Briefe an Vincent van Gogh
Shownotes
Vincent van Gogh: Sonnenblumen, Sternennacht, ein abgeschnittenes Ohr – und das Bild vom wahnsinnigen Künstler. Doch wer war der Mensch hinter diesem Mythos?
In dieser Folge erzähle ich Vincents Geschichte einmal anders: als Brief an ihn selbst. Wir folgen seinem ungewöhnlichen Weg zur Kunst, seiner Beziehung zu seinem Bruder Theo, seinen Krisen und seinen unglaublich produktiven letzten Jahren – und vor allem seinen eigenen Worten, die uns in Hunderten Briefen erhalten geblieben sind.
Eine persönliche Reise durch ein Leben in Worten und Farbe – bis in das kleine Zimmer in Auvers-sur-Oise, in dem Vincent seine letzten Stunden verbrachte.
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Transkript anzeigen
00:00:06: Justin Abel, Geschichtspodcast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin.
00:00:37: Außerdem möchte ich mich ganz herzlich bei Barbare bedanken, die mir bei Kofi einen Pomor den Normen wie ausgegeben hat.
00:00:44: Vielen Dank für deine Unterstützung!
00:00:47: Und ja... Ich hatte es hier in der letzten Folge schon angekündigt?
00:00:50: Heute geht es um einen meiner Lieblingskünstler und damit bin ich wahrscheinlich nicht alleine.
00:00:56: Wer mich kennt weiß dass ich eine ganz besondere Beziehung zu Kunst habe und das liegt vor allem an einer Person, die mich überhaupt erst zur Kunst gebracht hat – meine Oma.
00:01:06: Meine Oma ist leider schon verstorben, aber sie war eine wahre Künstlerin.
00:01:10: Sie hatte Kunst studiert, ihre Mutter hatte ebenfalls Kunst studieren und beide konnten unglaublich gut malen Und meine Oma hat mich schon relativ früh mit in Ausstellung genommen.
00:01:20: Ich weiß noch das eine der ersten Ausstellungen die wir gemeinsam besucht haben Eine Ausstellung zum blauen Reiter in Mannheim war und dort habe ich mich in die Bilder von Franz Marc verliebt vor allem in seine Tierbilder und irgendwann meinte meine Omas zu mir Wenn dir das bunte so gefällt, dann schau dir doch auch mal Fangoche an.
00:01:38: Und das habe ich gemacht!
00:01:40: Ich glaube tatsächlich dass ich bis heute noch keinen echten Fangoch im Original gesehen habe außer im Louvre hing einer und ich bin einfach dran vorbeigelaufen was bei der Größe des Louvres durchaus passieren kann aber seine Bilder haben schon damals etwas in mir ausgelöst und damit sind wir bei dem Künstler angekommen um den es heute gehen soll Vincent van.
00:02:02: Gogh.
00:02:04: Während unseres Frankreich-Trips haben meine Freunde und ich ziemlich spontan Auvers Søl Eus besucht.
00:02:10: Den Ort, an dem Vincent van Gogh die letzten Wochen seines Lebens verbrachte und schließlich starb!
00:02:16: Und heute möchte ich euch mitnehmen und versuchen diesen Menschen hinter den berühmten Bildern ein kleines bisschen besser kennenzulernen.
00:02:23: Aber dieses Mal möchte ich seine Geschichte ein bisschen anders erzählen Denn Vincent hat uns etwas hinterlassen, dass für Historiker eigentlich ein unglaublicher Glücksfall ist.
00:02:34: Seine eigenen Worte!
00:02:36: Hunderte Briefe vor allem an seinen Bruder Theo – Briefer in denen er über Kunst schreibt, über Geld, über seine Familie, über ihre Ängste und Hoffnung und manchmal auch über ziemlich banale Dinge des Alltags.
00:02:49: Und deshalb möchte ich heute nicht nur über Vincent van Gogh sprechen.
00:02:54: Ich möchte ein kleines bisschen mit ihm sprechen.
00:03:01: Lieber Vincent, ich habe jetzt deine Biografie gelesen und ich muss sagen vieles davon wusste ich nicht.
00:03:08: Du bist heute einer der berühmtesten Künstler in der Welt!
00:03:11: Das Absurde daran ist?
00:03:13: Du selbst hast davon praktisch nichts mehr erlebt.
00:03:17: Ich hatte viele Filme über dich gesehen und inzwischen auch einiges über dich gelesen Und ich hatte immer das Gefühl dass diese Geschichten durchaus tiefer haben und trotzdem zwangsläufig oberflächlich bleiben Weil ein ganzes Leben eben kaum in zwei Stunden Film oder ein paar bekannten Episoden unterzubringen ist.
00:03:36: Und schon bei deiner Kindheit bin ich über Dinge gestolpert, die ich vorher überhaupt nicht wusste.
00:03:41: Du wurdest am dreißigsten März, eighteenhundertdreiundfünfzig im niederländischen Zundert geboren als ältester überlebender Sohn deiner Familie und einen Detail davon ist ziemlich bedrückend.
00:03:53: Genau ein Jahr vor deiner Geburt hatte deine Mutter bereits einen Sohn zur Welt gebracht.
00:03:58: er wurde totgeboren Und er hieß ebenfalls Vincent.
00:04:02: Ein Jahr später wurdest du geboren und bekamst denselben Namen.
00:04:07: Nun weiß ich natürlich nicht, was das für dich bedeutet hat Ob Du überhaupt darüber nachgedacht hast, ob dieser Bruder den Du nie kennengelernt hast in Deiner Familie eine große Rolle gespielt hat.
00:04:19: Ich möchte Dir im Nachhinein auch keine Gefühle zu schreiben die Du vielleicht nie hattest Aber aus meiner heutigen Perspektive bleibt dieser Gedanke trotzdem hängen.
00:04:29: Da gab es vor dir bereits einen Vincent van.
00:04:32: Gogh.
00:04:33: Dein Vater Theodoros Warfarra, Religion spielte in eurer Familie eine große Rolle und vielleicht überraschtest deshalb gar nicht so sehr dass du selbst später eine Zeit lang versucht hast genau in diese Richtung zu gehen.
00:04:47: was mich dagegen überrasacht hat wie früh Kunst bereits zu deinem Leben gehörte.
00:04:52: Du hast schon an der Schule Zeichenunterricht bekommen Und auch deine Familie hatte enge Verbindungen zum Kunsthandel.
00:04:59: Einer deiner Onkel, ebenfalls ein Vincent van Gogh in der Familie Cent genannt war Teilheiber des großen internationalen Kunsthandels Goupil & Cie.
00:05:10: Und über ihn bekamst du eighteenhundertneunundsechzig gerade einmal sechzehn Jahre alt deine erste Stelle dort.
00:05:18: D. h., noch lange bevor du überhaupt beschlossen hattest selbst Künstler zu werden warst du tagtäglich von Kunst umgeben.
00:05:26: Du hast Bilder und Drucker gesehen Künstler kennengelernt, Museen besucht, gelesen und Reproduktion gesammelt.
00:05:35: Eigentlich hast du dort schon jahrelang dein Auge geschult ohne vermutlich zu ahnen dass du irgendwann selbst auf der anderen Seite stehen würdest Denn zu diesem Zeitpunkt war dein Plan noch überhaupt nicht.
00:05:47: Ich werde Künstlern.
00:05:48: Bis dahin sollte es noch einige Umwege gegeben.
00:05:56: Zunächst arbeitest Du also bei Goupil & Cie Und eigentlich ist das ja ziemlich spannend.
00:06:01: Bevor du selbst Kunstler wirst, verdienst du dein Geld erst mal damit die Kunst anderer Menschen zu verkaufen.
00:06:07: Du lernst Bilder kennen, Künstler, verschiedenes Deale und vor allem lernste den Kunstbetrieb kennen.
