Der schwarze Tod - Ratten, Schnabelmasken und andere Mythen
Shownotes
Ratten, Schnabelmasken und andere Mythen
Ratten verbreiteten den Schwarzen Tod, Pestärzte liefen mit Schnabelmasken durch mittelalterliche Gassen und ein Drittel Europas starb – oder?
In Teil 2 unserer Pest-Reihe nehmen wir einige der bekanntesten Bilder und Mythen rund um den Schwarzen Tod auseinander. Wir sprechen über fliegende Pestleichen in Kaffa, Körperläuse und überraschend saubere mittelalterliche Menschen, über die Brunnenvergiftungslegende und die Verfolgung jüdischer Gemeinden, über Pestärzte und Schnabelmasken – und darüber, warum Samuel Pepys, London 1665 und das Pestdorf Eyam eigentlich gar nicht zum Schwarzen Tod gehören.
Denn unser heutiges Bild der Pest ist vor allem eines: ein Best-of aus mehreren Jahrhunderten Pestgeschichte.
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**Literatur & Quellen
Überblick**
Klaus Bergdolt: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. C.H. Beck. Klaus Bergdolt: Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters. C.H. Beck. Joseph P. Byrne: Daily Life during the Black Death. Greenwood Press, 2006.
Übertragung, Ratten und Läuse
Katharine R. Dean et al.: “Human ectoparasites and the spread of plague in Europe during the Second Pandemic.” PNAS, 2018. David M. Bland et al.: “Yersinia pestis can infect the Pawlowsky glands of human body lice and be transmitted by louse bite.” PLOS Biology, 2024. CDC: Informationen zu Übertragungswegen und heutigen Pestfällen.
Sterblichkeit und regionale Unterschiede Adam Izdebski et al.: “Palaeoecological data indicates land-use changes across Europe linked to spatial heterogeneity in mortality during the Black Death pandemic.” Nature Ecology & Evolution, 2022. Daniel R. Curtis: “Reduction in grain pollen indicates population decline, but not necessarily Black Death mortality.” Nature Ecology & Evolution, 2022.
Hygiene und Alltag
Uwe Gross: Archäologische Beiträge zur Hygiene im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.
Weitere Quellen
Gabriele de’ Mussi zur Belagerung von Kaffa. Quellen zu den Pestverfolgungen 1348/49 und den Schutzmaßnahmen Papst Clemens’ VI. Samuel Pepys: Diary, insbesondere die Einträge zur Großen Pest von London 1665. The National Archives: Materialien zur Great Plague of London. Eyam Museum: zeitgenössische Quellen, Opferlisten und Materialien zur Pest von Eyam 1665/66. Historic England: Materialien zu Eyam und Cucklet Delf.
Transkript anzeigen
00:00:06: Just another Geschichte-Podcast von einer an der Realität gescheiterten Historikerin.
00:00:14: Ah bis Salü und guten Tag, hier ist Corinna und willkommen im Strodel der Geschichte!
00:00:20: Vielen Dank erst einmal für eure lieben Nachrichten zur letzten Folge.
00:00:24: natürlich auch vielen dank an Barbara die mir bei Kofi einen Rose Lemon Fizz ausgegeben hat.
00:00:30: Ich habe von meiner lieben Freundin Melissa eine Nachricht bekommen, die ziemlich perfekt zu unserer heutigen Folge passt.
00:00:36: Melissa hat mir nämlich schon einer Ratte am Wormsadom erzählt.
00:00:40: Hoch oben am Worgmsadom befindet sich eine kleine steinende Ratte, die mit der Pest in Verbindung gebracht wird.
00:00:47: Denn Wormswood im seventejahrhundert auch schwer von der Peste getroffen und diese kleine Ratte erinnert der Legende nach daran!
00:00:55: Und damit sind wir eigentlich schon mitten im Thema Denn wenn wir heute an den Schwarzen Tod denken, haben wir ziemlich konkrete Bilder im Kopf.
00:01:03: Ratten, Flöhe Schnabelmasken Pestärzte Menschen die tot auf der Straße liegen Vielleicht Samuel Pips und die große Pest von London vielleicht sogar das kleine Englische Dorf AIM dass ich freiwillig von der Außenwelt abschottete.
00:01:21: Nur haben diese Dinge ein kleines Problem Sie gehören nicht alle zum schwarzen Tod.
