gehen wir jetzt dorthIN nach Cusco oder Costco wie die Stadt auf Quechua heißt Denn Cuscau war das politisch und religiöse Zentrum des Inka-Reiches.

00:16:04: Bevor wir uns die Stadt anschauen sollten wir vielleicht eine ziemlich grundlegende Frage klären Wer waren diese Inka eigentlich?

00:16:12: Denn streng genommen ist die Inka Für das gesamte Volk bzw.

00:16:16: das gesamten Reich schon einmal ein bisschen ungenau.

00:16:20: Das Reich selbst wurde Tawantinsuyu genannt, das Land der Vierteile.

00:16:25: Diese vier Teile liefen die Suyus in Cusco zusammen.

00:16:30: Die Stadt war damit nicht einfach nur eine Hauptstadt in unserem heutigen Sinne sondern gewissermaßen der Mittelpunkt von dem aus das Reich gedacht und organisiert wurde.

00:16:39: Und dieses Reich war riesig.

00:16:42: Auf dem Höhepunkt seiner Macht erstreckte sich Tavan-Tinsuyu entlang der Anden über mehrere Tausend Kilometer vom heutigen Kolumbien bzw.

00:16:51: Ecuador im Norden bis weit in das heutige Chile und Argentinien im Süden, und es verrückte daran ist dieses riesig Reich war noch ziemlich jung denn die Inka hatten nicht irgendwann seit Jahrtausenden über die Anden geherrscht Im Gegenteil Noch zu Beginn des fünften Jahrhunderts waren sie zunächst eine von mehreren politischen Gruppen rund um Cusco.

00:17:14: Und dann ging es plötzlich ziemlich schnell, vor allem unter Patsha Kuttec der wahrscheinlich ab den vierzehnhundertreißiger Jahren herrschte begann eine enorme Expansionsphase.

00:17:27: Gebiete wurden erobert andere unterwaffen sich oder wurden in das Herrschaftssystem integriert Straßen wurden ausgebaut Menschen umgesiedelt und lokale Strukturen in die Verwaltung des Reiches eingebunden.

00:17:40: Und innerhalb von nicht einmal hundert Jahren entstand daraus das größte Reich, dass es im präkolumbischen Amerika gegeben hat – was irgendwie absurd ist wenn man bedenkt, dass wir heute meistens einfach von den Inka sprechen als wären sie schon immer da gewesen!

00:17:55: Wenn wir gerade bei Pachacutex sind müssen wir natürlich noch über einen anderen Ort sprechen, den wahrscheinlich jeder mit dem Inker verbindet — Machu Picchu.

00:18:04: Denn Machu Picchu entstand wahrscheinlich im fünften Jahrhundert und wird sehr eng mit Pacha Kutek verbunden.

00:18:11: Und damit stellt sich die Frage, was war Machu-Picchu eigentlich?

00:18:15: Denn nein!

00:18:16: Es war wahrscheinlich keine geheimnisvolle verlorene Stadt in der sich die letzten Inka vor den Spanien versteckt haben.

00:18:22: Heute geht man eher davon aus, dass Machu Picchu eine Art pöniglicher Landsitz war.

00:18:27: Also ein Ort an dem sich der Sapa Inca mit seinem Hofzeitweise zurückziehen konnte – was ehrlich gesagt schon ein ziemlich beeindruckendes Ferienhaus ist!

00:18:36: Machu Picchu liegt auf einem Bergrucken über dem Urubambartal umgeben von steilen Bergen und ungefähr drei Tagesreisen zur Fußvon Cusco entfernt.

00:18:47: Dort gab es Wohnbereiche Tempel und andere zeremonielle Bereiche, Terrassen, Wasserkranäle und Brunnen.

00:18:54: Und natürlich diese unglaublich präzise Steinarchitektur die wir ja inzwischen von den Inka schon irgendwie kennen!

00:19:01: Auch wenn der Herrscher selbst wahrscheinlich nur zeitweise dort lebte war Machu Picchu nicht einfach den Rest seines Jahres leer.

00:19:08: Dort lebten Menschen die die Anlage versorgten und für den königlichen Haushalt arbeiteten Und moderne DNA-Untersuchungen haben dabei etwas ziemlich Spannendes gezeigt.

00:19:19: Diese Menschen kamen aus ganz unterschiedlichen Teilen des Inkareiches, einige hatten sogar Vorfahren aus dem Amazonas Gebiet.

00:19:28: Auch Machu Picchu zeigt uns also wieder wie viele unterschiedliche Regionen und Bevölkerungsgruppen in diesem Reich miteinander verbunden waren.

00:19:36: Dann müssen wir natürlich noch über hier im Bingham reden Denn häufig heißt es, der amerikanische Historiker und Forschungsreisende Hiram Bingham habe Machu Picchu-Ninzenhundertelf entdeckt.

00:19:50: Und... nein!

00:19:53: Natürlich nicht!

00:19:54: Die Menschen die dort lebten wussten dass Machu Picchu existierte.

00:19:58: Lokale Bauern kannten die Ruin – und das war sogar ein einheimischer Merkur Atyaga, der Bingham Ninzenhundertelf den Weg dorthin zeigte.

00:20:08: Bingham hatte Machu Picchu also nicht als ärztes Mensch nach Jahrhunderten plötzlich im Dschungel gefunden.

00:20:13: Was er getan hat, war etwas anderes.

00:20:16: Seine Expedition untersuchte die Anlage machte sie international bekannt und führte später umfangreiche Ausgrabungen durch Und Bingham selbst wusste zunächst übrigens auch nicht wirklich was er da gefunden hatte.

00:20:29: Er suchte eigentlich nach der letzten Zuflucht der Inkar und hielt Machu Picchu zeitweise für genau diesen Ort.

00:20:37: Heute wissen wir, sehr wahrscheinlich war ist das nicht.

00:20:40: Und ich finde Machu Picchu es damit eigentlich auch wieder ein schönes Beispiel dafür wie Archäologie funktioniert Man findet einen Ort man entwickelt eine Theorie dann kommen neue Ausgrabungen Neue Untersuchungsmethoden neu Funde und irgendwann stellt man fest nun ja War wahrscheinlich doch anders Aber so spektakulär Machu-Picchu heute für uns ist Das politische und religiöse Herz des Inka Reiches lag nicht dort.

00:21:04: Dafür bis mit zurück nach Cusco Wie wir eben gehört haben, verschafften sich die Inker ansehen und Gebiete durch massive Expansion.

00:21:13: Aber natürlich erzählten die Inka selbst ihre Herkunft ein bisschen anders!

00:21:17: Und wieso oft wenn wir uns mit der Entstehung großer Reiche beschäftigen beginnt diese Geschichte nicht mit Verwaltungen- und Eroberungszügen sondern mit einer Legende?

00:21:30: Wobei es natürlich nicht nur eine gibt – eine der bekanntesten erzählt von Manco Capac & Mama Oclo.

00:21:37: Der Sonnengott Inti soll die beiden ausgesandt haben, um einen geeigneten Ort für eine neue Heimat zu finden.

00:21:44: Sie erhielten einen goldenen Stab und sollten dort bleiben wo dieser Stab in der Erde versinken würde.

00:21:50: Und irgendwann kam sie in das Tal von Cusco – der Stabversank!

00:21:55: Und offenbar war damit die Immobilienfrage geklärt.

00:22:00: andere Überlieferungen erzählen dagegen von mehreren Geschwistern, den Aya-Geschwisteren die aus einer Höhle beziehungsweise aus einem Ort namens Pakaritambo aufbrachen.

00:22:11: Und wie das bei Gründungsmythen so ist wird die Gruppe auf dem Weg immer kleiner Menschen verschwinden werden zu Stein oder anderweitig aus der Geschichte entfernt Bis schließlich wieder Manco Capac übrig bleibt und mit der Gründung Cuscos verbunden wird.

00:22:30: Was davon historisch passiert ist?

00:22:33: Nun ja, wahrscheinlich eher weniger davon!

00:22:38: Aber darum geht es bei solchen Geschichten auch nicht unbedingt.

00:22:41: Sie erklären nicht nur woher Menschen kommen – sie erklären warum gerade diese Menschen an diesem Ort herrschen dürfen.

00:22:49: Und bei den Inka führte die Legitimation direkt zur Sonne.

00:22:54: Wenn euer Gründner vom Sonnengott geschickt wurde, ist das schon einmal eine ziemlich gute Begründung dafür warum ausgerechnet eure Familie an der Spitze stehen sollte.

00:23:03: Und damit sind wir wieder in Cusco!

00:23:04: Denn Cusgo war nicht nur das politische Zentrum dieses unglaublich schnell gewachsenen Reiches es war auch sein religiöses Zentrum.

