Recap durch die Geschichte Japans

Shownotes

2000 Jahre japanische Geschichte in einer Folge? Eine ziemliche Herausforderung – aber genau auf diese Reise nehmen wir euch heute mit.

Wie wurde aus einem lockeren Bündnis von Clans eine der faszinierendsten Nationen der Welt? Warum regierten plötzlich Samurai statt Kaiser? Weshalb schottete sich Japan über 200 Jahre fast vollständig von der Außenwelt ab? Und wie wurde aus einem feudalen Inselreich innerhalb weniger Jahrzehnte eine moderne Großmacht?

Gemeinsam reisen wir von den ersten Kaisern über Samurai und Shōgune, die Sengoku-Zeit und die Meiji-Restauration bis hin zum Zweiten Weltkrieg, Hiroshima und dem Japan der Gegenwart.

Zum Abschluss teile ich außerdem meine ganz persönlichen Eindrücke von meiner Reise nach Japan – einem Land, das für mich bis heute voller Gegensätze ist.

Eine Folge für alle, die Japan besser verstehen möchten – egal, ob sie sich schon lange für das Land interessieren oder gerade erst anfangen, seine Geschichte zu entdecken.


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Transkript anzeigen

00:00:06: Just another Geschichtsfokast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin.

00:00:14: Awe Salü und guten Tag, willkommen im Strudel der Geschichte!

00:00:19: Ich freue mich riesig dass ihr auch bei der zweiten Folge wieder dabei seid.

00:00:23: Bevor wir heute loslegen möchte ich mich erstmal ganz herzlich für die vielen lieben Nachrichten und das tolle Feedback zur ersten Folge bedanken.

00:00:33: Ein besonderes Dankeschön geht außerdem an Patrick für die ersten ISTs oder besser gesagt, die erste Coffeespende.

00:00:43: Vielen lieben Dank für deine Unterstützung!

00:00:47: Ihr habt mir aber nicht nur liebe Nachrichten geschickt sondern auch einige spannende Fragen gestellt und eine davon war warum im Zirkus Maximus eigentlich Delfine zum zählen der Runden verwendet wurden.

00:00:58: das habe ich tatsächlich noch einmal nachgeschlagen denn das wusste ich auch nicht und zwar als die schnellsten Tiere des Meeres und standen in enger Verbindung zu Neptun, beziehungsweise Poseidon.

00:01:11: Der auch als Schutzgott der Pferde-und Vagerinnenrennen verehrt wurde.

00:01:15: Deshalb passten Delfine natürlich hervorragend als Rundenzähler!

00:01:19: Eine andere Nachricht fand ich ebenfalls herrlich – das will ich euch nicht vorenthalten – da schrieb mir eine liebe Freundin, dass sie völlig überrascht war, dass ein römischer Rennwagen nur etwa dreißig Kilogramm gewogen hat.

00:01:31: Ihr Hund wiegt nämlich etwa ebenfalls ungefähr auch dreißig Kilo.

00:01:36: Also ist entweder der Hund ziemlich schwer oder der Rennwagen war wirklich unglaublich leicht, vermutlich trifft sogar beides ein bisschen zu und außerdem war ich diese Woche im Kino und habe die Odyssey gesehen.

00:01:48: falls ihr euch für die griechische Mythologie interessiert und begeistert kann ich euch den Film wirklich empfehlen.

00:01:54: Ich fand ihn unglaublich gut und wunderbar gemacht.

00:01:57: Er hat mich auf jeden Fall so inspiriert, dass ich ziemlich sicher irgendwann auch noch eine Folge über Odysseus machen werde.

00:02:04: Heute geht es allerdings erstmal in eine ganz andere Richtung!

00:02:09: Ein lieber Hörer hat sich nämlich Japan gewünscht.

00:02:12: da er dieses wunderschöne Land dieses Jahr besuchen wird und weil ich selbst letztes Jahr mit einer Freundin dort unterwegs war und dieses Land mich unglaublich fasziniert dachte ich mir warum nicht gleich eine kleine Japan Reihe daraus machen?

00:02:25: Heute beginnen wir also mit einem Überblick über die Geschichte Japans als Grundlage für die nächsten Folgen.

00:02:33: Also tauchen wir ein in den Strudel der Geschichte!

00:02:42: Ein Archäologe kniet auf einer Ausgrabung im Japan, vorsichtig streicht er mit einem Pinsel Erde zur Seite.

00:02:51: Nach und nach kommen die Beigaben eines längst verstorbenen Herrschafts zum Vorschein – eine eiserne Rüstung, vergoldete Bronzerschuhe, Kunstwolke arbeiteter Gold- und Silberschmuck.

00:03:04: Und schließlich eine prächtige Krone!

00:03:07: Für ihn ist schnell klar – dieses Grab stammt aus der Kofunzeit also etwa aus dem vierten oder fünften Jahrhundert nach Christus, also unserer Zeitrechnung.

00:03:17: Benannt ist diese Epoche nach den riesigen Schlüsselochfirmen Grappügeln, den Kofoon die noch heute die Landschaft Japans priegen.

00:03:25: Über diese Zeit wissen wir erstaunlich wenig.

00:03:28: Die Menschen in Japan hinterließen kaum eigene Schriftquellen.

00:03:32: Vieles, was wir heute wissen, stammt aus archäologischen Funden oder aus späteren chinesischen und koreanischen Berichten.

00:03:40: Deshalb beginnen wir unsere Reise nicht hier sondern gut hundert Jahre später im sechsten Jahrhundert.

00:03:47: Zu dieser Zeit verändert sich Japan grundlegend.

00:03:51: Über Korea gelangen immer mehr Händler Handwerker und Gelehrte auf die japanischen Inseln.

00:03:57: Korea wird zur kulturellen Brücke zwischen China und Japan.

00:04:01: Mit ihnen kommen neue Bautechniken, medizinisches Wissen, Musik, Schrift und eine Religion die Japan nachhaltig prägen wird – der Buddhismus.

00:04:11: Bis weiterhin war der Shinto mit seinen Kamii die vorherrschende Religion.

00:04:16: Der Tenno galt als den Nachfahre der Sonnengöttin Amaterasu und leitet daraus seine besondere Stellung ab.

00:04:24: Um das Jahr sixhundert fördert der Regent Prinz Shōtoku, dem Buddhismus gezielt.

00:04:31: Er macht ihn zwar nicht zur alleinigen Staatsreligion – der Shinto bleibt weiterhin bestehen – doch der Buddhismus wird zum ersten Mal aktiv vom Staat unterstützt.

00:04:41: Damit beginnt eine Entwicklung die Japan für Jahrhunderte verändern

00:04:44: wird.".

00:04:50: Es ist das Jahr sechshundertsechs und vierzig.

00:04:53: Am Kaiserhof wird eine Entscheidung getroffen, die Japan grundlegend verändern soll — die sogenannten Taika-Reformen.

00:05:01: Also, die Reformen der großen Wende werden verkündet.

00:05:04: Ihr Ziel ist ehrgeizig!