00:01:26: Manche davon stammen aus dem XIV.
00:01:27: Jahrhundert, andere aus dem XVVI.
00:01:30: oder XVII.
00:01:31: Jahrhuntern.
00:01:32: Manche sind historische Tatsachen, manche sind umstritten und manche haben sich erst im Lauf der Jahrhunderte zu dem Bild entwickelt das wir heute von der Pest haben.
00:01:42: Wir haben uns da ein Best-of aus mehreren Jahrhunderten Pestgeschichte zusammengestellt Und genau dieses Best-off nehmen wir heute einmal auseinander.
00:01:57: Und wir fangen direkt mit etwas an, bei dem ich mich selbst ein bisschen schuldig bekennen muss.
00:02:02: Denn seit Beginn dieser Reihe rede ich die ganze Zeit von Schwarzen Tod.
00:02:06: Nur hätten die Menschen, die in der Katastrophe steckten, mit dieser Bezeichnung wahrscheinlich relativ wenig anfangen können.
00:02:15: Zeitgenöstisch begegnten uns da ganz andere Begriffe – in lateinischen Quellen beispielsweise Mortalitas Magna also das große Sterben Pestes Magna oder ähnliche Bezeichnungen Und regional war das natürlich auch alles wieder komplett unterschiedlich.
00:02:32: Trotzdem tauchte der Schwarze Tod, auch in dieser Zeit schon einmal auf!
00:02:36: Der französische Dichter und Astrologhe Simone de Couveur verwendete um dreizehnhundertfünfzig tatsächlich einmal den lateinischen Ausdruck Mors Nigra – also schwarzer Tod.
00:02:48: Aber das war kein etablierter Name für die Pandemie... Und auch die Vorstellung, die Krankheit sei einfach deshalb schwarzer Tod genannt worden.
00:02:55: Weil erkrankte Schwarze Flecken oder schwarz verfärbte Körperteile bekam ist problematisch.
00:03:01: Schwarz konnte schon lange vorher metaphorisch für etwas Schreckliches Unheilvolles Oder Tödliches stehen.
00:03:08: Schon in antiken Texten begegnen uns entsprechende Bilder.
00:03:12: Der schwarze Tod Als feststehende Bezeichnung für die Pandemie des vierzehnten Jahrhunderts setzte sich erst sehr, sehr viel später durch.
00:03:21: Im neunzehnden Jahrhundert trug beispielsweise Justus Hackers' Achtzehnhundertdreißig erschienenes Werk den Titel Der schwarze Tod im vierzehnten Jahrhunder.
00:03:31: Ein Jahr später erschien eine englische Übersetzung mit The Black Death und Die Bezeichnungen wurde immer populärer.
00:03:39: Das heißt also wenn ich hier seit zwei Folgen vom Schwarzen Tod rede benutze ich einen Begriff, den Menschen über die ich so spreche selbst gar nicht benutzt hätten.
00:03:49: Also benutzte ich einen sogenannten Anakronismus Aber ich werde ihn auch weiterhin benutzen Denn als heutiger historischer Begriff ist der unglaublich prägend Es düster Eindrücklich Fast schon personifiziert.
00:04:04: aber Der Name ist bei Weitem nicht das einzige was wir im Laufe der Jahrhunderte zum schwarzen Tod hinzugefügt haben.
00:04:17: Eine dieser Geschichten habe ich euch in der letzten Folge ganz bewusst vorenthalten, und zwar die Geschichte von Kaffa.
00:04:23: Kaffaa war eine genuhesische Handelsstadt auf der Krimm und wurde Mitte des vierzehnten Jahrhunderts von Truppen der Goldenen Horde unter Khan Janibek belagert – und während dieser Belagerung soll unter den Belagerern die Pest ausgebrochen sein!
00:04:37: Jetzt kommt der Teil, den ihr wahrscheinlich schon einmal irgendwo gehört habt….
00:04:41: Die Belagerer sollen die Leichen ihrer an der Pest gestorbenen Männer mit Belagerungsmaschinen über die Stadtmauern von Kaffa geschleudert haben.
00:04:51: Biologische Kriegsführung im Mittelalter Eine Pestleiche nach der anderen fliegt über die Stadtmauer, die Menschen in Kaffaa erkranken, fliehen anschließend mit ihren Schiffen und bringen die Pest nach Europa.