00:23:12: und wenn wir verstehen wollen wie eng Religion Herrschaft um die Verstellung von der Ordnung der Welt bei den Inkar miteinander verbunden waren müssen wir eigentlich nur zu einem der wichtigsten Orte der Stadt gehen.

00:23:24: Zum Curricansha, dem Tempel der Sonne.

00:23:28: Der Tempel des Sonnes hatte für die Inka einen ganz besonderen Stellenwert.

00:23:32: Der Curricancha war einer der heiligsten Orten des gesamten Reiches.

00:23:37: Hier fanden wichtige religiöse Zeremonien statt und der Tempel war eng mit dem Sapa-Inka und dem Sonnenkult verbunden.

00:23:47: Das Heiligtum war so bedeutend Das es für das Betreten besondere Regeln gab.

00:23:54: Überliefert ist, dass man den Tempel Nüchtern und Barfuß betrat und als Zeichen der Demut eine Last auf dem Rücken trug.

00:24:01: Eine zentrale Rolle spielt dabei der Velakumu – Der hohe Priester des Sonnenkultes.

00:24:06: Er gehörte zu den wichtigsten religiösen Würdenträger des Reiches und hielt sich in der Nähe der Sapa Inka auf.

00:24:13: Wenn der Saba Inka in Kuskuwalte war auch der Kurikantcha ein zentraler Wirkungsort des Velakumu.

00:24:20: Sophia ist immer zur Einordnung.

00:24:22: Und der Curricancha ist heute leider nicht mehr so erhalten wie in die Inkerkanten.

00:24:27: Teile, der beeindruckenden Steinwörtern existieren noch und darauf wurde später das spanische Kloster Santo Domingo errichtet.

00:24:35: Aber wenn wir den kolonialzeitlichen Beschreibungen glauben war dass was die Spaniere bei ihrer Ankunft hier vorfahren ziemlich spektakulär Denn der Kurikancher war nicht einfach nur ein einzelner Raum, in dem irgendwo eine Stadt wurde.

00:24:51: Sonnengottes stand.

00:24:53: Wir haben hier eine religiöse Anlage, in der verschiedene Gottheiten und kosmische Kräfte verehrt wurden – natürlich die Sonne, Inti aber auch Mama Kila, der Mond außer den beispielsweise Blitz-und Donner!

00:25:06: die Venus, die Pleiaden und der Regenbogen.

00:25:08: Und schon hier begegnet uns etwas das für die andiene Weltanschauung ziemlich wichtig wird diese Vorstellung von Gegenstücken Von Dingen die unterschiedlich sind aber zusammengehören Sonne und Mond Männlich und Weiblich oben und unten.

00:25:25: und darauf kommen wir gleich noch einmal zurück.

00:25:28: Aber erst einmal schauen wir uns diesen Tempel an Denn allein die Mauern sind schon so beeindruckend.

00:25:34: Die Inker verwendeten für besonders bedeutende Bauwerke sorgfältig bearbeitete Steinblöcke, die so exakt aneinander angepasst wurden dass sie ohne Mörtel zusammengefügt werden konnten.

00:25:47: Und dann betreten wir gedanklich das Heiligtum.

00:25:49: und hier müssen wir ein bisschen vorsichtig sein denn vieles von dem was wir bei seiner Ausstellung wissen stammt aus Beschreibungen aus der Kolonialzeit.

00:25:58: Aber wenn diese Beschreibung auch nur annähernd stimmen, muss das ein unglaublicher Anblick gewesen sein.

00:26:05: Das Sonneheiligtum war mit großen Mengen Gold ausgestattet.

00:26:09: Beschrieben wird unter anderem ein goldenes Sonnenbild, das Inti repräsentierte und goldene Verkleidungen an den Wänden.

00:26:17: Und auch außerhalb bzw im heiligen Bezirk soll es einen Garten gegeben haben in dem Pflanzentiere und Menschen aus Edelmetall dargestellt waren – Maispflanzen aus Gold!

00:26:27: Gräser aus Gold, Lamas bzw.

00:26:30: andere Kameliden mit ihren Jungen aus Gold und dazu ein Hirte der sie bewachte – alle aus Edelmetall.

00:26:37: Und das ist wichtig denn gold hatte hier nicht die Bedeutung die wir ihm vielleicht automatisch geben würden.

00:26:42: Wir sind hier nicht bei Dagobert Duck.

00:26:44: Das war nicht einfach ein gigantischer Tresor voller Geld.

00:26:48: Gold hatte eine religiöse und symbolische Bedeitung und wurde besonders mit der Sonne verbunden Und demgegenüberstand der Mond Mama Kila.

00:26:57: Während die Sonne mit Gold verbunden wurde, wurde der Mond mit Silber assoziiert.

00:27:01: Und damit sind wir wieder bei dieser Dualität, die uns gerade schon begegnet ist.

00:27:05: Denn diese Vorstellung von zwei unterschiedlichen aber aufeinanderbezogenen Kräften zieht sich durch sehr viele Bereiche in der andienenden Welt und das finde ich wahnsinnig spannend denn wir denken bei Gegensätzen ganz schnell wenn das eine Gegenteil des anderen ist dann muss eines davon irgendwie wichtiger oder besser sein.

00:27:23: Aber so einfach funktioniert diese Vorstellungen hier nicht.

00:27:26: Männlich und weiblich konnten als zwei unterschiedliche sich ergänzende Prinzipien gedacht werden.

00:27:31: Die Sonne wurde mit einer männlichen Linie verbunden, die der Mond mit einer Weiblichen.

00:27:36: Die Männer konnten ihre Abstammung und ihre religiösen Beziehungen über männliche Vorfahren denken Frauen parallel dazu über ihre weiblichen Vorfahrenen.

00:27:46: Und diese Vorstellung begegnet uns nicht nur bei Sonne und Mond Sie steckt auch in den gesellschaftlichen Strukturen.

00:27:52: Arbeit wurde beispielsweise häufig nachgeschlecht organisiert.

00:27:55: Männer und Frauen übernahmen unterschiedliche Aufgaben, aber beide Beiträge waren für Haushalt- und Gemeinschaft notwendig.

00:28:03: Textilen sind dafür ein schönes Beispiel.

00:28:06: Weben war nicht einfach irgendeine nette Handarbeit.

00:28:09: Textilien gehörten zu den wichtigsten Gütern des Inkarreiches – sie konnten Abgabe, Geschenk, Statussymbol und politische Ressource sein!

00:28:19: Und gerade die Herstellung besonders feiner Textilieren war eng mit weiblicher Arbeit verbunden.

00:28:25: Aber – und das ist mir jetzt wichtig, daraus dürfen wir nicht machen.

00:28:29: Die Inca waren im Fünfzehnjahrhundert eine moderne gleichberechtigte Gesellschaft.

00:28:33: Natürlich nicht!

00:28:34: Es gab Hierarchien, Machtunterschiede und sehr, sehr unterschiedliche Lebensrealitäten.

00:28:40: aber die Grundvorstellung war eben nicht zwangsläufig der Mann ist vollständig und die Frau ist sein Anhängesel sondern beide Seiten konnten als notwendig gedacht werden um ein Ganzes zu bilden.

00:28:51: Und das sehen wir auch bei der Ehe Denn Ehe war nicht nur eine private romantische Entscheidung zwischen zwei Menschen.

00:28:58: Sie war auch eine wirtschaftliche Einheit, ein Haushalt musste funktionieren, Felder mussten bestellt, Tiere versorgt, Nahrung hergestellt und Textilien produziert werden – und dafür brauchte es beide Seiten!

00:29:11: Und hier gibt es noch etwas das in der Literatur manchmal als eine Art Probe-Ehe beschrieben wird, das sogenannte Siewinakui.

00:29:19: Dabei lebte ein paar zunächst zusammen, bevor eine Ehe endgültig beziehungsweise dauerhaft etabliert wurde.

00:29:25: Wenn das Zusammenleben nicht funktionierte konnte diese Verbindung offenbar auch wieder gelöst werden.

00:29:30: Allerdings müssen wir auch hier wieder vorsichtig sein.

00:29:33: Diese Praxis ist nicht einfach eine Erfindung der Inka und auch nicht überall im riesigen Tawantin Suyu identisch gewesen.

00:29:41: Sie gehört zu den älteren und regional unterschiedlichen Andientraditionen die teilweise sogar die spanische Kolonialzeit überdauerten.

00:29:48: Und auch bei Kindern begegnen uns schon geschlechtsspezifische Rollen.

00:29:53: Kinder wurden relativ früh in die Tätigkeiten des Haushalts und der Gemeinschaft einbezogen, Mädchen lernten Tätigkeiten, die später für ihre Rolle als Frauen wichtig waren.