00:05:06: Aus einem lockerer Bündnis mächtiger Adelsfamilien soll ein zentral regierter Staat entstehen.

00:05:12: Der erste Artikel dieser Reform hat es dabei besonders in sich.

00:05:16: Von nun an soll sämtlicher Grund und Boden unter der direkten Verwaltung des Kaisers also das Teno stehen.

00:05:23: Gleichzeitig wird beschlossen eine Hauptstadt als festen Regierungssatz einzurichten.

00:05:29: Doch damit nicht genug.

00:05:30: Es werden Volkszählungen angeordnet, das Land wird vermessen.

00:05:34: Steuerregister werden angelegt und schließlich entsteht ein völlig neues Steuersystem.

00:05:40: All das klingt für uns heute vielleicht selbstverständlich!

00:05:42: Für das damalige Japan war es jedoch eine kleine Revolution.

00:05:47: Schon einige Jahrzehnte zuvor hatte Prinz Regent Shotoku in seiner siebzehn Artikelverfassung die philosophischen Grundlagen eines geeinten Staates formuliert.

00:05:56: Die Taika-Reform gehen nur den nächsten Schritt aus.

00:05:59: seiner Idee wird Verwaltung.

00:06:02: Aus Idealen werden Gesetze.

00:06:05: Natürlich geschieht das nicht von heute auf morgen, es dauert fast fünfzig Jahre bis ein funktionierendes Verwaltungs- und Rechtssystem aufgebaut ist.

00:06:13: Erst um das Jahr sevenhundert eins kann man wirklich von einem zentral organisierten Staat sprechen.

00:06:19: Für die Bauern bedeutet diese Entwicklung tiefgreifende Veränderungen.

00:06:24: Bislang waren viele von ihnen den großen Adelsfamilien unterstellt.

00:06:28: Nun gelten sie als die direkten Untertanen des Tenno und wurden vom Staat erfasst und besteuert.

00:06:35: Auch der Adel verliert einen Teil seiner bisherigen Macht, statt seine Einkünfte aus eigenem Land zu ziehen erhält der Beamtenadeln nun Vergütungen vom Kaiserhof.

00:06:45: Mit anderen Worten?

00:06:46: Die Macht wandert Stück für Stück zum Kaiser.

00:06:49: Währenddessen wurde der neue Staat immer weiter ausgebaut.

00:06:53: Das Land wurde in Provinzen gekliedert an deren Spitze vom Kaiser ernannte Gouverneure standen.

00:06:59: Die Steuern der Bauern finanzierten den Hof, die Verwaltung und den Ausbau des Reiches.

00:07:04: Auch der Buddhismus spielte dabei eine immer größere Rolle.

00:07:08: In jeder Provinz entstanden buddhistische Tempel.

00:07:12: Sie waren nicht nur religiöse Zentren sondern entwickelten sich zunehmend auch zu politischen und wirtschaftlichen Machtfaktoren.

00:07:19: Das zeigte sich besonders eindrucksvoll im achten Jahrhundert.

00:07:23: Der Münch Dukyo gewann einen so großen Einfluss auf Kaiserin Shotoku, dass sie ihn beinahe selbst zum Tenno erhoben hätte.

00:07:32: Ein Schinto-Orake soll sich jedoch davon abgehalten haben.

00:07:36: Ob diese Geschichte genau so passiert ist oder später ausgeschmückt wurde lässt sich heute schwer beurteilen.

00:07:43: Sie zeigt aber sehr deutlich wie groß der politische Einfluß der buddhistischen Klöster inzwischen geworden war.

00:07:51: Religion war nun längst nicht mehr nur eine Frage des Glaubens.

00:07:55: Sie war auch eine Frage der Macht.

00:08:02: Wir befinden uns im Jahr sevenhundertvierneunzig in Hayankyo, der Hauptstadt des Friedens.

00:08:08: Die Straßen sind noch ruhig.

00:08:10: Händler öffnen langsam ihre Läden aus den Tempeln, erklingen die ersten Gebiete und am Kaiserhof wird eine Entscheidung getroffen, die die Geschichte Japans für mehr als tausend Jahre prägen wird.

00:08:22: Herr Sakamu beschließt, die Hauptstadt endgültig nach Hayankyu zu verlegen Und dieses Mal soll sie bleiben.

00:08:30: Bislang war der Kaiserhof immer wieder umgezogen, starb ein Tenno, galt seine Residenz nach damaligem Glauben als verunreinigt – deshalb wurde ein neuer Regierungssitz errichtet.

00:08:41: So zog der Tempel innerhalb weniger Jahre von Asuka nach Nara zurück und weiter.

00:08:55: Mit Kaisa Kanmu änderte diese jahrhundertalte Tradition.

00:08:59: Hayan Kyō, das heutige Kyoto wird zur heik- keiserlichen Hauptstadt Japans und bleibt es für mehr als tausend Jahre.

00:09:07: Kanmu selbst gilt als einer der bedeutendsten Herrscher in die japanischen Geschichte.

00:09:12: Als er siebenhundertundachtzig den Thron besteigt gelingt es ihm, die kaiserliche Zentralgewalt noch einmal entscheidend zu stärken.

00:09:20: Auch seine Söhne können zunächst unangefochten regieren!

00:09:24: Genau hier beginnt eine Entwicklung, die typisch für die japanische Geschichte werden sollte.

00:09:29: Denn obwohl der Tenno weiterhin das Oberhaupt des Reiches bleibt, wandert die tatsächliche politische Macht immer häufiger in andere Hände.

00:09:38: Die Haiyan-Zeit lässt sich deshalb grob in drei Abschnitte unterteilen.

00:09:44: In der ersten Phase besitzt der Kaiser noch die unangefochten und politische Macht.

00:09:49: In der zweiten Phase übernimmt jedoch eine einzige Adelsfamilie Schritt für Schritt die Kontrolle Die Familie der Fujiwara.

00:09:57: Sie besetzt die wichtigsten Ämter, verheiratet ihre Töchter mit der Kaiser-Familie und lenkt die Politik oft aus dem Hintergrund.

00:10:05: Und schließlich beginnt die dritte Phase.

00:10:08: Selbst die Fujivara verlieren langsam ihren Einfluss.

00:10:11: Der Kaiser gewinnt seine alte Macht jedoch nicht zurück.

00:10:15: Stattdessen entsteht eine ungewöhnliche Form der Herrschaft.

00:10:18: Abgedankte Kaiser ziehen sich offiziell in buddhistische Klöster oder private Residenzen zurück.

00:10:24: Tatsächlich bestimmen sie von dort aber weiterhin die Politik und setzen ihre oft noch jungen Söhne als Tenor auf den Thron.

00:10:31: Nach außen regiert also der Kaiser, im Hintergrund ziehen häufig andere die Fäden.

00:10:40: Während sich die Machtverhältnisse am Hof verändern verändert sich auch das Land selbst.

00:10:45: Zu Beginn gehörte der Boden offiziell dem Kaiser doch mit der Zeit entsteht immer mehr privater Grundbesitz.