00:05:04: Das Problem ist nur... wir wissen nicht ob das so passiert ist.
00:05:08: Die berühmte Geschichte stammt vor allem aus dem Bericht von Gabriele de Mussis.
00:05:13: Und de Mussi war sehr wahrscheinlich überhaupt kein Augenzeuge der Belagerung, das heißt nicht dass die Leichenwürfe definitiv nicht stattgefunden haben.
00:05:23: wir können sie nur nicht als gesichertes historisches Ereignis behandeln.
00:05:27: und selbst wenn tatsächlich Pest-Leichen über die Mauern geschleudert wurden können wir daraus nichts schließen, dass genau dadurch die Peste in Kaffee ausgebrochen ist.
00:05:36: Die Stadt war in ein riesiges Handelsnetz eingebunden.
00:05:40: Menschen, Waren und Tiere bewegten sich durch die Schwarzmeerregion und die Pest zirkulierte dort bereits.
00:05:46: Wie genau sie schließlich nach Kaffa gelangte Und welche Übertragungswege dort eine Rolle spielten?
00:05:52: Wir wissen es nicht genau Aber eine Pestleiche, die über eine mittelleiterliche Stadtmauer fliegt Erzählt sich einfach verdammt gut!
00:06:01: Und wenn es nicht die Fliegen in Leichen waren Dann waren es ja vielleicht doch die Ratten.
00:06:11: Wenn wir an die Pest denken, dann ist da eigentlich fast immer eine Ratte.
00:06:16: Sterbende Menschen, enge, dreckige mittelalterliche Gassen, Müll und irgendwo huscht eine kleine Ratte durchs Bild Und sogar am Wormsadoben sitzt sie bis heute.
00:06:28: Die klassische Erklärung für die Ausbreitung der Pest ist relativ einfach Rattentragenflöhe.
00:06:34: Diese Flöhe nehmen Yasinia pestes auf.
00:06:37: Die Ratten sterben, die Flöhe suchen sich einen neuen Wirt und stechen Menschen.
00:06:42: Und grundsätzlich ist dieser Übertragungsweg absolut real!
00:06:47: Ratten- und zahlreiche andere Nagetiere können natürliche Reservoirwürte von Jesina Pestis sein – uninfizierte Flöhen können die Krankheit auf Menschen übertragen.
00:06:56: Nur stellt sich mittlerweile die Frage ob dieses klassische Modell tatsächlich ausreicht um die enorme Geschwindigkeit zu erklären mit der sich der Schwarze Tot durch Europa bewegte?
00:07:06: In den letzten Jahren untersuchte eine Forschungsgruppe die Mortalitätsverläufe von neuen europäischen Pestausbrüchen und verglich verschiedene Übertragungsmodelle miteinander.
00:07:17: Dabei passte ein Modell mit menschlichen Ektoparasiten, also beispielsweise Körperläusen oder möglicherweise Menschenflöhen besser zu den beobachten Sterblichkeitskurven als das klassische Modell Ratten- und Rattenflöhnen.
00:07:32: und in einem Laborexperiment gezeigt werden, dass menschliche Körperläuse Jehesinia pestes tatsächlich aufnehmen und durch ihn bis weitergeben können.
00:07:43: Das beweist natürlich nicht das Körperläusel während des Schwarzen Todes der entscheidende Übertragungswegwahn – aber es zeigt, dass dieser Weg grundsätzlich möglich ist!
00:07:51: Auch Historiker wie Samuel Cohen Und Philips Lavin haben darauf hingewiesen, dass die enorme Geschwindigkeit der mittelalterlichen Pest nicht besonders gut zu der Vorstellung passt das langsam wandende Ratten allein die Krankheit durch Europa getragen haben.
00:08:07: Möglicherweise verbreitete sich die Pest sehr viel stärker innerhalb menschlicher Gemeinschaften und auch hier wird es wieder kompliziert Denn von Mensch zu Mensch bedeutet nicht automatisch, dass jeder Pestkranke seinen Nachbarn angehustet hat.
00:08:23: Bei der Lungenpest ist eine direkte Übertragung über infektiöse Tröpfchen möglich.
00:08:29: Bei der Bollenpest könnten dagegen menschliche Flühe oder Körperläuse eine Rolle gespielt haben und natürlich verschwinden die Ratten deswegen nicht aus der Geschichte.