00:30:03: Jungen entsprechen solche, die mit männlichen Aufgaben verbunden waren – das klingt zunächst sehr streng getrennt!

00:30:09: Aber auch hier ist der interessante Punkt wieder beide Bereiche gehörten zusammen.

00:30:14: Jetzt wird es noch spannender... Denn wenn eine Gesellschaft so stark mit männlich, weiblich Sonne, Mond und sich ergänzenden Kräften arbeitet könnte man erwarten das Geschlecht dort vollkommen star gedacht wurde.

00:30:27: Man hier Frau dort fertig!

00:30:30: Aber offenbar war auch das nicht so ganz einfach denn aus den kolonialen Quellen kennen wir Berichte über religiöse Spezialisten die nicht eindeutig in die spanischen Vorstellungen von Männlich- und Weiblichpasten.

00:30:45: Aber an dieser Stelle haben wir ein Problem, denn diejenigen, die uns darüber berichten sind häufig spanisch christliche Autoren des sechzehnten und siebzehn Jahrhunderts.

00:30:58: Und die schauen auf diese Menschen mit ihren eigenen Vorstellungen von Geschlecht, Sexualität, Religion – und natürlich Sünde!

00:31:07: Das heißt, wir können nicht einfach unseren heutigen Begriff nehmen und sagen ah das waren Trans-Menschen….

00:31:13: das wissen wir.

00:31:14: Aber wir können sagen, dass es in der Andien-religiösen Welt offenbar Menschen und religiöse Rollen gab die männliche und weibliche Eigenschaften miteinander verbanden.

00:31:23: Beziehungsweise geschlechter Grenzen überschritten!

00:31:26: Und gerade im Zusammenhang mit dieser Vorstellung von komplementären Kräften ist das sehr interessant.

00:31:31: Denn vielleicht zeigt noch einmal, dass diese Kategorie nicht einfach zwei Kästchen waren, in die jeder Mensch irgendwie hineinpassen musste?

00:31:39: Und damit kommen wir zurück zu unserem Tempel Denn dort begegnet uns nicht nur die Sonne und der Mond, Gold und Silber, männlich-weiblich.

00:31:46: Sondern auch Menschen, die auf den ersten Blick gar nicht mehr hier sein sollten... ...die Toten!

00:31:52: Genauer gesagt die verstorbenen Herrscher der Inka.

00:31:55: Denn für die Inka bedeutete der Tod eines Sapa-Inka offenbar nicht automatisch dass dieser Herrschers jetzt einfach aus der Gesellschaft verschwunden war Und damit müssen wir uns jetzt dringend diese Mumien anschauen.

00:32:08: Mumien sind finde ich In der Archäologie und Anthropologie, eigentlich in den historischen Wissenschaften insgesamt eine unglaublich spannende Quelle.

00:32:19: Aber sie sind eben auch eine sehr umstrittene Quelle vor allem auf einer ethischen Ebene Denn letztendlich ist das was wir uns da anschauen ein toter Mensch Und deswegen ist es wichtig dass menschliche Überreste mit einem gewissen Respekt behandelt werden.

00:32:35: Es gibt unglaublich viele Beispiele für untersuchte Mumien.

00:32:39: Özi ist wahrscheinlich eine der bekanntesten und der arme Mann ist inzwischen wirklich von oben bis unten untersucht worden, aber wenn wir uns anschauen wie Menschen in der Vergangenheit mit Mumien umgegangen sind dann stellen wir ziemlich schnell fest diesen Respekt hatten wir nicht immer und damit meine ich jetzt noch nicht einmal die Conquistadores.

00:32:56: zu denen kommen wir gleich.

00:32:57: Ich meine uns Europäer Denn über Jahrhunderte wurden beispielsweise egyptische Mumien zermahlen und als Medizin verwendet.

00:33:06: Ja, Menschen haben Mumien gegessen!

00:33:09: Und falls das noch nicht reicht es gab tatsächlich eine Künstlerfarbe namens Mummy Brown – Mumian Braun.

00:33:16: Und die hieß nicht einfach so weil sie halt irgendwie Mumion Braun aussah?

00:33:21: Nein, die wurde tatsächlich unter anderem aus zermahlenden menschlich in Mumien hergestellt.

00:33:28: Also wir sollten vielleicht nicht allzu überheblich auf den Umgang anderer Kulturen mit menschlichen Überresten schauen.

00:33:34: Aber warum sind Mumien für die Forschung überhaupt so interessant?

00:33:37: Weil ein menschlicher Körper unglaublich viel erzählen kann, über Ernährungen, über Krankheiten, über Verletzungen und über Lebensbedingungen eines Menschen.

00:33:49: Manchmal findet man an einem Körper Dinge bei denen man erst einmal denkt – Entschuldigung!

00:33:54: Was habt ihr da

00:33:55: gemacht?!

00:33:57: Und damit kommen wir zu Trepanationen, also zu schädelschirurgischen Eingriffen.

00:34:02: Denn in den Anden wurden Menschen tatsächlich am Schädel operiert.

00:34:06: und ganz wichtig das haben nicht die Inka erfunden.

00:34:09: Trepanitionen haben in Peru eine sehr viel längere Geschichte und wurden bereits viele Jahrhunderte vor dem Inka-Reich durchgeführt.

00:34:17: aber zur Zeit der Inka hatte man darin offenbar eine erstaunliche Erfahrung entwickelt.

00:34:24: Bei einer großen Untersuchung wurden die Daten von mehr als achthundert repanierten Schädeln aus Peru ausgewertet, aus einem Zeitraum von fast zwei tausend Jahren.

00:34:33: Und dabei kann man etwas ziemlich Faszinierendes beobachten!

00:34:36: Die Überlebensrate wurde im Laufe der Zeit immer besser.

00:34:42: Bei den frühesten Untersuchungen ungefähr vierhundert und zweihundert vor Christus überlebten langfristig nur ungefähr viertzig Prozent.

00:34:50: In späteren Jahrhunderten steigt dieser Anteil deutlich am Und in der Inkerzeit liegt die geschätzte langfristige Überlebensrate bei ungefähr seventy-fünf bis eighty drei Prozent.

00:35:04: Wir reden hier davon, dass jemand in den Anden vor mehr als fünfhundert Jahren ein Loch in den Schädel eines Menschen geschnitten oder geschabt hat und dreiviertel oder mehr dieser Menschen haben offenbar lange genug überlebt das der Knochen wieder zu heilen begann – und es wird noch absurde!

00:35:21: Es gibt Schädel aus Inkafundorten mit Verhalten mehreren Trepanation.

00:35:26: Bei einzelnen Menschen wurden bis zu sieben erfolgreiche Eingriffe festgestellt, sieben!

00:35:32: Das heißt dieser Mensch hat nicht nur einmal jemanden einen seinen Schädl gelassen und gedacht ja wird schon gut gehen er hat das mehrfach überlebt.

00:35:41: Und das spannende ist man kann an diesen Schädeln auch erkennen dass die menschen offenbar gelernt haben.

00:35:46: Die Techniken verändern sich, bestimmte besonders gefährliche Bereiche des Schädels wurden vermieden.

00:35:51: Und Methoden bei denen das Risiko geringer war, die hier in heute oder größere Blutgefäße zu verletzten, wurden offenbar beforzt?

00:35:59: Bei einer Untersuchung von elf Hund Orten in der Region Cusco fand man bei sixty-sechzig Menschen insgesamt hundertneun Trepanationen und die geschätzte Überlebensrate lag dort bei eighty drei Prozent und die Forscher fanden vergleichsweise wenig Hinweise auf Infektionen.

00:36:17: Es gibt aus Verdehm Hinweise darauf, dass bei der Wundversorgung pflanzliche Substanzen eingesetzt wurden die antiseptisch wirken können.

00:36:24: In der Literatur werden dabei beispielsweise Saponine, Zimtsäure und Chorilagin genannt.

00:36:31: Ob und wie genau diese Stoffe tatsächlich bei den Operationen eingesetzt worden lässt sich heute allerdings nicht mehr sicher rekonstruieren.

00:36:38: Aber offenbar waren Infektionen erstaunlich selten Und das wirft natürlich sofort die nächste Frage auf Wie haben sie das gemacht?

00:36:46: Und die ehrliche Antwort lautet, wir wissen es nicht genau.

00:36:48: Wir wissen nicht genau welche Mittel zur Schmerzlinderung eingesetzt wurden?

00:36:53: Wir wissen auch nicht genau wie Wunden behandelt wurden!

00:36:55: Wir wissen aber auch nicht bei jedem einzelnen Menschen warum überhaupt trepaniert wurde... Aber Schädelverletzung scheint eine wichtige Rolle gespielt zu haben.