00:10:52: Mächtige Familien bauen ihre eigenen Ländereien auf, die sie vererben können.

00:10:59: Dadurch werden sie wirtschaftlich immer unabhängiger vom Kaiserhof.

00:11:03: Die Macht verlagert sich langsam von der Hauptstadt in die Provinzen.

00:11:07: Genau hier liegen die Wurzeln der späteren Samurai-Herrschaft.

00:11:12: Gleichzeitig könnten die Unterschiede innerhalb eines Landes kaum größer sein.

00:11:17: Am Hof von Haianquio entwickelt sich eine der elegantesten Kulturen der Welt.

00:11:23: Gedichte werden geschrieben Musik erklingt aufwendige Gewänder bestimmen das höfische Leben.

00:11:29: Und besonders bemerkenswert ist dabei die Rolle der Frauen.

00:11:33: Im zehnten und elften Jahrhundert entstehen einige der bedeutendsten Werke der japanischen Literatur aus der Feder von Hofdarm.

00:11:41: Das berühmte Beispiel ist wohl die Geschichte des Prinzen Genji, die häufig sogar als der erste moderne Roman der Welt bezeichnet wird.

00:11:50: Während also in Kyoto Gedichte geschrieben und Literatur geschaffen wird sieht das Leben in den Provinzen völlig anders aus.

00:11:57: Dort sichern bewaffnete Adelsfamilien ihre Länder rein, bekämpfen Aufstände und verteidigen die Grenzen des Reiches.

00:12:05: Hier zählt nicht Eleganz hier zählen Waffen, Loyalität und militärisches Können.

00:12:12: doch beide Welten existieren lange Zeit nebeneinander Doch am Ende setzt sich eine von ihnen durch.

00:12:26: Gegen Ende des zwölften Jahrhunderts beginnt schließlich ein neues Kapitel der japanischen Geschichte, die Zeit der Samurai.

00:12:34: Es rauscht leise im Wind.

00:12:36: vor uns liegen endlose Reisfelder.

00:12:39: Die Ernte verspricht gut zu werden.

00:12:41: Auf einem Gutshof stehen mehrere bewaffnete Männer.

00:12:44: An ihrer Hüfte tragen sie zwei Schwärter das Zeichen der Samurai.

00:12:50: Noch wissen Sie nicht dass Ihre Familien die Geschichte Japanst für den nächsten Jahrhunderte bestimmen werden.

00:12:55: Die Gemänner gehören zum Klaren der Taira.

00:12:58: Doch sie werden nicht die einzigen bleiben, nach ihnen werden die Minamoto, die Hojo und schließlich die Ashikaga, die Geschichte Japans lenken.

00:13:08: Diese Männer nennt man Azumabito, die Männer des Ostens.

00:13:12: Sie stammen nicht aus den Feinkreisen des Kaiserhofs in Kyoto.

00:13:16: Sie schreiben keine Gedichte.

00:13:17: Sie verbringen ihre Tage nicht mit Musik oder Kalligraphie.

00:13:21: Ihr Leben besteht aus Reiten, Kämpfen und der Verteidigung der Grenzen des Reiches.

00:13:26: Genau dort fern der Hauptstadt bauen sie ihren Einfluss aus Denn während am Kaiserhof weiterhin prachtvolle Zeremonien stattfinden entsteht draußen in der Provinz eine völlig neue Macht.

00:13:37: Nicht mehr Herkunft allein entscheidet sondern Landbesitz militärische Stärke Und die Loyalität der eigenen Gefolgsleute.

00:13:45: An die Stelle der kaiserlichen Zentralgewalt tritt Schritt für Schritt, der Herrschaftsanspruch mächtiger Kriegerfamilien.

00:13:51: Mit den Samurai verändert sich nicht nur wer regiert Es verändert sich auch warum jemand hier regiert Nicht mehr.

00:13:59: die Nähe zum Kaiserhof entscheidet über Macht Sondern Landwaffen und loyale Gefolgsleute.

00:14:06: Schließlich geraten zwei dieser Familien aneinander Die Tahira Und die Minamoto.

00:14:11: Nach langen Kämpfen setzen sich zunächst die Tahira durch.

00:14:14: Ihr Anführer Tahirano Kiyomori steigt zum mächtigsten man Japans auf.

00:14:21: Er kontrolliert den Kaiserhof, besitzt Hunderte von Gütern und baut den Handel mit China massiv aus.

00:14:27: Eigentlich scheint seine Herrschaft unantastbar doch dann begeht Kiyo Mori einen Fehler er verschont die besiegten Minamoto und schickt sie lediglich ins Exil eine Entscheidung die ihn später teuer zu stehen kommen wird denn gemeinsam mit dem abgedanken Kaiser Goho Shirakawa sammeln die Minamoto neue Kräfte.

00:14:47: Es kommt zum Krieg, diesmal mit umgekehrtem Ausgang.

00:14:51: Die Taira werde vernichtend geschlagen.

00:14:56: An ihre Stelle tritt Minamoto nur Yoritomo.

00:15:00: Vom Teneteno erhält er den Titel Shogun.

00:15:04: Ursprünglich war das lediglich ein militärischer Ehrentitel.

00:15:09: Unter Yuritono verändert er jedoch seine Bedeutung grundlegend.

00:15:13: Von nun an ist der Shogun der tatsächliche politische Herrscher Japans.

00:15:18: Der Kaiser bleibt weiterhin das geistige und zeremonielle Oberhaupt, die wirkliche Macht liegt nun beim Militär.

00:15:26: Yoritomo schafft den Kaiserhof übrigens nicht ab.

00:15:30: Stattdessen baut er daneben seine eigene Regierung auf – dass Bakufu wörtlich die Zeltregierung.

00:15:37: Damit beginnt eine völlig neue Epoche der japanischen Geschichte.

00:15:42: Nach Juritomus Tod übernehmen zunächst seine Söhne den Tide des Shogun, doch beide sterben früh.

00:15:50: Die eigentliche Macht geht deshalb auf eine mit dem Minamoto verbündete Familie über – die Hojo.

00:15:57: Sie regieren im Hintergrund als Regenten der Shogune.

00:16:01: Wie mächtig sie inzwischen geworden sind zeigt ein Konflikt mit dem Kaiser selbst.

00:16:06: Als der abgedankte Kaiser Gotoba versucht ihren Einfluss einzuschränken schlagen die Hojo seine Truppen vernichtend.

00:16:13: Gotoba wird auf eine abgelegene Insel verbannt, spätestens jetzt ist klar nicht mehr der Kaiser bestimmt die Politik sondern die Militärregierung.

00:16:23: Eine der beeindruckenden Persönlichkeiten dieser Zeit ist übrigens eine Frau Hojo Masako.

00:16:30: Nach dem Tod ihres Mannes hält sie die Familie zusammen und beeinflusst über Jahrzehnte die Politik Japans.

00:16:37: Sie gilt bis heute als eine der außergewöhnlichsten Frauen der japanischen Geschichte.

00:16:42: Doch die größte Gefahr für die Hōjū kommt nicht aus Japan, sie kommt vom Festland.