00:06:14: Achtzehnhundertdreiundseipzig wirst du dann nach London versetzt... ...und dort passiert etwas, dass in vielen Biografien über dich erzählt wird!
00:06:21: Du verliebst dich Wahrscheinlich in Eugene Loire Die Tochter deiner Vermieterin Nur wird daraus nichts.
00:06:30: Und ich glaube, hier müssen wir schon ein bisschen aufpassen weil sich um dein Leben inzwischen so viele Geschichten und Interpretationen rankten dass manchmal schwer auseinander zu halten ist was wirklich passiert ist und was später draus gemacht wurde.
00:06:45: Sicher ist jedenfalls deine Zeit als Kunsthändler geht irgendwann zur Ende.
00:06:50: Du wirst zunehmend unzufrieden mit dem Kunsthandel Und dann beginnt deine Phase in deinem Leben, bei der ich beim Lesen irgendwann gedacht habe.
00:07:01: Vincent!
00:07:02: Was willst du eigentlich werden?
00:07:04: Du versuchst dich als Lehrer.
00:07:06: Du arbeitest in einer Buchhandlung.
00:07:08: Du beschäftigst dich immer intensiver mit Religion und ich hatte beim Lesend das Gefühl dass du noch etwas suchst nach eine Aufgabe vielleicht, nach einem Sinn, nach einen Platz an dem du das Gefühl hast hier gehörchen.
00:07:24: Ob wir das heute als eine erste Depression bezeichnen können, möchte ich gar nicht so eindeutig behaupten.
00:07:29: Wir schauen schließlich aus mehr als hundertvierzig Jahren Entfernung auf dich und könnt euch nicht mehr fragen wie es dir tatsächlich ging – aber deine Briefe zeigen dass Religion in dieser Zeit immer wichtiger für dich wird!
00:07:41: Du wirst schließlich wieder ein Vater-Fahrer werden und bereites dich in Amsterdam auf die Aufnahmeprüfung für ein Theologiestudium vor.
00:07:49: Dafür musst du unter anderem Latein und Griechen lernen Aber auch dieser Weg funktioniert nicht.
00:07:54: Und schließlich führt dich deine Suche in den Burinage, ein belgisches Bergbau-Rivier und ich glaube diese Zeit muss etwas mit dir gemacht haben denn dort begegnest du Menschen die unter Bedingungen leben und arbeiten die heute kaum vorstellbar sind Bergerbeiter und ihre Familien Armut Krankheiten Unfälle Menschen die jeden Tag unter die Erde steigen und dabei nicht wissen ob sie wieder zurückkommen.
00:08:20: Und du willst dich einfach nur zu ihnen predigen.
00:08:22: Du willst mit ihnen leben, du gibst Besitz und Kleidung weg, lebst immer ärmlicher und kümmerst dich um Kranke und Verletzte – und ausgerechnet das wird zum Problem!
00:08:32: Dein Auftreten entspricht immer weniger dem was deine kirchlichen Vorgesetzten von einem Prediger erwarten.
00:08:39: Deine Anstellung wird schließlich nicht verlängert.
00:08:42: Wieder ein Weg der nicht funktioniert hat.
00:08:45: Kunsthändler Lehrer Buchhändlers Theologe Prediger.
00:08:50: Und dann passiert etwas, was ich an deiner Biografie wirklich bemerkenswert finde Du bist siebenundzwanzig Jahre alt.
00:08:57: Du hast mehrere Versuche hinter dir irgendwo deinen Platz zu finden.
00:09:01: du hast keine klassische Künstlerausbildung absolviert und keine etablierte Karriere vor dir und du beschließt Ich werde Künstlern!
00:09:14: Und auch wenn du erst in sieben und zwanzig Jahren beschlossen hast wirklich künstler zu werden kam diese Entscheidung natürlich nicht aus dem nichts Denn wenn man deine Briefe an Theo liest, merkt man ziemlich schnell.
00:09:25: Du hast schon lange vorhergezeichnet.
00:09:28: Immer wird der Tauchen in deinen Briefen kleine Skizzen auf!
00:09:31: Du beschreibst nicht nur was du gesehen hast sondern zeichnest das – Landschaften, Menschen, Orte Dinge die dich beeindruckt oder beschäftigt haben.
00:09:40: Und eigentlich finde ich das sehr schön weil es zeigt dass du schon lange bevor die Kunst zu deinem Beruf wurde Du versucht hast eine Umwelt auf diese Weise festzuhalten.
00:09:50: Du hast deine Gedanken und deine Eindrücke eben nicht nur in Worte gefasst, du hast sie auch gezeichnet.
00:09:56: Vielleicht war der Schritt mit siebenundzwanzig also weniger ich fange jetzt an zu zeichnen sondern viel mehr.
00:10:02: das was ich sowieso schon tue soll jetzt mein Leben werden Und jetzt müssen wir dringend über jemanden sprechen Der dir bei diesem Vorhaben immer zur Seite stand.
00:10:12: Ich habe jetzt schon ein paar mal Theo erwähnt und du weißt natürlich sehr genau wer Theo ist Aber meine Hörerinnen und Hörern vielleicht noch nicht Und ich glaube, wir müssen über ihn sprechen.
00:10:21: Denn wenn ich deine Briefe lese dann habe ich das Gefühl dass man deine Geschichte eigentlich gar nicht erzählen kann ohne auch seine zu erzählen.
00:10:30: Theo war dein jüngerer Bruder vier Jahre junger als du und wahrscheinlich einer der wichtigsten Menschen in deinem Leben.
00:10:37: Euer Verhältnis war nicht immer einfach!
00:10:40: Ihr habt euch gestritten ihr wart unterschiedlicher Meinung und in euren Briefen merkt man durchaus dass ihr euch gegenseitig auch mal auf die Nerven gegangen seid.
00:10:48: Aber gleichzeitig wart ihr euch unglaublich nah und Theo hat an dich geglaubt.
00:10:52: Nicht nur emotional, sondern auch ganz praktisch Denn als du beschlossen hattest Künstler zu werden und von deiner Kunst noch nicht leben konntest War es vor allem Theo der dich finanziell unterstützt hat.
00:11:05: Bei jahrelin weg schickte er die regelmäßig Geld Und wenn man eure Briefe liest begegnet einem dieses Geld ständig.
00:11:11: Du schreibst Theo, dass du Geld brauchst.
00:11:13: Dass das Geld noch nicht angekommen ist.
00:11:15: Dass du Farben kaufen musst.
00:11:17: Leinwand!
00:11:18: Pinsel!
00:11:19: Dass du versucht hast zu sparen und manchmal auch, dass das Geld einfach schon wieder weg ist.
00:11:24: Und dabei entsteht schnell dieses Bild von erfolglosen Künstler der von seinem kleinen Bruder durchgefüttert wird.
00:11:30: Aber ich finde damit wird man eurer Beziehung nicht wirklich gerecht Denn Theo war Selbstkunstenhändler Er kannte den Kunstmarkt er wusste was du machst und er stützte dich trotzdem oder vielleicht gerade deshalb?
00:11:43: Und du hast dieses Geld eben nicht verwendet, um dir ein besonders angenehmes Leben zu machen.
00:11:49: Ein erheblicher Teil davon floss direkt wieder in deine Arbeit – in Farben, Leinwände, Modelle und all die Dinge, die du brauchtest, um überhaupt malen zu können!
00:11:59: Im Grunde hat Theo damit über Jahre etwas finanziert von dem zu diesem Zeitpunkt niemand wissen konnte ob es jemals funktionieren würde... ...und wir wissen heute natürlich was daraus geworden ist Aber ihr beide wusstet es nicht.
00:12:14: Theo musste einfach daran glauben, dass du es schaffen könntest und irgendwie muss ich mich auch bei dir bedanken, Theo Denn ohne eure Briefe könnte ich diesen Brief an Vincent heute wahrscheinlich gar nicht schreiben.
00:12:31: Doch wie?