00:37:04: und jetzt kommt ein Vergleich den ich wirklich bemerkenswert finde.

00:37:07: In einer Studie wurden diese Ergebnisse unter anderem mit Schädeloperationen während des amerikanischen Bürgerkriegs verglichen Und dort lag die Sterblichkeit nach solchen Eingriffen bei ungefähr forty bis fifty-six Prozent.

00:37:22: Jetzt kann man diese Zahlen natürlich nicht einfach eins zu eins miteinander vergleichen, das sind völlig unterschiedliche Zeitenverletzungen Patientengruppen und medizinische Situationen.

00:37:32: aber trotzdem Menschen in den präkolumbischen Anden waren offenbar sehr viel besser in Schädelchirurgie als man vielleicht zunächst erwarten würde.

00:37:43: Und genau solche Dinge können wir an menschlichen Überresten erkennen.

00:37:47: Wir können sehen, dass ein Mensch verletzt wurde.

00:37:49: Wir kann sehen das jemand versucht hat ihn zu behandeln!

00:37:53: Wir können anhand des neu gebildeten Knochen sogar erkennen... ...dass er die Behandlung überlebt hat.

00:37:58: Genau deshalb sind Mumien und menschliche Überreste für die Forschung so unglaublich wertvoll.

00:38:04: Aber genau deshalb müssen wir uns eben auch immer bewusst machen Das hier ist nicht einfach nur ein Forschungsobjekt.

00:38:10: Das war ein Mensch.

00:38:12: Inzwischen versucht man bei Untersuchungen deshalb häufig möglichst wenig invasiv vorzugehen.

00:38:18: Man kann Körper beispielsweise mit CT-Aufnahmen untersuchen ohne sie dafür auseinandernehmen zu müssen, man kann winzige Proben analysieren und immer mehr Informationen gewinnen ohne einen Körper dabei zwangsläufig zu zerstören Und ich finde das ist eigentlich ein ganz schöner Gedanke.

00:38:35: Wir können unglaublich viel von diesen Menschen lernen aber wir müssen sie dafür nicht noch einmal zerstören.

00:38:41: Und jetzt kommen wir zu den ganz besonderen Mumien, denn bei den Inka waren einige Tote eben nicht einfach nur Tote.

00:38:48: Wir kommen zu den Herrschermumien oder zu den Königs-Mumien und diese Mumien waren für die Inka eben nicht so einfach die sterblichen Überreste eines Herrschers, denen man irgendwann bestattet hatte und der damit aus der Geschichte verschwunden war – ganz im Gegenteil!

00:39:05: Die Mumien der verstorbenen Sapa Inka gehörten weiterhin zu ihren jeweiligen Panakas, also den königlichen Abstammungsgruppen.

00:39:14: Sie wurden sorgfältig aufbewahrt in sehr feine Stoffe gekleidet und teilweise mit kostbaren Materialien geschmückt.

00:39:20: Um zu bestimmten Festen und Zeremonien wurden diese verstorbenden Herrscher sogar wieder hervorgeholt – auch im religiösen Zentrum Kuskus und im Umfeld des Kurikantscha konnten sie bei wichtigen Zeremenien präsent sein!

00:39:34: Jetzt kommen wir zu einem Punkt, den ich auch mega spannend finde.

00:39:38: Die Herrscher waren zwar tot aber irgendwie waren sie auch noch da!

00:39:43: Ihnen wurden weiterhin Speisen und Getränke angeboten Sie wurden bei Festen- und Terrezeremonien einbezogen Ihre Panakas kümmerten sich weiterhin um sie Und noch viel erstaunlicher Der Tod eines Herrschers bedeutete offenbar nicht automatisch dass sein Besitz jetzt einfach an die nächsten Herrschern überging.

00:40:00: Sein Panaka verwaltete seine Güter am Länderein weiter.

00:40:04: Der neue Sapa Inka musste sich also eine eigene wirtschaftliche Grundlage schaffen.

00:40:09: Das heißt, wir haben hier tote Herrscher die in gewisser Weise weiterhin Teil der sozialen religiösen und sogar wirtschaftlichen Welt der Lebenden waren.

00:40:17: Und ich finde genau deshalb versteht man auch besser warum der Umgang der Spanier mit diesen Mumien für die Inka so einschneidend gewesen sein muss Denn die Spania versuchten irgendwann gezielt diese Herrschermumien zu finden.

00:40:30: Fünfzehnhundertneunundfünftig ließ der spanische Beamte Polo de Endogado mehrere von ihnen aufspüren.

00:40:37: Darunter befanden sich Mumien, die unter anderem Pasha Kutek und Foyana Kapak zugeschrieben wurden.

00:40:43: Und wenn diese Mumien durch Cusco getragen wurden passierte etwas das ziemlich deutlich zeigt dass hier eben nicht einfach irgendwelche alten Leichen durchgegengetragen wurden.

00:40:53: Menschen am Straßenrand verbeugten sich vor ihn sie knieten nieder es wurde geweint und geklagt.

00:40:59: Einige Desarmomien wurden schließlich nach Lima gebracht und dort im Hospital des San Andrés untergebracht.

00:41:05: Und jetzt kommt etwas, was mich wahnsinnig macht!

00:41:08: Wir wissen nicht wo sie heute sind denn irgendwann verlieren sich ihre Spuren.

00:41:12: Es gibt seitdem immer wieder Vermutungen und auch Untersuchungen dazu ob sich ihre Überreste vielleicht doch noch irgendwo unter dem ehemaligen Hospital des Anandrés befinden aber bis heute wissen wir nicht sicher was mit ihnen passiert ist.

00:41:25: Irgendwo in Lima könnten also theoretisch noch die Überreste einiger Herrscher des Inkarreiches liegen.

00:41:31: Und dann gibt es noch eine zweite Geschichte, die finde ich fast noch besser zeigt welche Bedeutung die Mumir hatten und zwar die Geschichte von Viracocha Inca.

00:41:41: Gonzalo Pizarro ließ nach Viracochas Grab beziehungsweise seinen Schätzen suchen.

00:41:48: Dabei wurde die Mumi das verstorbenen Herrschers gefunden und verbrannt.

00:41:52: und damit hätte man jetzt denken können gut Mimne zerstört, Problem erledigt.

00:41:58: Aber die Inka sammelten die Asche ihres Herrschers wieder ein Sie gaben sie in einen Gefäß und vererrten ihn weiter.

00:42:05: Und ich finde deutlicher kann man eigentlich kaum zeigen dass es bei diesen Mumien nicht einfach darum ging einen Körper möglichst gut zu konservieren.

00:42:13: Die Bedeutung lag nicht nur im Körper.

00:42:15: Der Herrscher war tot aber seine gesellschaftliche und religiöse Existenz war damit eben einfach nicht beendet.

00:42:21: Und genau deshalb funktioniert es auch nicht den Körper zu verbrennen.

00:42:24: und so denken wir, jetzt ist er weg.

00:42:26: Dann wurde eben seine Asche vererrt!

00:42:29: Damit sind wir eigentlich noch nicht ganz fertig mit dem Tod eines Herrschers denn Wir haben gerade darüber gesprochen dass ein Zappa Inka nach seinem Tod in gewisser Weise weiter existierte Aber sein Tod selbst konnte ebenfalls ein gewaltiges Ereignis sein.

00:42:43: Hier müssen wir ein bisschen vorsichtig sein Denn vieles von dem was wir darüber wissen stammt von spanischen Chronisten und die berichten teilweise von sehr großen Gefolgschaftsopfern.

00:42:53: Also davon, dass beim Tod eines Herrschers nicht nur der Herrscher selbst bestattet wurde sondern auch Menschen aus seinem Umfeld getötet wurden.

00:43:01: Giener Frauen Teilweise auch Kinder Und auch Tiere Beispielsweise Llamas oder Eipakas konnten zu den Opfergaben gehören.

00:43:09: Die Vorstellung dahinter war offenbar das der Herrsche auch nach seinem Tod weiterhin versorgt werden musste Was ziemlich gut zudem passt was wir gerade gesehen haben.

00:43:18: Dieser Herrscher war tot, aber seine Existenz war damit eben nicht vorbei.

00:43:22: Bei einzelnen Herrschern berichten die kolonialen Quellen sogar von hundert oder teilweise bis zu tausenden Menschen, die im Zusammenhang mit dem Tod des Sapper Inka geopfert worden seien sollen.

00:43:32: Aber da würde ich wirklich ein dickes Sternchen dahinter setzen Denn das sind Angaben aus Kolonialberichten.

00:43:39: Wir haben keine archäologische Ausgrabung bei der wir sagen können jupp Hier liegen Tausend Menschen die nachweislich zusammen mit diesem einen Sapper Inkak geopfert wurden.