00:16:48: Im dreizehnten Jahrhundert beherrscht Kublaikan bereits China.

00:16:52: nun fordert er auch Japan zur Unterwerfung auf.

00:16:55: Mehrfach lehnt das Bakufu ab.

00:16:58: Schließlich landen mongolische Truppen auf Kyushu.

00:17:01: Die Samurai können sie zunächst aufhalten.

00:17:04: Fünf Jahre später folgt ein noch größerer Angriff.

00:17:07: Doch bevor die Invasion erfolgreich werden kann, zieht ein gewaltiger Telfun über die Flotte hinweg.

00:17:12: Tausende Schiffe werden zerstört.

00:17:15: Zehntausende Soldaten sterben.

00:17:17: Japaner sind darin wörtlichen Beistand!

00:17:20: Sie nennen diesen Sturm Kamikaze – den göttlichen Wind.

00:17:26: Doch der Sieg hat einen Preis.

00:17:30: Der Sieg über die Mongolen rettete Japan zwar doch ausgerechnet dieser Sieg brachte das Kamakura Shogunate in eine Krise.

00:17:38: Normalerweise wurden Samurai nach einem erfolgreichen Feldzug mit Land belohnt, Mit den Besitzungen der besiegten Gegner.

00:17:45: Doch gegen die Mongolen funktioniert dieses System nicht.

00:17:48: Es gab keine eroberten Güter Keine neuen Ländereien, keine Beute.

00:17:52: Die Samurai hatten ihr Leben riskiert ohne dafür entlohn zu werden.

00:17:57: Die Unzufriedenheit wuchs und sie richtete sich schließlich gegen die Hojo.

00:18:03: Diese Situation nutzt Kaiser Go Daigo.

00:18:06: Er möchte die Macht des Shogunats brechen und die politische Herrschaft des Kaisers wiederherstellen.

00:18:12: Gemeinsam mit den Familien Ashikaga und Nitta zieht er gegen die Hojo in den Krieg, dreizehnhundertdreiunddreißig Feldkammerkura Die Herrschaft der Hojo endet.

00:18:22: Go Daigo glaubt nun endlich wieder selbst regieren zu können doch seine Verbündeten verfolgen eigene Ziele allen voran Ashikagatakauji.

00:18:32: Nur wenige Jahre später erhebt auch er sich gegen den Kaiser und gründet ein neues Schokolad.

00:18:39: Damit beginnt die Moromachi-Zeit.

00:18:48: Doch Ruhe kehrt nicht ein, ganz im Gegenteil!

00:18:52: Japan erlebt nun eine Zeit in der es zeitweise sogar zwei Kaiserhöfe gibt – einen in Kyoto und einem im Süden des Landes – beide beanspruchen den Thron für sich.

00:19:02: Dieses Schissmar schwächt die Autorität des Kaiserhauses zusätzlich.

00:19:07: Den endgültigen Zusammenbruch bringt schließlich der Oninkrieg.

00:19:11: Was zunächst als Erbstreit beginnt, entwickelt sich zu einem jahrelangen Bürgerkrieg.

00:19:16: Kyoto wird verwüstet – das Ashikaga Shogunate verliert jede Kontrolle über das Land und damit beginnt eine der berühmtesten Epochen der japanischen Geschichte die Sengoku-Zeit Zeit der streitenden Reiche.

00:19:30: Japan ist nun kein geeinter Staat mehr.

00:19:34: Es gleicht einem Flickenteppich aus hunderten Herrschaftsgebieten.

00:19:37: Jeder Daimo kämpft gegen sein Nachbarn.

00:19:40: Bündnisse entstehen Bündnisse zerbrechen, Kriege werden geführt und während Japan im Inneren zerfällt tauchen plötzlich neue Besucher an seinen Küsten auf.

00:19:50: Portugiesische Händler erreichen das Land.

00:19:52: Mit ihnen kommen nicht nur christliche Missionare sondern auch etwas dass die Kriegsführung grundlegend verändern wird Feuerwaffen.

00:20:01: Gleichzeitig entstehen trotz aller Kriege neue Handelsbeziehungen zwischen den Regionen.

00:20:06: selbst im Chaos entwickelt sich das land weiter.

00:20:10: Erst gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts zeichnet sich langsam ein Ende dieser jahrzehnte Langkämpfe ab.

00:20:16: Und dieses Ende ist untrennbar mit drei Männern verbunden, den sogenannten Drei Reichseinern Japans.

00:20:23: Der erste ist Oda Nobunaga Ein vergleichsweise unbedeutender Daimyo aus der Provinzovari.

00:20:31: Durch militärisches Talent geschickte Bündnisse und enorme Rücksichtslosigkeit steigt er zu einem der mächtigsten Männer Japans auf.

00:20:39: Er wird der mächtigste der Daimyo.

00:20:41: Nach seinem Tod übernimmt sein engster Vertrauter, Toyotomi Hideyoshi.

00:20:48: Anders als Nobunaga entstammt Hideyoshii nicht aus einer Adelsfamilie – er beginnt seine Laufbahn als einfacher Soldat.

00:20:57: Durch außergewöhnliches diplomatisches Geschick gelingt ihm schließlich die Einigung fast ganz Japans.

00:21:03: Sein größter Fehler ist allerdings der Versuch Korea zu erobern!

00:21:07: Fünfzehnhundertzweierneunzig beginnt seine Invasion.

00:21:11: Sie kostet hunderttausenden Menschen das Leben und endet letztlich ohne Erfolg.

00:21:16: Manche Historiker vermuten sogar, dass Hideyoshi den Feldzug auch deshalb führte um unruhe Samurai außer Landes zu beschäftigen.

00:21:24: Ob das tatsächlich sein Motiv war lässt sich heute allerdings nicht mit Sicherheit sagen.

00:21:30: Im Inneren setzte Hideyoshii stärker auf Diplomatie und Verwaltung als Nobunaga.

00:21:34: Seine Feldzüge in Korea zeigen allerdings, dass er auch zur äußerste Gewalt bereit war.

00:21:40: Nach Hideyoshi's Tod entscheidet sich schließlich eine einzige Schlacht über die Zukunft Japans.

00:21:47: Tokugawa Ieyasu setzt sich gegen seine rivalen durch und mit seinem Sieg beginnt eine völlig neue Epoche – Die Edo-Zeit.

00:22:01: Es ist still!

00:22:02: Im Hafen schaukeln nur wenige Schiffe auf den Wellen Fremde Gesichter sieht man kaum noch.

00:22:08: Viele Kinder wachsen auf, ohne jemals einen Europäer gesehen zu haben.

00:22:13: Japan hat seine Tore geschlossen – nicht vollständig aber fast!

00:22:18: Tokugawa ihr ja so hat erkannt dass der Einfluss Europas wächst.

00:22:23: Mit den Händlern kam Missionare.

00:22:25: immer mehr Menschen bekennen sich zum Christentun.

00:22:28: Für das Shogunat ist das keine neue Religion sondern eine mögliche Gefahr für die eigene Herrschaft.