00:12:31: Lieber Vincent wird man eigentlich Ende des neunzehnten Jahrhunderts maler?
00:12:36: Dann auch hier bin ich beim Lesen über etwas gestolpert das sich vorher anders im Kopf hatte.
00:12:41: Du wirst nämlich sehr häufig als Autodidakt bezeichnet und das stimmt auch irgendwie.
00:12:46: Du hast dir unglaublich viel selbst beigebracht, indem du gezeichnet kopiert, beobachtet und immer wieder geübt hast aber es bedeutet eben nicht dass du niemals Unterricht bekommen hättest.
00:12:57: schon in der Schule hattest du Zeichenunterricht später hast du dich gezielt ausbilden lassen hast unterricht bei verschiedenen künstlern genommen Und sogar werden auch nur kurz Kunstakademie gesucht.
00:13:09: einer deiner Wichtigsten frühen Lehrer war Anton Moff, ein erfolgreicher Maler der Hager Schule.
00:13:16: Und mit ihm hattest du offenbar ein kleines Problem das mir inzwischen ziemlich typisch für dich vorkommt.
00:13:22: Du wolltest lernen aber du wolltest nicht unbedingt das machen was dein Lehrer dir sagte.
00:13:28: Moff wollte unter anderem dass du nach Gipsabgüssen zeichnest eine ganz klassische Übung – Hände Füße Körperteile antike Skulpturen Form, Proportion, Licht und Schatten.
00:13:41: Du fangst das furchtbar!
00:13:43: Und irgendwann warst du offenbar so wütend darüber, dass du die Gipsabgüsse in deinem Atelier zerbrochen und in den Kohlekasten geworfen hast.
00:13:53: Vincent, manchmal machst du es einem auch wirklich nicht leichtlich zu verteidigen.
00:13:58: Denn...du wolltest lieber echte Menschen zeichnen und irgendwie war für dich klar, du möchtest von Morph lernen aber du möchest ihm nicht blind gehorchen.
00:14:08: Und genau dieses Spannungsverhältnis zieht sich irgendwie durch deine Ausbildung.
00:14:12: Du willst unbedingt besser werden, du übst geradezu obsessiv aber gleichzeitig hast du sehr genaue Vorstellungen davon wie du Kunst machen möchtest.
00:14:22: und das Interessante ist einige Jahre später sitzt du dann doch wieder vor diesen verhassten Gipsfiguren... ...und in dein Haar klärst du noch jemanden kennen über den ich zumindest ganz kurz mit dir sprechen möchte.
00:14:35: Eigentlich Klassina Maria Hornig.
00:14:38: Als du sie kennenlernst, lebt sie in großer Armut, arbeitet als Prostituierte hat bereits eine kleine Tochter und ist schwanger.
00:14:46: Du nimmst sie bei dir auf Und für eine Weile passiert etwas in deinem Leben von dem ich vorher überhaupt nichts wusste!
00:14:53: Du hast deine Familie Natürlich nicht im klassischen Sinne Sind Kinder sind nicht deine Kinder aber ihr lebt zusammen?
00:15:00: Du kümmerst dich um sie und die Kinder, und zeitweise denkst du sogar darüber nach, Sien zu heiraten.
00:15:08: Gleichzeitig wird sie eines deiner Modelle – Du zeichnest sie immer wieder!
00:15:12: Von ihr stammt auch eines Deiner bekanntesten frühen Werke – Zorro Und widergerätst du damit in den Konflikt mit deiner Familie.
00:15:21: Die Beziehung hält schließlich nicht.
00:15:32: nicht weil ich deine Liebesbeziehungen einzeln aufzählen möchte, sondern weil ich bei dir immer wieder dieses unglaubliche Bedürfnis nach Nähe sehe.
00:15:40: Nach einem Zuhause!
00:15:42: Nach Menschen mit denen du dein Leben teilen kannst.
00:15:46: Später träumst Du in Aar davon, diesmal nicht von einer Familie, sondern von einer Familien aus Künstlern.
00:15:53: Vielleicht ist es gar nicht so weit voneinander entfernt?
00:15:56: Du besuchst kurz die Kunstakademie in Antwerpen und gehst schließlich aus Paris, wo du unter anderem im Atelier von Fernand Comont arbeitest.
00:16:09: Du bist also keineswegs dieser vollkommen ungeschulte Autodidakt als der, du manchmal dargestellt wirst aber eine klassische akademische Künstlerkarriere hast du eben auch nicht.
00:16:19: Und Paris wird für dich ohnehin aus einem ganz anderen Grund wichtig.
00:16:28: Paris war vielleicht einer der nähersten Phasen deines Lebens.
00:16:32: Zwei Jahre lebst du in dieser großen Stadt, die eines der Zentren für Künstler, Schriftsteller, Bildhauer und andere kreative Menschen ist.
00:16:40: Du lernst Henri de Toulouse-Lautrack kennen, Émile Bernat, Paul Gauguin und viele andere – und gleichzeitig begegnest du einer Kunst, die sich von dem unterscheidet was du bisher gemacht hast.
00:16:53: Denn wenn wir uns deine Bilder aus den Niederlanden anschauen sind sie häufig noch dunkel, erdig, braun, grau, ochger!
00:17:02: Die Kartoffelesser sind dafür wahrscheinlich das bekannteste Beispiel.
00:17:06: Und dann kommst du nach Paris!
00:17:09: Impressionismus, Neo-Impressionismus Pointillismus, hellere Farben, komplementär Farben Experimente und etwas ganz anderes scheint es dir besonders angetan zu haben – japanische Farbholzschnitte.
00:17:24: Du und Theo sammelt sie, du studierst sie, Du kopierst Motive und übernimmst Element ihrer Bildsprache.
00:17:31: Und in den vergleichen, die du nur wenige Jahre vorhergemalt hast, kann man beinahe dabei zugesehen wie deine Welt immer farbiger wird.
00:17:49: Aber irgendwann wird dir Paris zu viel.
00:17:51: nach zwei Jahren voller Kunst, Cafés Gesprächen, Ausstellungen und neuer Bekanntschaften und wahrscheinlich auch ziemlich viel Reizüberflutung willst Du weg!
00:18:01: Du wirst in den Süden, Licht, Farbe, Natur.
00:18:06: Und vor allem hast du eine Idee – eigentlich ein Traum!
00:18:10: Das Atelier des Südens.
00:18:14: Du mietest schließlich das berühmte gelbe Haus und vor allem einen möchtest du unbedingt davon überzeugen, zu dir nach Aal zu kommen.
00:18:38: Paul Gauguin!
00:18:39: Du bereitest dich regelrecht auf seine Ankunft vor?
00:18:43: Du mahlst sogar deine berühmmten Sonnenblumen um sein Zimmer damit zu schmücken.
00:18:47: Und tatsächlich im Oktober eighteenhundertundachtzig kommt Gauguen nach AAL.
00:18:52: und eigentlich könnte dein Traum jetzt beginnen zwei Künstler ein Haus der Süden Frankreichs, gemeinsam malen, diskutieren, voneinander lernen.
00:19:04: Das Problem ist nur... ihr seid euch nicht besonders ähnlich.
00:19:11: Boca und du!
00:19:13: Ihr seid euch also nicht besonders ähnlich.
00:19:16: aber vielleicht ist auch genau das zunächst das spannende an eurer Beziehung denn ihr diskutiert über Kunst, ihr beeinflusst euch gegenseitig, ihr widersprecht euch und genau davon kann Kunst schließlich auch leben.
00:19:29: Schon bevor Gogör nach Aalkombe versuchst du zwischen euch Künstlern eine Art Gemeinschaft entstehen zu lassen.
00:19:35: Du möchtest Bilder austauschen, du bittest Gogör und Emil Bernat sogar darum sich gegenseitig zu portraitieren!
00:19:42: Die beiden halten sich nicht ganz dran.
00:19:44: stattdessen malt jeder ein Selbstporträt und verewigt den jeweils anderen kleinem Hintergrund.