00:08:38: Ratten und andere Nagetiere sind tatsächliche Reservoirwirte der Pest, der klassische übertragungsweg über Nagetierflühe existiert.
00:08:47: nur waren die Ratten wahrscheinlich nicht allein dafür verantwortlich, dass sich der schwarze Tod so unglaublich schnell ausbreiten konnte.
00:08:54: Also herzlichen Glückwunsch raten!
00:08:57: Ihr seid frei gesprochen.
00:08:59: Na ja zumindest teilweise... Denn welche Übertragungswege beim Schwarzen Tod wann und wo welche Rolle spielten wissen wir bis heute nicht.
00:09:08: Es ist kompliziert Aber eine Ratte macht sich auf einen mittelalterlichen Wasserspeyer einfach besser als eine Körperlaus.
00:09:17: Moment mal Körperläuse, Flöhe, Engelgassen.
00:09:22: Dann lag das also vielleicht doch daran dass die Menschen im Mittelalter einfach unglaublich dreckig waren?
00:09:28: Nein!
00:09:29: Auch so einfach ist es nicht.
00:09:37: Natürlich gab es im Mittelalter keine moderne Kanalisation, keine Keimtheorie und keine Hygienestandards wie wir sie heute kennen.
00:09:45: Aber die Vorstellung, dass mittelalterliche Menschen grundsätzlich ungewaschen durch ihre eigenen Fekalien liefen, niemals badeten und ihren Nachttopf morgens einfach aus dem Fenster kippten ist ein ziemlich hartnäckiges Klischee.
00:09:59: Menschen wurschen sich!
00:10:01: Hände und Gesicht wurden regelmäßig gereinigt und gerade das Händewaschen vor- und während der Mahlzeiten später eine wichtige Rolle.
00:10:09: Seife war bekannt und wurde beispielsweise aus Fetten und Lauge hergestellt.
00:10:13: Auch Seifenkraut konnte zur Reinigung verwendet werden.
00:10:16: Und wir können das teilweise sogar archäologisch nachweisen!
00:10:20: Es gibt sogenannte Aquamanilien, Gefäße zum Händewaschen die teilweise in ziemlich fantastischen Tierformen gestaltet wurden Löwen wieder Drachen und andere Tiere.
00:10:31: Solche Waschgefäße finden wir unter anderem auf Burgen inklöstern und entstätten.
00:10:36: Später finden wir auch fest installierte Lavabos und sogar Halterungen für Handtücher.
00:10:42: Und natürlich gab es Badehäuser.
00:10:44: In vielen mittelalterlichen Städten konnte man öffentliche Badestuben besuchen, dort ging es nicht ausschließlich um Körperreinigung.
00:10:51: Badestuben waren auch soziale Orte aber Menschen gingen eben durchaus baden auf dem Land dann eben in Seen oder Flüssen.
00:10:59: Wer wohlhabend genug war, konnte auch privat baden.
00:11:03: Wasser wurde erwärmt und teilweise mit Kräutern Blumen oder anderen aromatischen Zusätzen versehen.
00:11:09: Auch Städte machten sich durchaus Gedanken darüber, wohin Abfälle und Fekalien verschwinden sollten.
00:11:15: Es gab Platrinen- und Abortgruben, teilweise Entwässerungssysteme und Vorschriften zur Entsorgung von Abfällen – und natürlich Menschen, deren ziemlich undankbare Aufgabe darin bestand, solche Gruben wiederzulehren!
00:11:28: Das heißt nicht, dass eine mittelalterliche Stadt aus heutiger Sicht hygienisch gewesen wäre.
00:11:32: Natürlich gab es Probleme.
00:11:34: viele Menschen lebten auf engem Raum zusammen Tiere befanden sich mitten in der Stadt Abfälle und Fekalien konnten Straßenböden und Wasser verunreinigen Brunnen konnten kontaminiert werden Und es gab eben noch keine moderne Kanalisation.
00:11:49: Aber das Entscheidende ist den menschen war sauberkeit nicht egal.
00:11:53: Sie wuschen sich und versuchten, mit Möglichkeiten und dem Wissen ihrer Zeit ihre Umgebung sauber zu halten.
00:11:59: Und außerdem reden wir über ungefähr tausend Jahre europäische Geschichte – über vollkommen unterschiedliche Regionen und über Menschen mit Volk unterschiedlichen finanziellen Mitteln!