00:22:35: Deshalb wird es Christentum verboten.

00:22:37: Wer sich weigert abzuschwören, frisst jetzt sein Leben.

00:22:41: Um sicher zu gehen dass niemand heimlich Christ geblieben ist müssen die Menschen regelmäßig auf kleine Bronzeplatten mit Darstelleruf von Maria oder Jesus treten sogenannte Fumier.

00:22:51: Wer sich Weigert macht sich verdächtig.

00:22:54: wer drauf tritt beweist seine Loyalität gegenüber dem Staat.

00:22:58: Japan schottet sich zunehmend von der Außenwelt ab.

00:23:01: an der Spitze des Landes steht weiterhin der Tenno doch regiert wird weiterhin vom Chogun.

00:23:08: Der Kaiser bleibt in Kyoto und erfüllt vor allem religiöse und zeremonielle Aufgaben.

00:23:13: Die politische Macht liegt in Edo beim Tokugawa Shogun, unter ihm stehen rund zweihundertfünfzig Damio jeweils ihre eigenen Herrschaftsgebiete verwalten.

00:23:23: Damit dieses System funktioniert kontrolliert das shogunat seine Unterthahn sehr genau.

00:23:29: die Gesellschaft wird in vier große Gruppen eingeteilt Samurai Bauern Handwerker und Kaufleute.

00:23:36: Ein Wechsel Zwischen diesen Gruppen ist kaum möglich.

00:23:40: Doch im Alltag ist die Wirklichkeit deutlich komplizierter.

00:23:44: Der soziale Status hängt nicht nur vom Stand ab, sondern auch vom eigenen Ansehen innerhalb der Dorfgemeinschaft oder der Stadt.

00:23:51: Familien übernehmen Verantwortung füreinander.

00:23:54: Mehrere Haushalte bilden Nachbarschaften.

00:23:57: Wer gegen die Regeln verstößt verliert oft nicht nur sein Ansehen, sondern im schlimmsten Fall auch den Schutz der Gemeinschaft.

00:24:07: Stimmt das allerdings nicht.

00:24:09: Mit den Niederlanden bleibt der Handel bestehen.

00:24:12: Allerdings dürfen die niederländischen Kaufleute das Land nur über eine winzige künstliche Insel betreten, Dejima bei Nagasaki.

00:24:21: Dort gelangen auch westliche Bücher und wissenschaftliche Erkenntnisse nach Japan.

00:24:25: Diese Studien werden als Rangaku – Die Hollandkunde bekannt.

00:24:30: Auch mit Korea Den Ryokyu-Inseln Und den Ainu besteht weiterhin begrenzte Kontakte.

00:24:37: Japan ist also nicht völlig isoliert, es entscheidet lediglich selbst wer Zugang erhält.

00:24:43: Gerade weil im inneren Frieden herrscht verändert sich das Leben der Menschen grundlegend.

00:24:48: Die Städte wachsen immer mehr.

00:24:50: Samurai ziehen nach Edo Handel und Handwerk florieren Kaufleute werden reich obwohl sie offiziell den niedrigsten Stand bilden.

00:24:58: Es entstehen neue Theaterform wie das Kabuki Holzschnittel des Ukiue zeigen das Leben.

00:25:05: Die Tizeremonie, das No-Theater und die höfische Kultur bestehen weiter.

00:25:11: Gleichzeitig entwickelt sich eine lebendige städtische Kultur, die bis heute das Bild Japans prägt – doch jede Abschottung hat ihre Grenzen!

00:25:21: Seit dem Ende des achzehnten Jahrhunderts versuchen westliche Mächte immer häufiger Japan zur Öffnung zu bewegen.

00:25:35: Die schwarzen Schiffe.

00:25:37: An ihrer Spitze steht der Commodore Matthew Perry, erfordert Handelsverträge und die Öffnung japanischer Hefen.

00:25:45: Ein Jahr später kehrt er mit einer noch größeren Flotte zurück.

00:25:48: Dem Druck kann das Shogunate nicht länger standhalten.

00:26:05: Ist das eine Demütigung?

00:26:07: Im ganzen Reich verbreitet sich ein neuer Ruf.

00:26:12: Sonu Joi, verehrt den Kaiser, vertreibt die Barbaren!

00:26:17: Das Tokugawa Shogunate verliert immer mehr Rückhalt und schließlich endet nach mehr als zweieinhalb Jahrhunderten seine Herrschaft.

00:26:39: An Bord befinden sich keine Händler, keine Soldaten, keine Missionare sondern Politiker, Beamte und Gelehrte.

00:26:48: Ihr Ziel liegt tausende Kilometer entfernt Europa und Nordamerika.

00:26:53: Ihre Aufgabe ist ungewöhnlich.

00:26:56: Wir sollen beobachten lernen verstehen.

00:26:59: Warum sind die westlichen Staaten so erfolgreich?

00:27:02: Wie funktionieren ihre Schulen, ihre Fabriken, ihre Armeen, ihre Verwaltungen?

00:27:08: Diese Reise geht als Iwakura-Emission in die Geschichte ein.

00:27:13: Sie zeigt, wie grundlegend sich Japan verändert hat Denn noch wenige Jahre zuvor hatte das Land versucht möglichst wenig Kontakt zum Westen zuzulassen.

00:27:23: Jetzt schickt es seine glücksten Köpfe hinaus in die Welt um von ihr zu lernen.

00:27:35: Nach Jahrhunderten der Shurune steht der Kaiser nun wieder im Mittelpunkt des Staates.

00:27:40: In der Praxis regieren allerdings vor allem ehemalige Samurai, die sogenannten Meiji-Oligarchien.

00:27:47: Sie treiben den Umbau Japans mit erstaunlicher Geschwindigkeit voran.

00:27:51: Innerhalb weniger Jahrzehnte verändert sich das Land grundlegend.

00:27:55: Das alte Ständesystem wird abgeschafft Eine allgemeine Schulpflicht wird eingeführt Steuern werden nicht länger in Reis sondern in Geld bezahlt Eine moderne Werflichtarmee entsteht, Straßen, Eisenbahn, Fabriken und Behörden werden aufgebaut.

00:28:10: Japan möchte den westlichen Staaten nicht mehr hinterherlaufen.

00:28:13: Es möchte ihnen auf Augenhöhe begegnen.

00:28:16: Dabei schaut man ganz bewusst ins Ausland.

00:28:19: Die Mitglieder der Iwakura-Mission untersuchen verschiedene Staaten Und überlegen welche Ideen sich für Japan eignen.

00:28:26: Besonders stark orientiert sich Japan schließlich am Deutschen Kaiserreich.

00:28:30: Unter anderem übernimmt das große Teile des deutschen bürgerlichen Gesetzbuches und gestaltet Verwaltung und Verfassung nach europäischen Vorbildern.

00:28:39: Aus einem feudalen Inselreich entsteht innerhalb weniger Jahrzehnte eine moderne konstitutionelle Monarchie, eine Entwicklung für die andere Länder oft Jahrhunderte gebraucht haben.