00:19:50: Und auch du meistern selbst Porträt für Gogör.
00:19:53: Ich mag diesen Gedanken irgendwie.
00:19:55: Ihr seid hunderte Kilometer voneinander entfernt und tauscht eure Gesichter aus.
00:20:00: Eure Kunst!
00:20:01: Und irgendwie auch eure Vorstellung davon, was Kunst eigentlich sein soll.
00:20:06: Nur wenige Wochen später lebt gehört tatsächlich mit dir im gelben Haus.
00:20:11: Nur funktioniert diese Künstler-WG leider nicht ganz so wie du sie dir vorgestellt hast.
00:20:16: Es gibt durchaus positive Phasen.
00:20:18: Ihr mal zusammen, ihr diskutiert, beeinflusst euch gegenseitig Und ich glaube auch nicht, dass Gugger einfach nur widerwillig bei dir herum saßen darauf wartete wieder gehen zu können.
00:20:28: Aber es gibt eben auch immer wieder Spannungen zwischen euch und vor allem scheint mir dieses Projekt für dich emotional unglaublich wichtig gewesen zu sein.
00:20:38: Das Gelbe Haus sollte schließlich nicht einfach nur ein Ort sein an dem zwei Künstler zufällig zusammen wohnen.
00:20:45: Es sollte der Anfang von etwas sein Deine Künstlagemeinschaft dein Atelier des Südens Und dann kommt der XXIII.
00:20:54: Dezember, dezentundachtzig.
00:20:57: Was an diesem Abend wirklich passiert ist Vincent, könntest wahrscheinlich nur du uns erzählen Denn hier beginnt eine der berühmtesten Geschichten deines gesamten Lebens.
00:21:07: So wie sie häufig erzählt wird wirst Du in diesem Abend zum wahnsinnigen Künstler Der sich sein eigenes Ohr abschneidet.
00:21:15: Die klassische Rekonstruktion lautet ungefähr folgendermaßen Die Situation zwischen Gauguin und dir eskaliert.
00:21:24: Gaugin verlässt das Haus, du verletzt dich anschließend mit einem Rasiermesser am Ohr und bringst das abgetrennte Stück später einer Frau in einen Bodell.
00:21:33: Und wahrscheinlich kennt fast jeder irgendeine Version dieser Geschichte.
00:21:37: Das Problem ist nur schon bei den Details wird es schwierig.
00:21:41: Lange hieß die Frau beispielsweise einfach Rachel eine prostituierte.
00:21:45: Neuere Forschungen bringen dagegen eine junge Frau namens Gabrielle Bellatier ins Spiel, die unter anderem als Reinigungskraft gearbeitet haben soll.
00:21:54: Auch darüber wie viel von deinem Ohr du eigentlich abgeschnitten hast wurde lange gestritten.
00:21:59: Immer wieder liest man es sei lediglich ein Stück des Ohrleppchens gewesen – eine später wieder entdeckte Zeichnung deines behandelnden Arztes spricht allerdings dafür dass du dir fast die gesamte Ohrmuschel abgetrennt hast.
00:22:12: Und dann gibt es noch eine wesentlich spektakulärere Außenseitertheorie.
00:22:17: Die Deutsche Autoren stellten in dem Jahr die These auf, dass möglicherweise überhaupt nicht du selbst die Verletzung verursacht hast.
00:22:24: Stattdessen soll Gauguin dich während eures Streits mit einem Degen verletzt haben – ihr beide hättet anschließend darüber geschwiegen!
00:22:31: Das klingt natürlich spektakelär.
00:22:33: Es gibt dafür allerdings keinen überzeugenden Beweis und keinen historischen Konsens.
00:22:38: Die überwiegende Forschung geht weiterhin davon aus, dass du dir die Verletzung selbst zugefügt hast.
00:22:43: Aber vielleicht zeigt schon diese Diskussion ein Problem denn wir reden unglaublich gerne bei deinen Ohren.
00:22:49: aber weißt Du was Vincent?
00:22:50: Genau an diesem Punkt habe ich beim Lesen deiner Biografie gemerkt wie schwierig es ist über Dich zu sprechen.
00:22:56: Denn natürlich kann ich jetzt über Dein Ohr sprechen Über Deine Krisen, über Deine Konflikte mit über die Diagnosen die man Dir später zugeschrieben hat.
00:23:05: Aber Ich frage mich vielmehr Wie hat es sich eigentlich angefühlt, du zu sein?
00:23:10: Wie sehr hast du unter dir selbst gelitten.
00:23:13: Wie sehr unter diesem beinah unbändigen Bedürfnis zum Malen?
00:23:17: und gleichzeitig wie sehr hatte ich genau dieses Malen am Leben gehalten!
00:23:21: Du selbst beschreibst deine Arbeit einmal sinngemäß als eine Art Blitzerbleiter für deine Krankheit.
00:23:27: Ich weiß es nicht Und vielleicht kann ich das auch gar nicht wissen Aber es gibt einen Ort an dem wir dir zumindest ungewöhnlich nahe kommen Deine Briefe.
00:23:36: Und was ich an deinem Briefen besonders faszinierend finde, du schreibst nicht einfach nur.
00:23:40: Du zeichnest!
00:23:42: Manchmal habe ich beim Lesen fast das Gefühl, du merkst selbst gar nicht dass du gerade das Medium wechselst.
00:23:47: Du erzählst jetzt Theo von einem Bild, das du gemalt hast und plötzlich ist da eine Skizze.
00:23:52: Du beschreibst deine Landschaft und zeichnet sie dazu.
00:23:55: Wort und Bild gehören bei dir irgendwie zusammen.
00:23:58: Vielleicht ist auch der Grund warum ich beim lesen deiner Briefe manchmal das Gefühl hatte die näher zu kommen als beim Betrachten deiner Bilder Denn du springst.
00:24:06: Du fängst bei einem Thema an, kommst auf ein anderes, erinnerst dich an etwas als hieß es von einem Bild, von einem Buch, vom Geld, von Theo, von einer Farbe die du gerade unbedingt brauchst.
00:24:16: und wenn ich diesen Brief an dich schreibe merke ich grade Ich mache eigentlich genau dasselbe!
00:24:20: Ich springe auch.
00:24:22: Vielleicht passt das also ganz gut Und vielleicht ist dieses Spring zwischen Gedanken, Worten und Bildern auch gar nicht so weit entfernt von dem was ich an deiner Malerei so faszinierend finde.
00:24:32: Denn bei dir soll man den Pinselstrich sehen.
00:24:35: Du versuchst gar nicht die Farbe so glatt auf die Leinwand zu bringen, dass am Ende niemand mehr erkennt wie das Bild entstanden ist.
00:24:41: Im Gegenteil Die Farbe hat Struktur Die einzelnen Pinsel Striche bleiben sichtbar Sie haben eine Richtung ein Rhythmus und manchmal scheinen sie sich geradezu über die Leynwand zu bewegen.
00:24:54: Und manchmal habe ich das Gefühl Dass selbst deine Pinsel striche etwas erzählen wollen Gerade wenn ich mir deine späteren Werke anschaue Die Weizenfelde die Olivenbäume, die Sonnenblumen, deine Zepressen.
00:25:05: Dann haben sie für mich etwas unglaublich lebendiges!
00:25:09: Der Himmel steht nicht einfach still Die Felder stehen nicht still Die Bäume stehen nicht Still.
00:25:15: Manchmal wirkt es fast als würden deine Bilder atmen.
00:25:22: Nach der Episode mit deinem Ohr dauert es noch einige Monate bis du schließlich eine Entscheidung triffst.
00:25:27: Du willst dir Hilfe suchen und das finde ich wichtig wenns sind weil auch dass in der Erzählung vom wahnsinnigen Künstler manchmal ein bisschen untergeht Du wirst dich einfach gegen deinen Willen weggesperrt.