00:12:10: Die Menschen im Mittelalterwaren.
00:12:11: dreckig ist deshalb schon allein als Aussage ziemlich schwierig... ...und Yasinia Pestes interessiert sich herzlich wenig dafür ob ihr heute morgen euer Gesicht gewaschen habt….
00:12:21: Schlechte hygienische Bedingungen, dichtes Zusammenleben und Parasiten können die Ausbreitung von Krankheiten natürlich begünstigen.
00:12:30: Aber daraus wird nicht automatisch – Mittelalter ist gleich dreckig, ist gleich pest!
00:12:36: Und erinnert ihr euch noch an die Brunnen aus der letzten Folge?
00:12:40: Auch sie konnten natürlich verunreinigt werden.
00:12:42: Nur ist verunrennigtes Brundenwasser kein typischer Übertragungsweg von Yasinia Pestis der ein bisschen anders ist als die bisherigen.
00:12:59: Denn das hier ist eigentlich kein moderner Mythos über den schwarzen Tod, es ist ein Mythos aus der Zeit der Pest selbst und einer der unabhängig von Jesinia-Pestes für den Tod sehr vieler Menschen sorgte.
00:13:13: Denn erinnert ihr euch an die Brunnen aus der letzten Folge?
00:13:15: Während sich die Pest durch Europa ausbreitete verbreiterte sich gleichzeitig die Behauptung die Juden haben den Brunnan vergiftet und auch dieser Vorstellung entstand nicht erst mit dem Schwarzen Tod.
00:13:27: Bereits treibten hundertundzwanzig, also mehr als zwanzig Jahre vorher, kursierten während der Verfolgung von Lebrakranken in Frankreich Geschichten über eine angebliche Verschwörung zur Vergiftung von Brunnen.
00:13:38: Dabei wurden schließlich auch Juden beschuldigt hinter dieser Verschwörungen zu stecken.
00:13:42: Die Idee war also bereits vorhanden – dann kam die Pest!
00:13:46: Menschen starben innerhalb kürzester Zeit, niemand verstand warum….
00:13:50: Und die Suche nach einem Schuldigen begann.
00:13:53: Unter Folter wurden vermeintliche Geständnisse erzibungen, Grüchte verbreiteten sich von Stadt zu Stadt.
00:13:59: Und teilweise waren die Anschuldigungen schon angekommen bevor die Pest selbst eine Region überhaupt erreicht hatte.
00:14:05: Die Folgen waren verheerend.
00:14:07: In zahlreichen europäischen Städten kam es zu pogrom gegen jüdische Gemeinden unter anderem in Basel Nürnberg Frankfurt und vielen weiteren Orten.
00:14:17: eines der bekanntesten Beispiele ist Straßburg.
00:14:20: Am vierzehnten Februar, Dreizehnhundertundvierzig wurde ein großer Teil der jüdischen Gemeinde der Stadt auf einem Scheiterhaufen verbrannt.
00:14:28: Kroniken sprechen von bis zu etwa zweitausend Menschen wobei wir auch diese Zahlen wie so häufig mit Vorsicht behandeln müssen.
00:14:36: Auch gibt es Berichte über die Pogrome in beispielsweise Frankfurt, die die komplette jüdische Gemeinde ausrotteten.
00:14:44: und natürlich ging es dabei nicht ausschließlich um Angst vor der Pest.
00:14:49: Antijüdische Vorurteile und religiöse Feindbilder existierten längst.
00:14:54: Hinzu kamen wirtschaftliche und politische Interessen, Schulden, Besitz- und Machtspielten bei der Verfolgung ebenfalls eine Rolle.
00:15:01: Auch Kaiser Karl IV spielte dabei eine ziemlich problematische Rolle.
00:15:06: In mehreren Städten wurde bereits im Vorfeld Regelungen darüber getroffen was mit jüdischem Besitz geschehen sollte falls die Gemeinde getötet oder vertrieben würde.
00:15:15: Gleichzeitig ist seine Politik gegenüber jüdischen Gemeinden insgesamt komplexer, als das man einfach sagen könnte.
00:15:22: Er habe die Brunnen-Vergiftungslegende verbreitet.
00:15:25: Allerdings hat er sich auch nicht wirklich dafür eingesetzt dass die Pogroma enden.
00:15:29: Es gab allerdings auch Widerspruch.