00:28:50: Natürlich verläuft dieser Wandel nicht ohne Widerstand.

00:28:57: ehemalige Samurai kämpfen gegen die neue Ordnung, sie verlieren.

00:29:01: Und mit ihrer Niederlage endet endgültig das alte feudale Japan.

00:29:06: Japan wird zur Großmacht.

00:29:09: Vor gerade einmal fünfzig Jahren hatte Japan seine Tore zur Welt geöffnet – jetzt blickt die Welt auf Japan!

00:29:16: Die Reform der Meiji-Zeit zeigen Wirkung.

00:29:19: Fabriken entstehen, Eisenbahnen verbinden das Land eine moderne Industriewechst heran.

00:29:25: Auch das Militär wird nach westlichem Vorbild aufgebaut Und innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelt sich Japan von einem abgeschotteten Inselstadt zu einer der stärksten Mächte Asiens.

00:29:35: Das zeigt sich besonders auf dem Schlachtfeld.

00:29:52: Zum ersten Mal in der Neuzeit besiegt damit ein asiatischer Staat eine europäische Großmacht.

00:29:58: Für viele Menschen in Asien wird Japan zum Symbol dafür, dass westliche Mächte nicht unbesiegbar sind.

00:30:05: Doch dieser Erfolg hat eine Kehrseite – Japan übernimmt nun selbst die Rolle einer imperialistischen Großmacht.

00:30:19: Auch in der Manchorei baut Japan seinen Einfluss immer weiter auf.

00:30:24: Die moderne Industrienation beginnt, sich selbst ein Kolonialreich aufzubauen.

00:30:34: Als nördnachundhundertvierzehn der Erste Weltkrieg beginnt stellt sich Japan auf die Seite der Entraunt.

00:30:40: Es nutzt den Krieg um deutsche Kolonien im Pazifik sowie den deutschen Stützpunkt Kyaotzu und China zu übernehmen.

00:30:47: Nach Kriegsende darf Japan viele dieser Gebiete behalten.

00:30:50: Auf den ersten Blick scheint das Land auf dem Höhepunkt seiner Macht angekommen zu sein, doch unter der Oberfläche wächst die Unzufriedenheit.

00:31:01: Bei den Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg möchte Japan als gleichgerechtigte Großmacht anerkannt werden.

00:31:08: Unter anderem schlägt japanische Delegation vor, den Grundsatz der rassischen Gleichberechtigung in die Satzung des Völkerbundes aufzunehmen.

00:31:17: Der Vorschlag findet zwar viel Zustimmung wird letztlich aber nicht angenommen.

00:31:22: In Japan empfinden viele Menschen dies als Demütigung.

00:31:26: Hinzu kommt, dass westliche Staaten Japan zweitere Expansionspläne in China ablehnen.

00:31:32: Immer mehr Menschen gewinnen den Eindruck der Westen akzeptiert Japan nur so lange wie es seinen eigenen Interessen dient.

00:31:40: Nach dem Tod Kaiser Mutschio Tos beginnt neunzehundertzwölf die Taisho-Zeit.

00:31:47: Da Kaiser Yoshihito gesundheitlich stark eingeschränkt ist Gewinnparlament und Parteien zunächst an Einfluss.

00:31:54: Es scheint, als könne sich Japan zu einer parlamentarischen Monarchie entwickeln.

00:31:59: Doch diese Entwicklung hält nicht lange an.

00:32:01: In der Jahr neunzehntelundzwanzig erschüttert das große Kranto-Erdbeben in Tokio und Yokohama.

00:32:08: Millionen Menschen verlieren ihr Zuhause.

00:32:11: Nur wenige Jahre später trifft die Weltwirtschaftskrise auch Japan mit voller Wucht.

00:32:17: Arbeitslosigkeit Armut und politische Unsicherheit nehmen zu.

00:32:22: Gerade in solchen Krisenzeiten gewinnen radikale Bewegungen an Zustimmung.

00:32:28: Ninzenhundertsechsundzwanzig besteigt Hirohito den Thron, unter seiner Herrschaft gewinnen ultranationalistische und militärische Gruppen immer mehr Einfluss.

00:32:38: Der Tenno wird zum Mittelpunkt einer Staatsideologie erklärt.

00:32:42: Seine göttliche Abstammung wird politisch instrumentalisiert.

00:32:45: Kritische Stimmen werden verfolgt.

00:32:48: Das Militär handelt zunehmend eigenständig, teilweise sogar ohne Zustimmung der Regierung.

00:32:54: Bereits Anfang der neunzehntretziger Jahre marschieren japanische Truppen in der Manscherei ein.

00:33:00: Neunzehnhundertsechsunddreißig scheitert zwar einen Putschversuch nationalistischer Offiziere doch paradoxerweise stärkt auch dieser die Stellung des Militäres.

00:33:10: Neunsundhundertvierzig existierte mehr Parteienstaat praktisch nicht mehr.

00:33:15: Stattdessen wird das politische Leben in einer Einheitsorganisation zusammengefasst.

00:33:20: Japan entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem autoritären Militärstaat.

00:33:26: An dieser Stelle fällt eine Entwicklung auf, die vielen von euch vielleicht bekannt vorkommt.

00:33:31: Auch in Deutschland führen Wirtschaftskrise, politische Radikalisierung und nationalistisches Denken in den neunzenhundertreißiger Jahren zum Abbau demokratischer Strukturen.

00:33:41: In beiden Ländern entstehen autoritäre Systeme Oppositionelle Stimmen werden unterdrückt und Staatssofiegesellschaft immer stärker gleichgeschaltet.

00:33:51: Trotz dieser Parallelen sollte man beide Entwicklungen aber nicht gleichsetzen, sie entstanden aus unterschiedlichen historischen Voraussetzungen und hatten jeweils eigene ideologische Wurzeln.

00:34:06: Nun kommen wir zu einem Kapitel der Geschichte das uns wahrscheinlich allen bekannt vorkommt – zumindest glauben Denn wenn wir in Deutschland vom Zweiten Weltkrieg sprechen, beginnt der Meister am ersten September neunzehundertneununddreißig mit dem Überfall auf Polen.

00:34:20: Für Japan sieht diese Geschichte allerdings ganz anders aus.

00:34:23: Dort beginnt den Krieg bereits neunzundneunzigunddreißig Mit einem Zwischenfall an der Makropolo-Brücke.

00:34:29: bei Peking entwickelt sich der zweite japanische chinesische Krieg und schon wenige Monate später zeigt sich wie brutal dieser Krieg geführt wird.

00:34:39: Nach der Einnahme, der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking verübeneinheiten der kaiserlich-japanischen Armee eines der schwersten Kriegsverbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:34:49: Das Masaka von Nanking fordert unzählige zivile Opfer.

00:34:54: Hinzu kommen Massenvergewaltigung und systematische Gewalt gegen die Bevölkerung.

00:34:59: Es ist eines der dunkelsten Kapitel der japanischen Geschichte.

00:35:04: In den folgenden Jahren rückt Japan immer enger an Deutschland und Italien heran.