00:25:39: Du entscheidest selbst, dass du im Moment nicht alleine
00:25:41: zurechtkommst.".
00:25:42: Ende April, abpril, schreibst du deiner Schwester, das du nach mehreren schweren Krisen noch immer nicht das Gefühl hast wieder alleine ein Atelier führen zu können.
00:25:52: und so fährst du in Mai, mit dem Pastor Frederik Seyl nach Saint-Rémy des Provences und lässt sich dort in die nerften Heilanstalt St.
00:26:01: Paul den Mausole aufnehmen.
00:26:04: Die Ärzte versuchen natürlich herauszufinden, was eigentlich mit dir passiert.
00:26:08: Der Bericht aus Aal spricht von einer akuten Manie im Delirium – der Arzt in Saint-Rémy, Théophile Perron vermutet dagegen Anfälle epileptischer Natur.
00:26:19: und ich glaube hier müssen wir wieder aufpassen denn bis heute wurde die im Nachhinein so ziemlich alle psychiatrische und neurologische Diagnose zugeschrieben, die man sich vorstellen kann.
00:26:29: Was du tatsächlich hattest, wissen wir nicht.
00:26:31: Was werberwissen ist wie du selbst diese Zeit erlebt hast.
00:26:35: und bereits einen Tag nach deiner Aufnahme schreibst du Theo und seiner Frau Jo etwas das ich bemerkenswert finde.
00:26:41: Du beobachtest die anderen Patienten Und zunächst nimmt dir das etwas von Deiner Angst.
00:26:47: Du beginnst das was du vorher so gefürchtet hast anders zu betrachten Nicht mehr als etwas Unheimliches sondern als eine Krankheit.
00:26:54: wie jeder andere auch.
00:26:56: Du bemerkst, wie die Patienten einander helfen wenn jemand eine Krise hat und du schreibst dass der Ort wechsel dir gut tut.
00:27:03: Und dann passiert etwas das bei dir eigentlich immer wieder passiert.
00:27:06: Du malest!
00:27:07: Du schreibsteo, dass du schon wieder zwei Bilder in Arbeit hast Iris & Flieder.
00:27:12: Am Anfang bist du der Klinik gegenüber noch etwas Naja sagen wir skeptisch.
00:27:17: Das Essen scheint dir nicht besonders zu schmecken Dein Bewegungsradius ist eingeschränkt Und du darfst auch nicht einfach hinaus in die Landschaft und dort malen.
00:27:26: Und das muss für dich schwierig gewesen sein, denn du willst schließlich raus.
00:27:31: Du willst sehen!
00:27:32: Du willst malen... Aber mit der Zeit bekommst du mehr Freiheiten und das schließe ich auch außerhalb des Geländes arbeiten.
00:27:38: Und überhaupt wird Tsengri-Mi für Dich zu einer unglaublich produktiven Phase.
00:27:42: Du meinst die Iris?
00:27:44: Zu Pressen?
00:27:44: Olivenhaine?
00:27:45: Du meinest den Garten der Anstalt?
00:27:47: Die Landschaft vor deinem Fenster?
00:27:49: Und immer wieder die Umgebung von
00:27:51: Tsengrimi?!
00:27:52: Und hier entsteht auch eines der Bilder, das heute wahrscheinlich fast jeder kennt.
00:27:57: Die Sternennacht!
00:27:58: Und lieber Vincent, wenn du wirst das was wir mit diesem Bild gemacht haben... Es gibt eine Sternennachtheute auf Postern Taschen, T-Shirts, Tassen, Socken, Handyhüllen, Puzzles malen nach Zahlensets.
00:28:11: Es gibt die Sternennacht mit Katzen und Filmfiguren.
00:28:15: Mit irgendwelchen Städten, Menschen malen ihre eigenen Versionen davon.
00:28:19: Sticken sie, häkeln sie, bauen sie aus Lego!
00:28:22: Ich glaube du würdest uns für vollkommen verrückt halten.
00:28:26: Aber vielleicht sagt genau das auch etwas darüber aus was dieses Bild mit Menschen macht?
00:28:31: Denn wenn ich deine Sternennachts anschaue dann sehe ich keinen stillen Nachttimmel.
00:28:36: Der Himmel bewegt sich, erwirbelt.
00:28:38: Die Sterne leuchten beinahe körperlich – die Zepresse zieht sich nach oben.
00:28:43: Selbst die Nacht scheint bei dir lebendig zu sein!
00:28:47: Und vielleicht ist das einer der Gründe, warum dieses Bild mehr als hundertdreißig Jahre später immer noch so viele Menschen berührt?
00:28:55: Und dass vielleicht Absurdeste heranwinselnd ausgerechnet.
00:28:59: du warst von der Sternennacht gar nicht so begeistert wie wir.
00:29:04: Während wir sie heute auf Socken drucken, warst du selbst mit einigen dieser Stärker aus der Vorstellung entstandenen Bilder ziemlich kritisch.
00:29:13: Auch mit deinem Arzt Theophile Perron scheint du dich einigermaßen arrangiert zu haben.
00:29:19: Du schreibst über ihn das er nicht besonders viel mit dir redet und erstaunlicherweise scheint dir genau das ganz recht zu sein.
00:29:27: Und dann passiert etwas dass deine Zeit in Tsengremie immer wieder prägt.
00:29:31: Es geht ihr besser!
00:29:32: Du arbeitest, du hast Pläne Du denkst über deine Bilder nach und darüber, was du als Nächstes machen möchtest.
00:29:39: Und dann kommt wieder eine Krise!
00:29:41: Im Juli-Achzehnhundertundundundachtzig schreibst du Theo noch voller Energie über deine Arbeit.
00:29:47: Du möchteste einige deiner Bilder aus Arlen nochmal aufgreifen und neue Fassungen davon malen – und noch am selben Tag erleidtest du einen weiteren schweren Anfall … und plötzlich kannst du nicht mehr arbeiten… und dieses Mal dauert
00:30:00: es.".
00:30:01: Wochen lang bist du krank.
00:30:02: Perron verbietet dir zeitweise sogar das Malen, weil er befürchtet, dass deine Arbeit mit deinen Anfällen zusammenhängen könnte.
00:30:09: und ich glaube gerade das muss für dich besonders schlimm gewesen sein denn ausgerechnet das was Du selbst einmal als Blitzerbleiter für Deine Krankheit bezeichnet hast wird Dir nun genommen.
00:30:19: aber Doktor Perron hatte offenbar gute Gründe Dich zumindest zeitweise Formalen abzuhalten Denn während eines deiner schweren Anfälle sollst Du versucht haben Deine Farben zu essen.
00:30:31: Und plötzlich wirkt das Malverbot natürlich ganz anders.
00:30:35: Perron nimmt dir nicht einfach grundlos das weg, was dir gut tut.
00:30:38: Deine farben werden in diesem Zustand offenbar selbst zu einer Gefahr für dich und ich glaube genau diese Episode zeigt ziemlich gut wie schwierig es ist deine Zeit ins Hengremie einfach als Geschichte einer Genesung zu erzählen Denn so funktioniert sie nicht.
00:30:53: Es geht ihr nicht einfach immer besser aber es geht ja auch nicht immer schlechter.
00:30:58: Es kommt in Wellen Immer wieder.
00:31:00: Es gibt Phasen, in denen es dir gut geht.
00:31:02: Du bist voller Taten drangvolle Ideen.
00:31:05: Du malst beinahe ununterbrochen.
00:31:07: Schreib's Briefe Denkst über deine Bilder nach und planst die nächsten Und dann kommt wieder ein Absturz Manchmal so schwer Dass du überhaupt nicht mehr arbeiten kannst.
00:31:16: Dann erholst du dich wieder Du malzt wieder Und irgendwann kommt der nächste Anfall.
00:31:21: Und während ich deine Briefer aus dieser Zeit lese weiß ich natürlich was du nicht wissen kannst.