00:43:48: Also, Gefolgschaftsopfer hat es gegeben.

00:43:51: Aber bei den spektakulären Zahlen sollten wir vorsichtig sein und überhaupt spielte der Umgang mit dem Körper der Verstorbenen in den Arten eine wichtige Rolle.

00:44:01: Wobei wir auch hier aufpassen müssen dass wir nicht von DER Inkamomifizierung sprechen als hätte es überall im riesigen Tafantinsiu so exakt dieselbe Bestattungstradition gegeben Denn dieses Reich erstreckt sich über völlig unterschiedliche Landschaft und Kulturen.

00:44:18: Und deshalb entsprechend, unterschiedlich waren auch die Bedingungen unter den Körper erhalten blieben.

00:44:26: In sehr trockenen Regionen kann ein Körper auf natürliche Weise mumifizieren.

00:44:30: in großer Höhe können Kälte und Trockenheit ebenfalls dafür sorgen dass sich menschliche Überreste erstaunlich gut erhalten.

00:44:37: aber dann gibt es eben auch Regionen bei denen man denkt wie zur Hölle soll hier denn eine Mumie entstehen zum Beispiel im feuchten Nebelwald.

00:44:45: Da gibt es ein Beispiel, das ich auch wieder total interessant finde bei der Laguna de los Condores im Gebiet der Cajapoya wurden Mausoleen gefunden in den hunderte Mumien bzw.

00:44:57: Mumienbündellagen und dort hatte man tatsächlich eine ziemlich clevere Lösung für das Feuchtigkeitsproblem.

00:45:03: die Bestattungsbünde lagen auf erhöhten Plattformen und damit nicht direkt auf dem feuchte Boden in den Mausoleen sorgten dafür, dass die Luft zirkulieren konnte.

00:45:15: Im Grunde hatte man also Bedingungen geschaffen unter denen die Körper selbst in dieser feuchten Umgebung erhalten bleiben konnten.

00:45:22: Wichtig ist allerdings das es keine allgemeine Inka-Momifizierungstechnik.

00:45:28: wir befunden uns hier bei den Chachapoya Also einer eigenen an die Kultur deren Gebiet später in das Inka Reich eingegliedert wurde und auch die typische Haltung vieler an Dynamomien ist auffällig.

00:45:41: Die Toten wurden häufig stark zusammengezogen bestattet mit angewinkelten Beinen, teilweise fast in einer Art Hochstellung und anschließend in Textilien zu einem Bestattungsbündel verschnürt.

00:45:52: Dazu konnten Grabbeigaben kommen Nahrung Gefäße Kleidung Gegenstande aus dem persönlichen oder sozialem Umfeld.

00:45:59: Und wieder haben wir eigentlich dieselbe Grundidee Der Tod bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Beziehung zwischen den Lebenden und den Toten vollständig abricht.

00:46:09: Aber jetzt müssen wir noch über eine andere Form des Todes sprechen, denn Menschen wurden bei den Inka nicht ausschließlich im Zusammenhang mit Bestattungen geopfert.

00:46:19: Und damit kommen wir zu einem der vermutlich bekanntesten und gleichzeitig schwierigsten Themen überhaupt – zur Capacodja!

00:46:27: und damit zu den Kindern, die auf einigen der höchsten Berge der Anden geopfert wurden.

00:46:33: Und damit zu einer anderen Form des Menschenopfers bei dem Inka.

00:46:39: Ich glaube hier muss man zuerst einmal etwas klarstellen Denn wenn wir sagen Die Inka haben Kinder geopfert Dann entsteht sehr schnell das Bild dass im Inkerreich ständig irgendwelche Kinder auf Berge geschleppt und umgebracht wurden.

00:46:52: So war es nicht.

00:46:54: Capacocha war kein alltägliches Massenphänomen.

00:46:57: Es war ein außergewöhnliches und hochrangiges Ritual des Inkerstaates, aber es war eben auch kein einmaliges Ereignis!

00:47:06: Wir kennen heute eine ganze Reihe solcher Opfer aus unterschiedlichen Teilen das ehemaligen Tawantinsuyu.

00:47:14: Und das Spannende ist die Opferung begannen nicht erst oben auf dem Berg.

00:47:19: Eigentlich begannen sie schon sehr viel früher.

00:47:23: Kinder wurden aus den unterschiedlichsten Regionen des riesigen Reiches ausgewählt.

00:47:27: Koloniale Quellen beschreiben sie als besonders schön und körperlich möglichst unversehrt.

00:47:33: Bei den Jungen handelt es sich häufig um Kinder von vielleicht vier bis zehn Jahren, daneben kennen wir aber auch ältere Mädchen und junge Frauen die teilweise zu den sogenannten Aklas, den außerwählten Frauen gehörten.

00:47:46: Diese Kinder wurden zunächst nach Cusco gebracht – also noch einmal!

00:47:51: Ein Kind konnte irgendwo in diesem gigantischen Reich ausgewählt werden und musste zunächst an das politische und religiöse Zentrum des Tavantinsuyu gebracht werden.

00:48:02: Dort fanden Zeremonien und Festmieler statt, die Kinder wurden aufgewertet neu eingekleidet mit kostbaren Gegenständen ausgestattet Und bei einigen dieser Kinder können wir diese Veränderungen bis heute noch nachweisen Denn Haare wachsen Monat für Monat.

00:48:17: was ein Mensch ist hinterlässt chemische Spuren darin.

00:48:21: Bei den drei Kindern, die am Lula Laiko gefunden wurden, konnte man deshalb gewissermaßen die letzten Monate ihres Lebens entlang ihrer Haare verfolgen.

00:48:32: Und insbesondere bei der Ältesten der ungefähr dreizehnjährigen sogenannten Maiden sieht man ungefähr ein Jahr von dem Tod eine deutliche Veränderung – ihre Ernährung verändert sich!

00:48:43: Sie bekommt zunehmend Lebensmittel, die mit einem höheren sozialen Status verbunden waren unter anderem mehr Mais und tierisches Eiweiß.

00:48:52: Das Kind wird also nicht einfach irgendwann gepackt und auf ein Berg gebracht, sein sozialer Status veränderte sich bereits lange vor seinem Tod.

00:49:00: Und dann beginnt die eigentliche Reise.

00:49:03: nach den Zeremonien in Cusco wurden die Kinder wieder in unterschiedliche Regionen des Reiches geschickt und diese Wege konnten gewaltig sein Denn einige der heiligen Berge lagen hundert und teilweise über tausend Kilometer von Cusco entfernt.

00:49:19: Und diese Reise war nicht einfach nur der Transport zum Hinrichtungsort, sie war Teil des Rituals.

00:49:26: Prozessionen fegten sich über die Straßen des Inkerreiches durch Täler und Überpässe – immer weiter in Richtung der heilligen Landschaft!

00:49:36: Und die Berge waren für Menschen der Anden eben nicht einfach große Steinhaufen.

00:49:42: Sie konnten selbst heilige Wesen sein, Apus.

00:49:46: Mächtige übernatürliche Akteure die mit Landschaft, Wasser, Fruchtbarkeit und dem Wohlergehen der Gemeinschaften verbunden waren.

00:49:54: Und genau dort sollten diese Kinder zu vermitteln werden zwischen den Menschen und der Welt der Götter, Horkers und Ahnen.

00:50:02: Eines dieser Kinder kennen wir heute als den Jungen vom Kero El Plomo.

00:50:06: Er wurde in den über fünftausend vierhundert Meter hohen Elplomo in den chilenischen Anden gefunden.

00:50:15: Und er war ungefähr acht oder neun Jahre alt.

00:50:17: Sein Körper ist so gut erhalten, dass man heute erstaunlich viele bei ihm sagen kann und an seinen Füßen sieht man etwas das ich gleichzeitig faszinierend und ziemlich schrecklich finde.

00:50:28: Seine Fußsohlen zeigen starker Hornhaut.

00:50:30: Das spricht dafür, dass dieser ungefähr achtjährige Junge zumindest ein Teil dieses gewaltigen Pilgerweges tatsächlich zu Fuß und Barfuß zurückgelegt hat.

00:50:42: Und am Ende musste er auch noch auf diesen Berg – auf über fünf tausend Meter!

00:50:48: Seine Kleidung und seine Grabbeigaben zeigen dabei gleichzeitig wie außergewöhnlich seine Stellung innerhalb dieses Rituals war.

00:50:55: Er trug feine Kleiderungen aus Kämelidenwolle, einen aufwendig gestalteten Kopfschmuck und Schmuck aus Silber.

00:51:01: Bei ihm lagen unter anderem eine kleine Figur von Kameliden aus Metall und Spondylosmuschel, eine menschliche Silberfigur und ein Beutel mit Kokablättern.