00:15:31: Papst Clemens der Sechste stellte sich und versuchte Juden zu schützen Und seine Argumentation war eigentlich ziemlich logisch.
00:15:42: Auch Juden starben an der Pest und die Pest trat auch an Orten auf, an denen überhaupt keine Juden lebten.
00:15:48: Die Pest hat den Anti-Uradismus nicht geschaffen.
00:15:51: Die Vorurteile, Ausgrenzung und Gewalt waren längst vorhanden.
00:15:55: Die Peste wirkte lediglich wie ein Brandbeschleuniger.
00:15:59: Ich glaube bei diesem Thema möchte ich das für diese Folge erst einmal belassen Denn es ist sein ziemlich harter Mythos.
00:16:08: Wenden wir uns jetzt eine Mythos zu, bei dem zumindest niemand auf einem Scheiterhaufen landet.
00:16:13: Dafür begegnet uns jetzt die Zahlen, die sich ziemlich tief in unser Bild vom schwarzen Tod eingebrannt hat.
00:16:19: Ein Drittel!
00:16:22: Ein Drittel der europäischen Bevölkerung soll am Schwarzen Tod gestorben sein.
00:16:28: Aber stimmt das eigentlich?
00:16:37: Nun ja... Das müssen wir mit einem ganz ganz klaren Jein beantworten.
00:16:45: Denn dass der Schwarzer Tod einen gewaltigen Teil der europäischen Bevölkerung getötet hat, steht außer Frage – wie viele Menschen es aber tatsächlich waren?
00:16:54: Darüber wird bis heute heiß diskutiert.
00:16:57: Je nachdem welche Schätzung man zugrunde legt ist von mehreren Dutzend Millionentoten in Europa die Rede.
00:17:02: Teilweise geht die Forschung davon aus, dass mehr als die Hälfte der europäischen Bevölkerung innerhalb weniger Jahre gestorben sein könnte.
00:17:11: Andere Schätzungen liegen deutlich darunter und genau da liegt das Problem – wir können keine pauschale Aussage darüber treffen wie viele Menschen während des schwarzen Todes tatsächlich gestorbt sind!
00:17:23: Zum einen schwanken die Todeszahlen regional extrem.
00:17:26: Manche Regionen wurden offenbar vollkommen leergefegt absolut verheerend getroffen.
00:17:33: Andere deutlich weniger und zum anderen ist natürlich nicht immer überliefert, wer wann und woran gestorben ist.
00:17:43: Wir haben keine Sterbeurkunde für alle Menschen die zwischen Dreizehnhundertsechsundvierzig und Dreizehundertdreieinfünfzig gestorbt sind.
00:17:50: Stattdessen müssen wir mit ganz unterschiedlichen Quellen arbeiten – Chroniken, Testamente, Steuerlisten, Rechnungen und andere Verwaltungsunterlagen Friedhöfe und Massengräber, menschliche Überreste.
00:18:03: Und mittlerweile sogar naturwissenschaftliche Daten!
00:18:06: Und jede dieser Quellen hat ihre eigenen Probleme.
00:18:09: Mittelalterliche Chronisten beispielsweise beschreiben teilweise unglaubliche Todeszahlen.
00:18:14: Nur neigen mittleralterlichen Chronisten eben auch ganz gerne mal zu übertreibungen... ...und wenn mitten in einer Katastrophe innerhalb kürzester Zeit hunderte oder tausende Menschen sterben könnte euch wahrscheinlich vorstellen, dass niemand daneben steht und eine perfekte Excel-Tabelle darüber führt.
00:18:33: Ich glaube man hat in der Zeit dann andere Probleme.
00:18:36: Archäologische Funde wiederum geben uns immer nur Ausschnitte.
00:18:40: ein Pestgrab kann uns unglaublich viel erzählen aber eben nicht wie viele Menschen in ganz Europa gestorben sind.
00:18:48: jetzt kommt aber etwas das ich persönlich total faszinierend finde denn Die Auswirkungen des schwarzen Todes können wir teilweise sogar dort nachweisen, wo überhaupt niemand etwas aufgeschrieben hat.
00:19:00: Im Boden oder genauer gesagt in Polen – das hatte ich ja in der letzten Folge schon mal erklärt!