00:31:26: Hier bleibt nicht besonders viel Zeit.
00:31:32: Und weißt du, was ich furchtbar ironisch finde, Vincent?
00:31:35: Ausgerechnet jetzt kurz bevor wir uns dem Ende deiner Geschichte nähern passiert etwas.
00:31:41: Deine Bilder werden gesehen!
00:31:43: Sie hängen in Ausstellung nicht alleine sondern zusammen mit Werken anderer avagadistischer Künstler im Paris in Brüssel und plötzlich wird nicht mehr nur Theo auf deine Kunst aufmerksam.
00:31:56: Menschen sehen deine Bilder sie sprechen darüber Und dann passiert sogar etwas, von dem wir heute meistens erzählen.
00:32:03: Als wäre es beinahe ein Wunder!
00:32:06: Eines deiner Bilder wird verkauft – der rote Weingarten bei Aal.
00:32:10: Die belgische Künstlerin Anna Boch kauft das Bild für vierhundert Frans.
00:32:15: Es ist der einzige sicher dokumentierte Verkauf eines deiner Gemilde aus deiner Reifenschaften zu deinen Lebzeiten.
00:32:23: Ich weiß nicht wenn's sind.
00:32:25: Vielleicht berührt mich das gerade mehr als ich sollte Denn ich sitze hier, mehr als hundertdreißig Jahre später und weiß was du nicht weißt.
00:32:34: Ich weiß, was deine Bilder einmal wert sein werden!
00:32:37: Ich weiß das Millionen Menschen vor ihnen stehen werden, dass sie in Museen hängen werden, das Bücher über dich geschrieben werden und das Menschen deine Sonnenblumen auf Tassen drucken und deine Sternennacht auf Socken tragen.
00:32:49: Aber... Du weißt das alles nicht.
00:32:52: Du hast keine Ahnung, was einmal aus deinen Bildern werden wird.
00:32:56: Und jetzt?
00:32:57: Endlich kauft jemand eines.
00:33:00: Nicht Theo, nicht aus Mitleid.
00:33:02: Eine andere Künstlerin sieht dein Bild und möchte es haben.
00:33:07: Deine Kunst hat jemandem gefallen.
00:33:09: Jemand hat gesehen was du gemacht hast Und fand es wertvoll genug dafür Geld zu bezahlen.
00:33:15: Und in deinen Briefen bist du trotzdem vorsichtig.
00:33:18: Du hoffst!
00:33:19: Du überlegst ob vielleicht doch langsam etwas passiert.
00:33:23: Gleichzeitig machst du dir Sorgen darüber, ob du überhaupt genug Bilder hast um wirklich als Künstler auf dem Markt bestehen zu können.
00:33:30: Und beim Lesen möchte ich dir eigentlich die ganze Zeit sagen Vincent Du hast genug Bilder!
00:33:34: Du musst niemandem mehr etwas beweisen.
00:33:38: Aber natürlich kann ich dir das nur aus meiner Perspektive sagen Denn ich weiß wie diese Geschichte weitergeht und du nicht.
00:33:46: Dann entscheidest du dich Sengremie zu verlassen.
00:33:49: Du möchtest nicht dauerhaft zurück nach Paris Die Großstadt Das Leben dort, das ist nicht das was du jetzt brauchst.
00:33:56: Stattdessen solltest Du an einen ruhigen Ort.
00:33:59: Theo hat von einem Arzt gehört der sich für Künstler interessiert und Erfahrung mit psychischen Erkrankungen hat Dr.
00:34:06: Paul Gaché Und er lebt in einem kleinen Ort ungefähr dreißig Kilometer nordwestlich Von Paris Einem Ort, an dem ich mehr als hundertdreißig Jahre später selbst durch die Straßen laufen werde Auversurfs.
00:34:25: Und nun bist du also da, in Auversu-Euss.
00:34:29: Und hier begegnet uns wieder jemand über den später unglaublich viel erzählt werden wird – Dr.
00:34:35: Paul Gaché.
00:34:37: Eigentlich klingt er zunächst nach dem perfekten Arzt für dich.
00:34:40: Er interessiert sich für Kunst, kennt Künstler, beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen und malt und radiert selbst.
00:34:48: Später wird aber auch Gachés Teil der Legenden um dein Leben.
00:34:52: Es wird ihm vorgeworfen, werdendig ausgenutzt zu haben!
00:34:55: Bilder von dir haben zu wollen, die nicht ausreichend geholfen oder sogar zu deinem Tod beigetragen zu haben.
00:35:01: Wieso oft bei deiner Geschichte möchte ich davor sichtig sein?
00:35:05: Denn vieles davon sind spätere Interpretationen und du selbst bis von Gahed zunächst übrigens auch nichts restlos begeistert.
00:35:12: aber er macht etwas das für dich vermutlich ziemlich wichtig ist Er lässt dich malen Und du malest.
00:35:19: Aber bevor wir dazu kommen müssen wir erst einmal darüber reden wo du wohnst Denn eigentlich war für dich eine andere Unterkunft vorgesehen, die ist dir allerdings zu teuer.
00:35:29: Also suchst du dir selbst etwas günstigeres und landest im Aubert-Schraau – und winzend?
00:35:35: Da war ich!
00:35:37: Mehr als hundertdreißig Jahre später bin ich durch genau diese Tür gegangen.
00:35:41: Unten befindet sich heute noch das Café und oben kann man dein Zimmer besuchen.
00:35:46: Zimmer Nummer fünf Es ist winzig und heute ist es leer.
00:35:52: Nach deinem Tod wurde das Zimmer geräumt und nach damaliger Vorstellung wurden Gegenstände aus dem Zimmer eines Verstorbenen verbrannt.
00:36:00: Deine Bilder waren glücklicherweise nicht dort, sonst wäre vielleicht auch ein Teil deiner letzten Arbeiten verschwunden.
00:36:07: Aber ich greife vor Denn zunächst scheinst du dich in Umwelt einzuleben.
00:36:11: Die Menschen in der Herrberge erinnern sich später an dich als einen freundlichen eher zurückhaltenden Gast.
00:36:17: Du kommst regelmäßig zum Essen Und
00:36:19: v.a.,
00:36:20: du mahlst Unglaublich viel.
00:36:22: In ungefähr siebzig Tagen entstehen rund seventy-fünf Gemälde, dazu zahlreiche Zeichnungen – das muss man sich einmal vorstellen!
00:36:30: Mehr als ein Bild pro Tag.
00:36:32: Du meinst Häuser?
00:36:33: Gärten, Menschen, Felder, den Himmel über Uwehr….
00:36:37: du porträtierst Garshé und seine Tochter ….
00:36:39: du meinst das weiße Haus bei Nacht?
00:36:41: Und natürlich entstehen diese unglaublichen langgezogenen Landschaftsbildern mit den Weizenfeldern.
00:36:47: Und dann gibt es da noch eine kleine Geschichte die ich erst verstanden habe, nachdem ich selbst in Auberg gewesen war.
00:36:54: Im Museum hab' ich mich nämlich gewundert, warum dort ausgerechnet Küchenhandtücher verkauft werden... Ich dachte gut, Museumsshop?
00:37:02: Was auch immer!
00:37:04: Und später habe ich erfahren, dir war die Leinwand ausgegangen also hast du dir für eine Fassung von Dorbinis Garten ein Stück Küchentuch genommen und darauf weitergemalt.
00:37:13: Und ich finde wenn's dann kaum eine Geschichte könnte besser zu dir passen.
00:37:17: keine Leinwand mehr Dann eben Küchenhandtuch, Hauptsache du kannst weitermalen.
00:37:21: Wenn ich deine Bilder aus Urwehr anschaue bin ich versucht zu sagen vielleicht warst Du dort glücklich Aber da muss ich mich selbst wieder bremsen Denn ich kann aus einem hellen Bild nicht ablesen wie es dir psychisch ging.