00:51:11: Und dann kam der letzte Teil der Zeremonie.

00:51:13: Auf dem Elplomo gab es zunächst einen zeremonialen Platz auf ungefähr fünftausend zweihundert Meter Höhe.

00:51:20: Von dort musste der Junge noch weiter hinauf zum eigentlichen Bestattungsplatz und irgendwann wurde er in die vorbereitete Grabkammer gesetzt Mit angewinkelten Beinen die Arme um die Beine gelegt, seine Kleidung um seinen Körper gezogen und wahrscheinlich war er zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen erschöpft.

00:51:39: Höhe, Kälte der Aufstieg.

00:51:43: Hinzu kamen offenbar berauschende beziehungsweise sedierende Substanzen.

00:51:47: Kokabletter gehörten ohnehin zur rituellen Welt der Anden Und auch Chicha also Maisbier spielte bei den Zeremonien eine große Rolle.

00:51:57: Beim Jungen von El Plomo ist die genaue Abfolge seiner letzten Stunden allerdings nicht vollständig rekonstruierbar.

00:52:04: Das chilenische Nationalmuseum geht davon aus, dass er noch lebend in die vorbereitete Grabkammer gesetzt und diese anschließend verschlossen wurde.

00:52:11: Wahrscheinlich starb er dann an den Bedingungen in dieser extremen Höhe Und wenn wir wissen wollen welche Rolle berauschende Substanzen bei der Kappa Kochschah spielen konnte sind die Kinder von Lulailaco sogar noch aufschlossreicher.

00:52:28: Denn in ihren Haaren lassen sich sowohl Kokakonsum als auch Alkoholkonsum über die letzten Monate ihres Lebens verfolgen und beides nimmt vor dem Tod zu, bei der ältere Jugendlichen besonders deutlich in den letzten Wochen.

00:52:42: Als sie gefunden wurde befand sich sogar ein bündelge kauter Koka-Bletter zwischen ihren Zehen.

00:52:48: Die Forschenen halten es deshalb für möglich, dass diese Substanzen in der letzten Phase auch dazu dienten die Kunder ruhig beziehungsweise schläfrig zu machen.

00:52:58: Auch bei den drei Kindern vom Lulaylaco gibt's keine Hinweise auf tödliche Gewalteinwirkungen am Schädel.

00:53:05: Sie wurden einzeln In vorbereiteten Kammern innerhalb einer Zeremonialanlage knapp unterhalb des six tausend siebenhundert neun und dreißig Meter hohen Gipfels bestattet Und dann blieben sie dort über fünfhundert Jahre.

00:53:19: Aber warum?

00:53:20: Warum betreibt ein Staat einen solchen unfassbaren Aufwand?

00:53:25: Warum holt man Kinder aus unterschiedlichen Teilen des Reiches nach Cusco, führt dort Zeremonien durch, startet sie mit kostbaren Textilieren und Gegenständen aus und schickt anschließend ganze Prozessionen teilweise über hundert oder mehr als tausend Kilometer durch die Anden?

00:53:41: Und genau hier lassen sich Religion und Politik bei den Inka eigentlich kaum noch voneinander trennen.

00:53:47: Kappakocher konnten mit bedeutender Ereignissen verbunden sein.

00:53:51: Mit dem Tod oder der Thronbesteigung eines Herrschers, mit Krisen, mit Dürren, Erdbeben und Vulkan ausbrüchen.

00:53:59: Oder mit der Notwendigkeit Beziehungen zwischen Menschen und Hoarkas wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

00:54:05: Die Kinder wurden dabei offenbar nicht einfach als Weg betrachtet – sie wurden zu vermittlern!

00:54:11: zu einer Verbindung zwischen der menschlichen Gemeinschaft und der übernatürlichen Welt.

00:54:17: Ihre Gräber konnten selbst zur Heiligen Orten werden, aber gleichzeitig demonstrierte dieses Ritual die Macht des Inkerstates.

00:54:25: Denk noch einmal an diesen Weg!

00:54:27: Ein Kind aus einer weit entfernten Provinz wird ausgewählt – es reicht nach Cusco, dort wird es vom religiösen und pro-dlitischen Zentrum des Reiches empfangen.

00:54:37: Dann zieht eine Prozession wieder hinaus, über das Straßennetz des Tawantinsuyu bis zu einem heiligen Ort in einer Provinz.

00:54:45: Dort werden kostbare Gegenstände aus dem imperialen Zentrum niedergelegt und dort entsteht ein neuer heiliger Ort der gleichzeitig mit Cusco verbunden ist.

00:54:54: Das ist Religion aber es ist eben auch Politik.

00:54:58: Lokale Eliten konnten ihre Kinder für dieses Ritual zur Verfügung stellen und damit ihre Beziehungen zum Inker bestätigen Der Inka-Wiederumverband lokale heilige Landschaft mit dem imperialen Zentrum.

00:55:10: Und ein Reich, das sich über mehrere Tausend Kilometer erstreckte und aus unglaublich vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen bestand bekam dadurch ein gemeinsames religiöses Netz!

00:55:20: Und deshalb finde ich die Kappa Korra so interessant.

00:55:23: nicht weil die Inka ständig Kinder kaputt hätten – das haben sie offensichtlich.

00:55:28: Archäologisch kennen wir bislang nur eine begrenzte Zahl sicherer beziehungsweise wahrscheinliche Opfer verteilt über ein riesiges Gebiet und ungefähr ein Jahrhundert imperialer Inkeherrschaft.

00:55:39: Wir können daraus allerdings keine Gesamtzahl errechnen, denn wir kennen längst nicht alle Heiligtümer, nicht alle sind ausgegraben, nicht überall haben sich menschlich Überreste erhalten und vermutlich werden wir nie wissen wie viele Kinder tatsächlich im Rahmen einer Kappakorra geopfert wurden.

00:55:55: Aber die relativ geringe Zahl archäologisch bekannter Opfer darf uns auch nicht darüber hinwegtäuschen, wie bedeutend dieses Ritualbum.

00:56:03: Denn wenn für ein einziges Kind Menschen teilweise über hunderte oder mehr als tausende Kilometer durch das Inke-Reich zogen... ...wenn in Cusco Zeremonien stattfanden, wenn kostbare Textilien, Gold-, Silber und Spondylos geopfert wurden….

00:56:17: …und wenn auf Bergen in mehr als fünftausend oder sogar sechstausend Metern höhe Zeremodialanlagen errichtet wurden….

00:56:25: Dann war dieses eine Kind keine beiläufige Opfergabe.

00:56:30: Es war Teil eines der bedeutendsten Rituale des Inkarreiches und gleichzeitig Teil eines Systems, mit dem Cusco die Provinzen, die lokalen Eliten, die heiligen Berge und die Götter miteinander verbunden hat.

00:56:43: Natürlich stellt sich trotzdem die Frage welchen praktischen Nutzen sollten solche Rituaale eigentlich haben?

00:56:50: Denn eine Kappa-Kocher konnte ja unter anderem dazu dienen, das Verhältnis zwischen den Menschen und den Huakas wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

00:56:58: Und das konnte gerade dann wichtig werden wenn irgendetwas aus dem Gleichgewichts geraten war zum Beispiel das Wetter.

00:57:05: Denn auch wenn wir heute sehr viel über Klimawandel sprechen – Klimaveränderungen und extreme Klimaeignisse oder Wettereignisse gab es natürlich schon immer!

00:57:14: Es gab trockene Rehare, es gab regenreichere Jahre, es gab Türen, Erdbeben… Vulkanausbrüche.

00:57:21: Und für eine Gesellschaft der Entversorgung letztendlich vom Landwirtschaft und Viehzug abhängig war, konnte so etwas ziemlich schnell existenziell werden.

00:57:30: Eine Kappakocher konnte deshalb beispielsweise auch im Zusammenhang mit den Naturkatastrophen oder anderen Krisen stattfinden.

00:57:37: Aus Sicht der Inka musste dann eben nicht nur irgendein meteorologisches Problem gelöst werden.

00:57:42: Das Verhältnis zwischen Menschen, Landschaft und den übernatürlichen Mächten musste wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

00:57:49: Und damit sind wir jetzt endlich wieder bei einem schöneren Thema!

00:57:53: Denn wenn das Wetter für die Ernte so wichtig ist stellt sich natürlich die Frage was haben die Inka eigentlich gegessen?

00:58:00: Und die grundsätzliche Antwort ist erstmal relativ unspektakulär Kartoffeln, Mais, Kinoa... ...und andere sogenannte Pseudogetreigete wie Caniva.

00:58:10: Kinoa ist brutalisch gesehen, nämlich gar kein echtes Getreide.