00:19:06: Forschende haben Pollen aus Sedimenten von Sehen- und Feuchtgebieten an twohundertsechzig Orten in neunzehn heutigen europäischen Ländern untersucht Und anhand dieser Pollen lässt sich vereinfacht gesagt rekonstruieren wie die Landschaft zu unterschiedlichen Zeiten benutzt wurde.
00:19:22: Und wenn plötzlich sehr, sehr viele Menschen sterben, fehlen natürlich auch die Menschen, die die Felder bestellen.
00:19:28: Ackerflächen können aufgegeben werden – der Getreideanbau geht zurück und auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen wachsen wieder andere Pflanzen, Sträucher oder irgendwann sogar Wald!
00:19:39: Und genau solche Veränderungen können wir teilweise in den Polen erkennen.
00:19:44: Das Interessante daran ist allerdings….
00:19:46: Wir sehen sie nicht überall gleich stark... Wenn manche Regionen zeigen sich massive Veränderungen in der Landnutzung, wären sie ihnen anderen deutlich geringer ausfallen oder teilweise kaum erkennbar sind.
00:19:57: Auch diese Methode hat natürlich ihre Grenzen und aus weniger Getreidepollen können wir nicht einfach eins zu eins eine bestimmte Zahl von Pestoten errechnen aber sie zeigt ziemlich eindrucksvoll was eigentlich das größte Problem mit unserem berühmten EIN Drittel ist.
00:20:13: Europa war nicht überall gleich stark betroffen.
00:20:15: deswegen ist dieses eine Drittel keine Zahl, die irgendwann jemand anhand vollständiger mittelalterlicher Sterbergister ausgerechnet hat.
00:20:25: Es ist eine historische Schätzung bzw.
00:20:27: eine Faustformel, die sich unglaublich stark in unser Bild vom schwarzen Tod eingebrannt hat.
00:20:33: und wenn wir über die gesamte Pestpandemie und nicht nur über Europa sprechen werden die Zahlen noch unsicherer für Europa, Asien und andere betroffene Gebiete zusammen kursieren Schätzungen von bis zu etwa seventy-fünf Millionen Toten oder sogar darüber.
00:20:51: Aber je größer der geografische Raum wird, desto schwieriger wird es natürlich daraus eine verlässliche Gesamtzahl zu machen.
00:20:58: Das heißt ist ein Drittel der europäischen Bevölkerung am Schwarzen Tod gestorben?
00:21:04: Vielleicht!
00:21:07: In manchen Regionen möglicherweise deutlich mehr in anderen deutlich weniger.
00:21:12: Wir wissen, dass innerhalb weniger Jahre eine unfassbare Zahl von Menschen gestorben ist.
00:21:16: Wir können versuchen uns dieser Zahl mit historischen, archäologischen und mittlerweile auch naturwissenschaftlichen Methoden anzunieren aber wir können nicht sagen es waren genau thirty-three Prozent.
00:21:30: Und deswegen lautet die Antwort auf diesen Mythos Jein!
00:21:40: Jetzt kommen wir zu einem Teil auf denen wahrscheinlich alle von euch schon gewartet haben, die Schnabelmasken.
00:21:48: Ach ja!
00:21:49: Die Schnabelmasken – ein wunderschöner Mythos und wahrscheinlich eines der berühmtesten Bilder das wir heute mit der Pest- und vor allem mit dem Schwarzen Tod verbinden.
00:21:59: Zunächst einmal muss man dazu wissen es gab tatsächlich Pesterzte.
00:22:03: darunter waren zum Teil Ärzte, die sich noch nicht richtig etablieren konnten oder sogenannte Chirurgen zweiter Klasse.
00:22:10: Und ja, das Traurige ist eigentlich dass sie den Erkrankten häufig gar nicht helfen konnten.
00:22:15: Sie haben es natürlich versucht beispielsweise mit Adalessen oder indem sie Frösche oder Egel auf die Pestbollen setzten um nach der einmaliger Vorstellung die Balance der Körpersäfte wieder herzustellen.
00:22:27: aber gegen Yasinia pestes war das natürlich nicht besonders wirksam.
00:22:32: Teil ihrer Arbeit konnte deshalb auch darin bestehen, Erkrankungen und Todesfälle zu dokumentieren.
00:22:38: Also beispielsweise festzuhalten wie viele Menschen erkrankt oder gestorben waren.
00:22:44: Trotzdem waren Pestärzte extrem gefragt.