00:37:33: Was Deine Briefe aber zeigen ist dass es zumindest Zeiten gibt in denen Du Hoffnung hast Du arbeitest, Du hast Pläne Du beschäftigst Dich mit Deiner Kunst und Mit der Zukunft.
00:37:45: Gleichzeitig machst Du Dir Sorgen um Theo, um Geld, um deine Zukunft und deine Stellung als Künstler.
00:37:51: Und dann besuchst du Theo in Paris.
00:37:58: Dein Besuch in Paris verläuft offenbar schwierig.
00:38:01: Theo hat selbst erhebliche Sorgen.
00:38:03: Sein kleiner Sohn ist krank.
00:38:05: Beruflich steht er an einem Wendepunkt.
00:38:08: Er überlegt schon länger seinen Arbeitgeber zu verlassen und sich als Kunsthändler selbstständig zu machen.
00:38:13: Dabei spielt auch Andries Bonga, Jos Bruder eine Rolle.
00:38:18: Theo hofft gemeinsam mit ihm ein eigenes Geschäft aufzubauen, doch Andries zieht seinen Zusage zurück.
00:38:25: Theo ist darüber ziemlich wütend und macht in einem Brief vor allem Andries Frau dafür verantwortlich.
00:38:31: Ob das so war können wir natürlich nicht wissen aber du bekommst diese Spannung mit und nach deinem Besuch in Paris scheint auch zwischen dir und Theo etwas in der Luft zu liegen.
00:38:42: ihr seid nichts zerstritten Das möchte ich ganz deutlich sagen.
00:38:45: Aber Theo macht sich Sorgen um dich Und auch Jo fragt sich später, ob dieser Besuch vielleicht zu viel für dich gewesen ist.
00:38:52: Du kehrst nach Urwehr zurück und wenn wir heute deine Bilder aus diesen letzten Wochen anschauen passiert etwas Interessantes!
00:39:00: Wir suchen darin nach deinem Tod – da sind Krähen über dem Weizenfeld die dunklen Himmel, die Wurzeln.
00:39:08: Weizenfelt mit Kräen wird sogar immer wieder als dein letztes Bild bezeichnet, als würde man darin bereits deinen bevorstehenden Tod erkennen
00:39:16: können.".
00:39:17: Aber das war es wahrscheinlich gar nicht.
00:39:20: Dein letztes Bild war nach heutigem Forschungsstand vermutlich Baumwurzeln und selbst darin suchen wir wieder nach Symbolen, Wurzeln abgeschnitten freigelegt haltlos.
00:39:32: Vielleicht bedeutet das etwas vielleicht aber auch nicht.
00:39:37: ein düsteres Bild ist schließlich kein Abschiedsbrief.
00:39:40: Und dann kommt der siebenundzwanzigste Juli.
00:39:44: An diesem Morgen arbeitest du wahrscheinlich noch an diesen Baumwurzel.
00:39:48: Am Nachmittag verlässt Du die Aubert-Schravu und irgendwann an diesem Tag fällt ein Schuss, eine Kugel trifft Dich in den Oberkörper!
00:39:58: Und wieder bin's sind.
00:40:00: stehen wir vor dem selben Problem wie bei Deinem Ohr?
00:40:03: Wir wissen nicht mit letzter Sicherheit was passiert ist.
00:40:06: Die allgemeinen akzeptierte Rekonstruktion lautet dass Du Dir selbst mit einem Revolver in die Brust schießt Aber du stürbst nicht sofort.
00:40:15: Du schaffst es zurück zur Aubert-Schrabu.
00:40:18: Als du nicht wie gewohnt zum Abendessen erscheinst, wird man auf dich aufmerksam und findet dich schließlich schwer verletzt in deinem Zimmer.
00:40:26: Dr.
00:40:26: Ghashid wird gerufen.
00:40:28: Theo erhält Nachricht... ...und am nächsten Tag kommt dein Bruder nach Auvert.
00:40:33: Er bleibt bei dir!
00:40:34: Und natürlich haben wir auch um deinen Todlegenden gebaut.
00:40:38: Mehr als hundert Jahre später wird beispielsweise die Theorie aufgestellt, dass du dich überhaupt nicht selbst erschossen hast.
00:40:44: Dass vielleicht Jugendliche aus dem Ort mit deinem Revolver handiert und der Schuss von einem von ihnen kamen.
00:40:50: Auch dafür wurden Argumente gesammelt aber bewiesen ist es nicht.
00:40:55: Der Forschungsstand geht weiterhin davon aus das du dir die Schussverletzung selbst zugefügt hast.
00:41:00: Warum?
00:41:02: Auch darauf gibt es keine einfache Antwort.
00:41:05: Vielleicht spielten deine Sorgen um Theo eine Rolle.
00:41:08: Vielleicht die Angst vor einer weiteren Erkrankung, deiner eigene Zukunft Deine Einsamkeit Das Gefühl deinem Bruder zur Last zu fallen.
00:41:18: Vielleicht Vieles gleichzeitig.
00:41:22: Aber auch hier möchte ich dir keine Gedanken in den Kopf legen Die du uns nicht selbst hinterlassen hast.
00:41:28: Was wir wissen ist das Ende.
00:41:31: Am neunzwanzigsten Juli, achtenhundertneinzig stirbst du.
00:41:35: Du bist siebenunddreißig Jahre alt Theo ist bei dir.
00:41:43: Und was keiner von euch beiden in diesem Zimmer ahnen kann, Theo wird ihr sehr bald folgen.
00:41:50: Nur sechs Monate später am fünfundzwanzigsten Jahr nur achtzehnhundertneinundneunzig stirbt auch er.
00:41:55: Er ist gerade einmal dreiunddreißig Jahre alt.
00:41:58: als Todesursache werden heute meist die Folgen einer Sofileserkrankung angenommen und damit könnte eure Geschichte eigentlich enden tut sie aber nicht Denn jetzt kommt eine Frau ins Spiel, über die ich am Anfang dieser Folge noch gar nicht gesprochen habe.
00:42:12: Jo van Goghbonga – Tios Frau.
00:42:16: Nach seinem Tod steht Jo plötzlich mit einem kleinen Kind da und mit einem gewaltigen Nachlass ihres Schwagers Deinen Bildern, deinen Zeichnungen und euren Briefen.
00:42:27: Und Jo entscheidet sich dass das alles nicht einfach verschwinden wird.
00:42:31: Sie organisiert Ausstellungen.
00:42:32: Sie bringt deine Bilder zu Kunsthändlern, sie leit Werke aus, verkauft sie ganz bewusst und arbeitet daran dass Menschen deine Kunst sehen.
00:42:41: Und schließlich veröffentlicht sieht es von nineteen hundert vierzehn auch deine Briefe an Theo.
00:42:46: Ich glaube Vincent wenn ich mich bei Theo dafür bedanken muss das wir heute so viele deiner Gedanken kennen dann muss ich mich auch oder erst recht bei Jo bedanken Denn ohne sie würden wir dich heute vielleicht ganz anders kennen.
00:42:58: Vielleicht würden wir Dich überhaupt nicht kennen.
00:43:01: und damit komme ich eigentlich wieder ganz an den Anfang dieses Briefes zurück.
00:43:05: Ich habe ja erzählt, dass ich durch meine Oma zur Kunst gekommen bin Dass ich als Kind mit ihr in Ausstellung gegangen bin Das ich mich in die Tiere von Franz Marc verliebt habe Und das meine OMA irgendwann zu mir gesagt hat Wenn dir diese Farben gefallen dann schau dir einmal Fangoch an.
00:43:21: Damit hat sie etwas in Gang gesetzt mehr als hundert Jahre nach deinem Tod.
00:43:26: Und genau das finde ich so merkwürdig, Vincent!
00:43:29: Du konntest nicht wissen was du da geschaffen hast?
00:43:31: Als ich in Auversiois in deinen Zimmer stand habe ich ziemlich darüber nachgedacht Denn wenn man an einem historischen Ort steht passiert manchmal etwas dass kein Buch so richtig leisten kann.