00:58:14: Und das Spannende ist eigentlich weniger die einzelne Franz als die Frage wie baut man überhaupt genug Nahrung für ein riesiges Reich an wenn das eigene Land hauptsächlich aus Bergen besteht?

00:58:24: Die Antwort darauf lautet Man nutzt die Berge Denn die Anden bieten auf relativ kurze Entfernung völlig unterschiedliche Höhenstufen und in diesen Höhen stufen kann man unterschiedliche Dinge anbauen.

00:58:36: grob gesagt Mais wächst weiter unten Etwas weiter oben werden Kartoffeln wichtiger und noch höher wachsen besonders robuste Pflanzen wie Kinoa und Caniva.

00:58:47: Und irgendwann kommt man in Höhen, in denen Landwirtschaft immer schwieriger wird die aber hervorragend als beide Fläche für Llamas oder Alpakas genutzt werden können.

00:58:55: Das heißt statt zu versuchen über all das selber anzubauen nutzte man die unterschiedlichen ökologischen Bedingungen der Anden gezielt aus.

00:59:03: Dazu kamen Terrassen und die kennen wahrscheinlich die meisten von euch von Bildern aus Peru.

00:59:09: An steilen Berghängen wurden ganze Stufen angelegt, dadurch entstanden überhaupt erst Flächen auf denen sinnvoll Landwirtschaft betrieben werden konnte.

00:59:17: Gleichzeitig konnte man Wasser kontrollieren, Erosion vermindern und unterschiedliche lokale Bedingungen nutzen.

00:59:23: Dazu kamen Bewässerungssysteme und noch weitere Formen der Landschaft war mit denen Wasser gespeichert und verteilt werden konnte.

00:59:31: aber auch hier muss ich wieder sagen das haben nicht alles die Inka erfunden.

00:59:34: Viele dieser Techniken gab es in den Anden schon lange vor ihnen, aber die Inker übernahmen sie und integrierten sie in ihr riesiges Reich.

00:59:41: Und genau diese Vielfalt war gleichzeitig eine Art Versicherung!

00:59:46: Denn wenn in einer Höhenlage eine Ernte schlecht ausfiel, bedeutet das nicht zwangsläufig dass überall alles ausfiehlt.

00:59:54: Und die Inka bauten darüber hinaus große Vorräte auf.

00:59:57: Nahrungsmittel konnten getrocknet und über längere Zeit gelagert werden.

01:00:01: Kartoffeln beispielsweise konnten zu Tsuno verarbeitet werden.

01:00:05: Dabei werden sie mithilfe der kalten Nächte und der trockenen Bedingung im Hochland praktisch gefriergetrocknet, und Fleisch konnte ebenfalls haltbar gemacht werden.

01:00:14: daraus entstand Turkey getrocknetes Fleisch häufig von Lamas Und falls euch das Wort irgendwie bekannt vorkommt aus diesem andienwort entwickelte sich über das spanische wahrscheinlich unser englisches wort jerky und ja Beef Jerky hat sprachlich etwas mit getrocknetem Lama-Fleisch aus den Anden zu tun.

01:00:34: Geschichte ist manchmal einfach wunderschön!

01:00:38: Fleisch spielte bei den Inka durchaus eine Rolle, vor allem Kameliden waren wichtig.

01:00:44: Lamas und Alpakas waren allerdings zu wertvoll um sie einfach nur als wandelnde Schnitzel zu betrachten.

01:00:49: Sie lieferten Wolle – sie dienten zumindest im Falle der Lamans als Lasttiere.

01:00:53: Es waren Opfergaben aber sie lieferden eben auch Fleisch.

01:00:57: Und dann gab es noch etwas anderes.

01:00:59: Kui, Meerschweinchen und ja das tut mir persönlich jetzt ein bisschen weh denn ich hatte früher selbst zwei mehr Schweinchen Stubsi und Dickey.

01:01:09: und Ja Ich habe mein eines mehrschweinchens wirklich dicke genannt Denn Es war Ein Bisschen kugelig Aber Ich hätte mir niemals vorstellen können stubsi oder dickey zu essen.

01:01:19: In Den Anden Wurden MeerschWeinchen allerdings schon lange vor den Inkeln als nutzt ihre gehalten und wurden gegessen und damit müssen wir Jetzt alle kurz leben.

01:01:27: Bei der Zubereitung gab es natürlich ganz unterschiedliche Möglichkeiten.

01:01:31: Es gab Suppen und Eintöpfe, es wurde gekocht und geröstet.

01:01:34: Und es gab eine Zuberechtungsart die es in den Anden bis heute gibt und die ich ziemlich großartig finde... Patschaman Kack!

01:01:41: Dabei wurde eine Grube in der Erde vorbereitet und mit erhitzen Steinen gearbeitet Fleisch Kartoffeln.

01:01:46: andere Zutaten werden hineingelegt abgedeckt und mithilfe der gespeicherten Hitze gegart.

01:01:51: Im Grunde ein Ofen in der Erde.

01:01:54: Und dann kommen wir natürlich zu einem Thema, das uns in diesem Podcast erstaunlich zuverlässig verfolgt.

01:01:59: Alkohol!

01:02:01: Denn Menschen scheinen sich grundsätzlich auf jedes Grundnahrungsmittel.

01:02:05: irgendwann mal die Frage hinzustellen Kann ich daraus Bier machen?

01:02:11: und Die Antwort lautet erstaundlich häufig Ja.

01:02:16: Bei den Inkas war es Mais.

01:02:18: Daraus wurde Chicha hergestellt In Quashwa auch Akra genannt ein fermentiertes Maisgetränk.

01:02:25: Und Chicha war nicht einfach nur etwas, das man getrunken hat, weil man gerade Lust auf Bier hatte.

01:02:31: Sie hatte eine enorme soziale politische und religiöse Bedeutung.

01:02:35: Bei Festen wurde Chicha getrunkem, beim gemeinschaftlichen Arbeiten bei politischen Zusammenkünften, bei Ritualen – unnatürlich konnte sie auch den Huakas geopfert werden!

01:02:45: Das gemeinsame Trinken stellte Beziehungen her zwischen Menschen, zwischen Herrschern und Untergebenen und sogar zwischen Menschen Kräften dieser Welt.

01:02:55: Es gibt sogar paar weise hergestellte Trinkefeste, sogenannte Keros die genau zu solchen gemeinsamen Trink-Situationen gehören.

01:03:02: und damit sind wir eigentlich wieder an einem Punkt ankommen den wir in dieser Folge ständig haben.

01:03:07: bei denen Inka lassen sich Religion Politik und Alter kaum sauber voneinander trennen.

01:03:12: selbst ein Becher Maisbier kann gleichzeitig getränkt Rituale und Politik sein.

01:03:17: aber Wir Haben gerade noch etwas anderes erwähnt etwas sehr flauschiges Al Parkas.

01:03:23: Ich finde, nach Kinderopfern, Mummien und Schäler-Operation haben wir uns jetzt wirklich ein paar Alpakas verdient.

01:03:28: Alpakhas sind einfach wunderbar!

01:03:30: Alpakha's sind süß!

01:03:31: Alpaka's sind flauschig!

01:03:32: Man kann Alpaca-Wanderung machen... Alpacas sind einfach toll!

01:03:36: Und das fanden offensichtlich auch schon die Menschen in den Anden lange vor dem Inka.

01:03:40: Denn südamerikanische Kameliten werden dort bereits seit mehreren Jahrtausenden von Menschen gehalten und gezüchtet Wobei die Geschichte der Domestikation wahrscheinlich etwas komplizierter ist, als man lange angenommen hat.

01:03:53: Vereinfacht kann man sagen, dass Alpaka stammt hauptsächlich vom Wilmen Vicunja ab und das Lama dagegen hauptptsächlich von Guanaco.

01:04:02: Und damit haben wir zwei Tiere, die zwar gerne miteinander verwechselt werden aber unterschiedliche Aufgaben hatten.

01:04:07: Lamas waren vor allem die Lasttiere der Anden.

01:04:09: Alpakas dagegen wurden insbesondere wegen ihrer Fasern gezüchtet.

01:04:13: Diese Faseren sind unglaublich weich!

01:04:16: sehr feine Textilien waren bei den Inka echte Prästischeobjekte.

01:04:20: Die besten Stoffe wurden von spezialisierten Weberinnen und Webern hergestellt, konnten ein Statussymbol dienen, verschenkt werden, Teil diplomatischer Beziehungen sein oder bei Ritualen eine Rolle spielen.

01:04:32: Und noch exklusiver war das Vikuña.

01:04:35: Vikuñas wurden nicht einfach wie Alpakas in Herden gehalten – sie sind Wildtiere!