00:35:09: Alle drei Staaten verfolgen expansive Ziele.

00:35:12: Alle drei setzen zunehmend auf militärische Gewalt.

00:35:32: Tatsächlich ersetzt Japan jedoch vielerorts lediglich die europäischen Kolonialmächte durch die eigene Herrschaft.

00:35:39: Auch dabei kommt es in den besetzten Gebieten zu zahlreichen Kriegsverbrechen, dazu gehören Zwangsarbeit, Menschenversuche und der Einsatz biologischer sowie chemischer Waffen.

00:35:51: Aus westlicher Sicht tritt Japan spätestens mit dem Angriff auf Pearl Harbor Ende nineteenhundertundvierzig endgültig in den Zweiten Weltkrieg ein.

00:36:00: Innerhalb weniger Monate erobert die japanische Amig-Rosseteile Südostasiens, die Philippinen, Burma, Indonesien, zahlreiche Inselgruppen im Pazifik.

00:36:10: Sogar Australien fühlt sich bedroht – es scheint als sei Japan kaum noch aufzuhalten!

00:36:16: Doch dieser Eindruck täuscht.

00:36:18: Im Juni, in der Schlacht um Midway verliert Japan vier Flugzeugträger.

00:36:26: Viele Historiker sehen darin den entscheidenden Wendepunkt des Pacific Krieges.

00:36:31: Kurz darauf folgt die verlustreiche Schlacht um Guadalcanal.

00:36:36: Von nun an geraten Japaner immer stärker in die Defensive, mit der sogenannten Island-Hopping-Strategie rücken die amerikanischen Streitkräftekräfte Insel für Insel näher an das japanische Kernland heran.

00:36:52: Da fallen auch Iwo Jima und Okinawa.

00:36:56: Der Krieg steht nun unmittelbar vor Japans Haustür.

00:37:00: Trotz der aussichtslosen Lage weigert sich die japanische Militärführung zunächst zu kapitulieren.

00:37:06: Am sechsten August neunzehntenhundfünfundvierzig fällt die erste Atombombe auf Hiroshima, drei Tage später trifft eine zweite Bombe Nagasaki.

00:37:15: Dazwischen erklärt am achten August auch die Sowjetunion Japan den Krieg und marschiert in der Manscherei ein.

00:37:21: Spätestens jetzt ist klar – Der Krieg ist verloren!

00:37:26: Am fünfzehnten August neunsundhundvierzzig geschieht schließlich etwas dass für die japanische Bevölkerung beinahe ebenso außergewöhnlich ist, wie das Kriegsende selbst.

00:37:35: Zum ersten Mal überhaupt hören Millionen Menschen die Stimme ihres Tenno.

00:37:40: Kaiser Hirohito wendet sich in einer Rundfunkansprache an sein Volk und erklärt, dass Japan den Krieg beenden wird.

00:37:49: Für viele Japaner ist dies ein historischer Moment.

00:37:52: Der Tenno galt Jahrhundertelangen als nah zu unnahbar.

00:37:56: Seine Stimme hatten die meisten Menschen noch nie gehört.

00:38:00: In Hiroshima wird dieser Moment bis heute erinnert.

00:38:03: Als ich dort das Friedensmuseum besucht habe, wurde genau diese Szene dargestellt.

00:38:08: Menschen knien auf den Straßen und lauschen der Radioübertragung.

00:38:12: Ob jeder einzelne Person tatsächlich gekniet hat lässt sich historisch natürlich nicht belegen aber das Bild macht deutlich welche Bedeutung dieser Augenblick für viele Menschen hatte.

00:38:28: Kann es nach so einer Zeit einen Neubild geben?

00:38:31: Ja Trotz aller Zerstörung beginnt für Japan nach nineteenhundertviertzig ein völlig neues Kapitel.

00:38:39: Unter amerikanischer Besatzung wird das Land demokratisch umgestaltet.

00:38:44: General Douglas MacArthur leitet umfangreiche Reformen ein, dass Militär wird aufgelöst eine neue Verfassung entsteht.

00:38:51: Japan verpflichtet sich zum Frieden.

00:38:54: Bis heute darf das Land nach Artikel neun seiner Verfassung keinen Angriffskrieg mehr führen.

00:38:59: Aus dem Kaiserreich wird eine parlamentarische Demokratie.

00:39:03: Mit dem Friedensvertrag von San Francisco endet in twohundfünfzig schließlich die Besatzungszeit, Japan erhält seine Souveränität zurück.

00:39:13: Doch ein Thema bleibt lange ungelöst – Die Aufarbeitung der eigenen Kriegsverbrechen.

00:39:20: Es finden zwar die Tokyoter Prozesse statt wie man in gewisser Weise mit den Nürnberger Prozessen vergleichen kann allerdings unterscheiden sie sich in wichtigen Punkten.

00:39:30: So wird Kaiser Hirohito beispielsweise nicht angeklagt.

00:39:34: Auch viele Vertreter, der alten politischen und wirtschaftlichen Elite bleiben im Amt oder kehren später in verantwortliche Positionen zurück.

00:39:42: Dadurch entsteht zwar schnell ein stabiler Staat.

00:39:46: Gleichzeitig führt dies aber dazu dass sich Japan über Jahrzehnte deutlich schwerer mit seiner Aufvergangenheit auseinandersetzt.

00:39:53: Die Aufarbeitung verlief in Japan also deutlich kontroverser und uneinheitlicher als etwa in Deutschland.

00:39:59: Während des Forschung, Entschuldigung und Initiativen zur Aufarbeitung gab wurden bestimmte Kriegsverbrechen in Politik- und Schulbüchern lange Zeit verharmlost oder unterschiedlich bewertet.

00:40:09: Das belastete die Beziehungen zu China und Korea bis heute.

00:40:13: Besonders das Schicksal der sogenannten Trostfrauen – also Frauen, die im Militär-Bordellen zur Prostitution gezwungen wurden – belasteten das Verhältnis bis heute.

00:40:23: Erst Ende der Neunzelhundertneunziger und Anfang der Zweitausender entstehen gemeinsame Geschichtsbücher japanischer, chinesischer und koreanischer Historiker die versuchen unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen.

00:40:36: Als ich später das Friedensmuseum in Hiroshima besucht habe ist mir genau dieser schwierige Umgang mit der Vergangenheit noch einmal aufgefallen.

00:40:44: Darauf komme ich gleich nochmal zurück.

00:40:47: Politisch bleibt Japan außenpolitisch zurückhalten.

00:40:51: Wirtschaftlich beginnt dagegen ein beispielloser Aufstieg.

00:40:54: Automobile, Schiffbau, Elektronik Unternehmen wie Toyota, Sony oder Panasonic machen Japan weltweit bekannt.

00:41:03: Aus einem zerstörten Land wird innerhalb weniger Jahrzehnte eine der größten Volkswirtschaften der Erde.

00:41:11: In den letzten Jahren hat sich das Tuhoku-Erdbeben mit dem Anschließenden zum Nami des Lande geschützt.

00:41:46: Im Kernkraftwerk Fukushima kommt es zum schwersten Nuklearen Unfall seit Chernobyl.