00:43:45: Geschichte bekommt plötzlich ein Raum.
00:43:47: Dein Zimmer ist klein Heute ist es leer und ich stand dort wo du deine letzten Stunden verbracht hast und konnte auf einmal nicht mehr nur anfangen, doch den berühmten Künstler denken.
00:43:59: Ich musste an dich als Menschen denken!
00:44:01: Und vielleicht hat mich deshalb etwas an der Art gestört wie deine Geschichte manchmal erzielt wird?
00:44:07: Der wahnsinnige Künstlern das abgeschnittene Ohr...der Selbstmord Ende.
00:44:14: Aber das ist mir zu einfach.
00:44:16: Wir haben von dir etwas dass wir von vielen Menschen des neunzehnten Jahrhunderts überhaupt nicht haben Hunderte Briefe.
00:44:22: Wir können lesen worüber du nachgedacht hast, was dich beschäftigt hat, welche Bücher du gelesen hast, welche Bilder du malen wolltest, wann dir das Geld ausgegangen ist, wann du dich mit Theo gestritten hast.
00:44:34: Wann du Hoffnung hattest?
00:44:35: Wann Du Angst hattst?
00:44:37: Waren du krank warst und wann du einfach nur wissen wolltest wann endlich die nächste Lieferung Farbe kommt.
00:44:43: Natürlich kennen wir Dich dadurch nicht vollständig aber wir kommen Dir ungewöhnlich nahe!
00:44:48: Und vielleicht mach mich deshalb Dein Ende so traurig denn... Ich weiß etwas, dass ich dir während dieses ganzen Briefes am liebsten ständig zugerufen hätte.
00:44:58: Minzant!
00:44:59: Es hat funktioniert!
00:45:00: Die Menschen sehen deine Bilder.
00:45:02: Sie stehen vor deinen Sonnenblumen Vor deinen Selbstportries Vor deinen Olivenbäumen Vor der Sternenmacht.
00:45:09: Sie lesen deine Briefe Sie schreiben Bücher über dich.
00:45:13: Sie reisen nach Obersoys und stehen in deinem kleinen Zimmer.
00:45:17: Sie tragen deine Bilder sogar auf Socken.
00:45:20: Ich hab da einen Freundinnen Und ich habe ihr eine kleine Tasche mit deiner Bilder mitgebracht.
00:45:25: Plötzlich standen wir da mehr als hundertdreißig Jahre nach dem Tod und haben über dich gesprochen!
00:45:31: Du bist immer noch da, vielleicht ist genau das Tragische an deiner Geschichte.
00:45:36: Du hast nie erfahren was du geschaffen hast, wie viele Menschen deine Bilder einmal berühren würden.
00:45:44: Du hattest nie die Möglichkeit von diesem unglaublichen Erfolg zu profitieren.
00:45:50: Heute werden mit deinem Namen, deinen Bildern und deinen motiven Millionen verliehen.
00:45:56: Deine Werke gehören zu den bekanntesten und wertvollsten der Welt!
00:46:00: Und du?
00:46:01: Du hast noch auf ein Küchenhandtuch gemalt weil dir die Leinwand ausgegangen ist.
00:46:05: Ich wünschte...du hättest das gewusst Lieber Vincent.
00:46:11: Danke für deine Farben Und danke Für deine Worte.
00:46:15: Und damit möchte ich diesem Brief eigentlich so beenden wie du auch so viele deiner Briefe beendet hast Und damit sind wir am Ende meiner kleinen Frankreich-Reihe angekommen.
00:46:35: Zugegeben, die heutige Folge war wahrscheinlich eine der persönlichen Folgen dieses Podcasts Aber nachdem Vincent van Gogh uns durch seine Briefe selbst so viel von seinem Leben hinterlassen hat erschien es mir irgendwie passend auch ihm in Form eines Briefes zu begegnen Und nächste Woche verlassen wir Frankreich.
00:46:52: Beziehungsweise eigentlich reisen wir gleich durch Halb-Europa, denn die kommenden drei Folgen beschäftigen wir uns mit einem Thema das sich eine liebe Freundin von mir gewünscht hat – dem schwarzen Tod!
00:47:02: Wir schauen uns an was während der großen Pestpandemie des vierzehn Jahrhunderts eigentlich passiert ist welche Geschichten darüber heute noch erzählt werden und welche davon überhaupt stimmen.
00:47:12: Wenn euch diese Folge gefallen hat, freue ich mich natürlich wie immer wenn ihr just an der Weihgeschichtspotcast abonniert.
00:47:18: Den Podcast folgt und mir auf der Plattform eurer Wahl eine Bewertung darlässt!
00:47:22: Und natürlich könnt ihr mir auch diesmal bei Kofi wieder ein historisch mehr oder weniger passendes Getränk ausgeben... ...und nach Vincent van Gogh kann es natürlich nur eines geben.
00:47:31: Absinnt die grüne Fee!
00:47:33: Und weil wir in einem historischen Podcast sind gibt's das natürlich auch hierzu wieder einen historischen Fun Fact.
00:47:39: Absint wurde im Jahrhundert vor allem in Frankreich unglaublich populär und bekam wegen seiner charakteristischen grünen Farbe den Spitzlamen La Fée Verte, die Grüne Fee.
00:47:50: Und um Absint rankten sich ähnlich viele Geschichten wie um Vincent van Gogh selbst.
00:47:54: Ihm wurden Halluzinationen, Bahnsinn und alle möglichen andere Wirkungen zugeschrieben – häufig wegen des im Wermund enthaltenen Toschungs.
00:48:02: Heute wissen wir allerdings dass der große Böse nicht wahrscheinlich wesentlich banaler war… Alkohol!
00:48:08: Historischer Absinnt war sehr hochprozentig und viele der angeblich ganz besonderen Absinnwirkungen lassen sich wesentlich besser durch hohen Alkohol-Konsum erklären.
00:48:17: Trotzdem wurde die Grüne Fee Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in zahlreichen Ländern verboten, um zu einem Symbol für Dikadenz, Bohem und den angeblichen moralischen Verfalle der Künstlerwelt.
00:48:28: – also Wenn ihr mir heute einen virtuellen Absinnt ausgebt, verspreche ich dass ich ihn ausschließlich zu Forschungszwecken trinke.
00:48:36: Und dann hören wir uns ja auch schon nächste Woche wieder!
00:48:39: Ich freue mich darauf mit euch auch beim nächsten Mal wieder gemeinsam in den Strudel der Geschichte einzutauchen und wenn ihr Fragen habt Themenvorschläge loswerden wollt oder einfach Lust habt mit mir über Geschichte zu quatschen findet ihr mich auf Instagram unter just.anava.geschichtspodcast Oder schreibt mir eine Mail an Just Donada-Geschichtspodcast at gmail.com.
00:48:59: Ich freue mich immer über eure freundlichen Nachrichten und vielleicht könnt ihr mir ja schreiben, was euer Lieblingsbild von Vincent van Gogh ist.
00:49:08: Bis zum nächsten Mal Macht's gut!
00:49:10: Ciao.
00:49:12: Quellen dieser Folge.
00:49:14: Für diese Folge habe ich mich vor allem mit vinceens erhaltenen Briefen beschäftigt.
00:49:18: Unter anderem habe ich dann mit der deutschen Reklam Ausgabe gearbeitet sowie mit der wissenschaftlich kommentierten Onlineausgabe Vincent Van Gogh The Letters den Materialien und Werkangaben des Fangoch-Museums sowie mit verschiedenen biografischen Darstellungen.
00:49:33: Ausschnitte habe ich außerdem auf Swivian Foresters Fangoch oder das Begretnis im Weizen gelesen.
00:49:38: Musik und Sound, Dammen soweit nicht anders angegeben von Pixabay.
00:49:43: Vielen Dank fürs Zuhören!
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