01:04:40: Und um an ihre unglaublich feine Wolle zu kommen, wurden sie bei sogenannten Chaku zusammengetrieben geschoren und anschließend wieder freigelassen.

01:04:48: Die feinsten Vikunia-Textilien waren mit der höchsten Elite verbunden.

01:04:53: Falls ihr euch jetzt denkt, naja, Wolla halt ... Nee!

01:04:56: Vikunya ist auch heute noch absurd teuer.

01:04:59: Ich hab das tatsächlich mal bei einer Alpaka-Wanderung gelernt und ich habe eben nochmal nachgeschaut.

01:05:04: Wenn ihr heute einen Mantel aus Vikúnia kaufen möchtet könnt ihr dafür problemlos mehr als zwanzigtausend Euro ausgeben.

01:05:11: Es gibt aktuell WQNIA-Mente, die vierundzwanzig tausend, fünfundzwantigtauend oder sogar über dreißigtaussend Euro kosten.

01:05:18: Ein Mantel!

01:05:20: Also ja, Luxusfaser trifft es ziemlich gut.

01:05:23: und dann kamen die Spanier Und die brachten natürlich ihre eigene Tiere mit, unter anderem Schafe.

01:05:29: Denn warum sollte man sich erst einmal anschauen welche Tiere und welche hochentwickelte Textilwirtschaft es bereits vor Ort gibt wenn man auch einfach einen Schaf mitbringen kann?

01:05:38: Schafe kannte man!

01:05:39: Schafe waren praktisch schafe machten wolle alles fein.

01:05:42: Mit der spanischen Eroberung brachen die traditionellen Strukturen der Kamelidenhaltungen also stark ein.

01:05:48: Europäische Nutztiere breiteten sich aus und Lamas und Alpakas wurden zunehmend in die höher gelegenen Regionen der Arten zurückgedrängt.

01:05:55: Aber verschwunden sind sie eben nicht, an die eine Gemeinschaft hielten weiterhin Lamas... ...und Alpakhas!

01:06:03: Denn diese Tiere waren hervorragend an den Bedingungen des Hochlands angepasst.

01:06:08: Sie lieferten Fleisch, sie lieferte Fasern, Lamas konnten Lasten tragen Und Kameliden spielten weiterhin eine wichtige kulturelle und rituelle Rolle.

01:06:17: Und deshalb haben wir Zum Glück heute immer noch Alpakas.

01:06:20: Und wenn ihr noch nie eine Alpaka Live gesehen habt, kann ich euch tatsächlich nur empfehlen macht mal einer Alpakawanderung!

01:06:26: Das ist unglaublich süß es macht sehr viel Spaß.

01:06:30: aber ich muss euch leider eine kleine Illusion nehmen.

01:06:32: Alpacas sehen sehr sehr kuschelig aus.

01:06:35: alpacas sind auch sehr sehr weich Aber alpaccas möchten deswegen noch lange nicht von euch geknuddelt werden.

01:06:41: Manchmal hat man Glück und erwischt eins das erstaunlich anschmiegsam ist.

01:06:45: Manchmal darf man auch ein bisschen kraulen, aber grundsätzlich sollte man akzeptieren wenn das Alpaka sagt Nein.

01:06:51: Wir sind hier Geschäftspartner!

01:06:53: Du hältst die Leine ich bin flauschig.

01:06:55: Das ist unsere Beziehung.

01:06:57: und damit sind wir tatsächlich am Ende unserer zweiten Folge über die Völker der Sonne angekommen.

01:07:03: Wir haben uns heute durch ein riesiges Reich bewegt.

01:07:06: Mit Cheskis über tausende Kilometer Straßen, wir haben Informationen in Kippus geknotet... ...wir waren im Cusco und im Curricancha,... ...wir haben uns mit Herrschermomien beschäftigt!

01:07:16: Wir haben festgestellt, dass Menschen in den Anden erstaunlich erfolgreich Löcher ins Schädel schneiden konnten.

01:07:21: Wir sind mit Kindern auf herrliche Berge gestiegen, wir hatten Kartoffeln gefriert getrocknet und Maisbier getrunken.... Und jetzt stehen wir am Ende bei einem Alpaka.

01:07:30: Das passt sogar erstaunlich gut, denn die Kamelinenfasern, die für die Inka so wichtig waren bringen uns wieder zurück an den Anfang dieser Folge zu den Kippos.

01:07:38: Denn auch Kippus wurden unter anderem aus Kamelidenfasan hergestellt.

01:07:43: Wir haben diese Folge also mit einem Chasky begonnen der Informationen durch das Reich trägt Informationen, die in Fasern gespeichert werden konnten und wir beenden sie bei den Tieren, die ein Teil dieser Faseren lieferten.

01:07:55: Damit haben wir diesen Kreis ja irgendwie geschlossen.

01:07:59: Und ich hoffe, ihr geht jetzt mit einem sehr kuscheligen Gefühl voller Alpakawolle aus dieser Folge heraus und wenn nicht macht eine Alpaka-Wanderung!

01:08:09: Wenn euch die Folge gefallen hat dann folgt meinem Podcast auch gerne auf der Plattform Eures Vertrauens Bewertet die Folge mit vom Stern oder schreibt einen Kommentar.

01:08:18: Und wenn ihr mich noch ein bisschen weiter unterstützen möchtet könnt ihr mir natürlich auch bei Kofi ein Getränk ausgeben – und zwar heute einen Chicha.

01:08:25: Darüber haben wir ja eben schon gesprochen.

01:08:28: Chicha ist das Maisbier, dass bei den Inka eine wichtige soziale und religiöse Rolle gespielt hat.

01:08:34: Und natürlich gibt es dazu noch einen kleinen historischen Funfact Denn eine traditionelle Methode zur Herstellung von Chicha Ist etwas gewöhnungsbedürftig.

01:08:45: Der Mais wurde nämlich gekaut und anschließend wieder in ein Gefäß gespuckt.

01:08:50: Ja deswegen wurde auch manchmal Spuckebier genannt Und tatsächlich hat das einen ziemlich praktischen Grund, denn unser Speichel enthält amylase.

01:09:00: Amylase ist ein Enzym, dass Stärke in kleinere Zucker aufspalten kann und genau diese Zucker können anschließend von Hefe vergoren werden.

01:09:09: Das Ankaun hilft also dabei aus dem stärkerhaltigen Mais überhaupt eine Grundlage für die Fermentation zu machen.

01:09:17: Allerdings wurde Chicha nicht immer überall auf exakt dieselbe Weise hergestellt.

01:09:21: Es gab unterschiedliche Verfahren Aber ja, Spuckebier hat es tatsächlich gegeben.

01:09:26: Und falls ihr jetzt sagt, Corinna ich möchte dich wirklich gerne unterstützen!

01:09:30: Weil ich möchte weder Alkohol noch Spucckebier dann habe ich eine Alternative, Chicha Morada.

01:09:36: Die wird aus Violettemeis hergestellt und dass heute ein alkoholfreies Getränk das eher in Richtung Limonade geht.

01:09:43: Violetta Meiss hat in den Anden eine sehr lange prikolumbische Geschichte.

01:09:47: Die heutige Chicha-Morada mit Früchten und Gewürzen sollten wir allerdings nicht einfach eins zu eins in die Inkerzeit zurück besetzen.

01:09:56: Aber sie ist lila, sie ist alkoholfrei und niemand muss meist dafür ein Gefäß spucken!

01:10:02: Also könnt ihr mir bei Kofi sehr gerne eine Chicha oder eine Chica Morada ausgeben?

01:10:07: Und damit sind wir tatsächlich am Ende unserer zweiten Folge über die Völker der Sonne angekommen.

01:10:12: Nächste Woche geht es dann in die dritte und letzte Folge dieser Reihe zu den Maya.

01:10:17: Und wenn ihr Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge habt dann folgt mir gerne auf Instagram unter Just Another Geschichtspotcast Oder schreibt mir eine Mail an just anothergeschichtspodcast at gmail.com und damit wünsche ich euch eine wunderschöne Woche bis zum nächsten Mal im Strudel der Geschichte und auf den Spuren der Maya!

01:10:40: Ciao.

01:10:41: Meine Hauptquellen für diese Folge waren das Buch Die Inka von Catherine Julian aus der CHBG Reihe, die Ausstellung The Great Inka Road Engineering and Empire of the Smithsonian National Museum Of American Indian.

01:10:57: Das kann ich sehr empfehlen sich anzugucken.

01:10:59: ist es richtig richtig toll also online anzuguckend?

01:11:03: da gibt's eine Online-Ausstellung Unter Deutschlandfunkbeitrag der vergessene Code der Inka im Reich der Knutenschmüre von Vera Pasche.

01:11:11: Vielen, vielen Dank und bis dann!

01:11:14: Ciao.

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