00:41:52: Zwei-tausendneunzehnt dankt Akki Hito als erster Tenno seit über zweihundert Jahren freiwillig ab.

00:41:57: Sein Sohn Aruhito besteigt den Grüßern Themendruhen, mit ihm beginnt die bis heute andauernde Reibahrzeit.

00:42:05: und damit sind wir in der Gegenwart angekommen.

00:42:12: also bevor ich die heutige Folge beende möchte ich noch ein paar ganz persönliche Gedanken mit euch teilen.

00:42:19: Ich hatte das Glück im letzten Jahr zwei Wochen in Japan verbringen zu dürfen, gemeinsam mit einer Freundin die dort ein halbes Jahr studiert hat.

00:42:27: und wenn mich heute jemand fragen würde wie ich Japan freiben würde dann würde ich wahrscheinlich sagen Japan ist ein Land der Gegensätze denn in Kyoto läuft man durch Straßen in denen man sich stellenweise führt als wäre man mehrere hundert Jahre in die Vergangenheit gereist alte Tempel Holzhäuser, Gärten und vieles wirkt als sei die Zeit dort viel viel langsamer vergangen.

00:42:48: Und dann steigt man in den Schinkansen fährt nach Tokio und steht plötzlich mitten an einer der modernsten Städte der Welt.

00:42:55: Aber ich glaube dass dieser Gegensatz gar keinen Widerspruch sein muss oder auch kein Widerspruch ist.

00:43:02: Er ist einfach das Ergebnis der japanischen Geschichte.

00:43:04: Denn wenn ich eines aus dem letzten zwei Jahrtausend Jahren mitgenommen habe dass Japan sich einfach immer wieder neu erfunden hat.

00:43:14: Immer wieder wechselt das Land zwischen Zersplitterung und Einigung, zwischen Traditionen und Erneuerungen, zwischen Abschottung und Öffnung.

00:43:22: Und was mich dabei aber besonders beeindruckt hat war wie bewusst viele dieser Veränderungen vorbereitet wurden!

00:43:28: Immer wieder schaut ihr Menschen über ihre eigenen Grenzen hinaus, übernahm Ideen aus anderen Ländern, passen sie dann an ihre eigenen Bedürfnisse an – sei es bei den Taika-Reforms im Eiji Zeit oder beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

00:43:41: Natürlich entwickelt sich Geschichte nie vollständig nach Plan.

00:43:44: Aber ich hatte beim Lesen der japanischen Geschichte auf den Eindruck, dass Veränderungen dort erstaunlich bewusst gestaltet wurden.

00:43:52: Ein Ort hat mich dabei aber besonders bewegt Hiroshima.

00:43:55: Dort habe ich an einer sogenannten Free-Walking-Tour teilgenommen.

00:43:59: unsere Stadtführerin Shisa stammt aus Hiroshima selbst und erzählt uns dort nicht nur die Geschichte der Stadt sondern auch die Geschichten der Menschen wie dort lebten Die Geschichte ihrer Großmutter, die den Atombomben abwurf in Nagasaki miterlebte.

00:44:19: Anschließend besuchte ich dann das Friedensmuseum und ich muss ehrlich sagen... Ich habe dort mehr als einmal geweint!

00:44:27: Und deshalb wird Hiroshima auch noch eine eigene Podcast-Folge bekommen Denn ich glaube diesem Thema wird man nicht in wenigen Minuten einfach gerecht.

00:44:37: Was bleibt also nach zweitausend Jahren japanischer Geschichte?

00:44:42: Für mich ist Japan ein Land der Gegensätze, ein Land das seine Tradition bewahrt und sich gleichzeitig aber immer wieder neu erfindet.

00:44:50: Ein Land mit einer faszinierenden Geschichte, mit großartigen kulturellen Leistungen, aber auch mit dunklen Kapiteln die bis heute nachwirken und deren Aufarbeitung noch nicht vollständig abgeschlossen.

00:45:03: Und genau das macht Geschichte für mich so spannend.

00:45:07: Sie besteht nicht nur aus Daten und Namen, sondern sie besteht aus Menschen... ...aus Entscheidungen!

00:45:12: Und aus Folgen dieser Entscheidungen mit denen wir bis heute leben.

00:45:17: Ja und damit sind wir dann auch schon am Ende unserer kleinen Reise durch rund zweitausend Jahre japanischer Geschichte angekommen.

00:45:24: Ich hoffe es hat euch gefallen und euch hat dieser Überblick gefallen Wenn ihr Lust habt, tiefer einzutauchen.

00:45:32: Hiroshima bekommt auf jeden Fall noch eine eigene Folge und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein dass wir nach Japan reisen weil diese Reihe bekommt insgesamt drei Folgen.

00:45:43: Wenn euch die Folge gefallen hat freue ich mich natürlich riesig wenn ihr den Podcast abonniert oder ihm eine Bewertung auf eurer Lieblingsplattform dalasst.

00:45:52: Wenn ihr mich darüber hinaus unterstützen möchtet könnt ihr mich auch gerne bei Kofi auf einen Bubble Tea einladen!

00:45:59: Bubble Tea.

00:46:00: Den habe ich in Japan natürlich auch getrunken und bei den aktuellen Temperaturen passt der definitiv besser als ein heißer Kaffee, weil wir hier ja einem Geschichts-Podcast sind gibt es zum Abschluss noch einen kleinen historischen Fun Fact!

00:46:14: Denn Bubble Tea stammt übrigens gar nicht aus Japan sondern aus Taiwan.

00:46:19: Anfang der neunzehnundachziger Jahre begannen die thaiwanische Teekette Shunshui Tang damit im Sommer kalten Tee mit Kondensmilch und Sirup oder Honig anzubieten Und in den letzten Jahren kamen die Tappiocaperlen dazu.

00:46:34: Damit war der Babeltier geboren.

00:46:35: Schon kurze Zeit später wurde er von Straßenverkäufer an Schulkinder verkauft und entwickelte sich zu einem Getränk, das heute auf der ganzen Welt bekannt ist!

00:46:47: Ich freue mich schon darauf mit euch das nächste Mal wieder gemeinsam in den Strudel der Geschichte einzutauchen.

00:46:54: Wenn ihr Fragen habt... Themenvorschläge oder einfach Lust habt, über Geschichte zu quatschen findet ihr mich auf Instagram unter just.anather.geschichtspodcast.

00:47:04: schreibt mir gerne.

00:47:06: ich freue mich über eure freundlichen Nachrichten.

00:47:08: bis zum nächsten mal machts gut tchau.

00:47:13: die Quellen dieser Folge sind Manfred Pol geschichte Japans sowie Florian Kulmars und Judith Stipers die einhundert einen wichtigsten Fragen Japan.

00:47:24: Ergänzend habe ich weitere wissenschaftliche Literaturen, Fachaufsätze zu einzelnen Epochen herangezogen.

00:47:29: Musik und Bilder stammen wie immer von Pixar Bay.

00:47:31: Vielen Dank fürs Zuhören!

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