00:22:53: Und sechzehnhundertfünfzig wurden sogar zwei Pestärzte auf dem Weg nach Tortosa entführt.
00:23:06: Barcelona zahlte schließlich Lösegeld, um die beiden wieder frei zu bekommen.
00:23:10: Das heißt helfen konnten Pesterzte mit den medizinischen Möglichkeiten ihrer Zeit häufig nur sehr begrenzt haben wollte man sie trotzdem.
00:23:21: und natürlich gab es noch ein weiteres Problem Pestärzte hatten ständig Kontakt mit Pestkranken und konnten dadurch möglicherweise selbst zu einem Übertragungsrisiko werden.
00:23:30: Manche von ihnen wurden deshalb in sogenannten Quarantänequartieren untergebracht, aber woher kommt jetzt diese berühmte Schnabelmaske?
00:23:39: Auch hier wird es wieder interessant!
00:23:41: Denn hier hat sich etwas als unglaublich starkes Bild der Pest überliefert was eigentlich eine Randerscheinung war.
00:23:51: Was wir tatsächlich schon lange vor der Schnabelmaske finden, sind sogenannte Riechäpfel, Duftschwämme oder kleine Behälter in den wohlriechenden Substanzen und Kräuter aufbewahrt wurden.
00:24:02: Auch Tücher konnten mit solchen Duftstoffen versehen werden!
00:24:06: Denn erinnert euch an die Yasmin-Lehrer aus der letzten Folge Wenn schlechte verdorbene Luftkrankheiten verursacht dann versucht man natürlich diese schlechte Luft durch möglichst angenehme Gerüche abzuwehren Und irgendwann entstand daraus das Bild, dass wir heute alle kennen.
00:24:23: Die Entwicklung des berühmten Pestschutzanzugs mit seiner Schnabelmaske wird häufig dem französischen Arzt Charles de Lorm einem Gleibarzt Ludwig XIII zugeschrieben und Ludwig XVIII.
00:24:37: von dem haben wir tatsächlich schon einmal gehört nämlich in unserer Folge über Versailles.
00:24:41: die Idee hinter diesem Schnabel war im Grunde dieselbe wie bei den Riechöpfeln In dem langen Schnabel konnten aromatische Substanzen untergebracht werden, die nach damaliger Vorstellung die schlechte Luft abhalten bzw.
00:24:55: reinigen sollten.
00:24:56: Dazu kam der Rest dieser ziemlich beeindruckenden Montur lange Schutzkleidung häufig aus Leder oder beschichtete Material Handschuhe und eine Maske mit Öffnungen vor den Augen, die durch Glas- oder Kristall geschützt sein konnten.
00:25:10: Und fertig ist er!
00:25:12: Der Pestdoktor wie wir ihn heute kennen.
00:25:16: Leider muss ich euch jetzt auch dieses Bild vom Schwarzen Tod noch nehmen.
00:25:20: Denn diese berühmte Kleidung stammt nicht aus der Zeit des Schwarzen Todes im XIV Jahrhundert!
00:25:27: Die belastbaren Darstellungen und Beschreibungen dieser Schnabelmasken stammen erst aus dem XVII Jahrhundert, also aus der zeit von Charles de Lomme vor allem aus Italien und Südfrankreich Und selbst dort scheint diese Kleidungszeit eher eine Randerscheinung gewesen zu sein.
00:25:43: Für Mittel- und Nordeuropa lässt sich diese typische Pestdoktor-Kostüm während der Pestepidemien nicht einfach als verbreitete Schutzkleidung nachweisen.
00:25:53: Das heißt, wenn ihr euch den schwarzen Tod von rheinzehnhundertachtundvierzig vorgestellt und dabei automatisch einen Mann mit schwarzem Mandelhut und riesigem Vogelschnabel durch eine mittelalterliche Gasse laufen seht dann könnt ihr ihn leider wieder aus dem Bild streichen.
00:26:09: es tut mir wirklich leid.
00:26:10: Es sieht wirklich verdammt gut aus, aber mit dem schwarzen Tod hat er eigentlich nichts zu tun.
00:26:16: Und trotzdem ist ausgerechnet diese Schnabelmaske zudem Erkennungsmerkmal für die Pest geworden.
00:26:22: Bis heute reicht eigentlich die Silhouette dieses Schnabels und wir wissen sofort PEST!
00:26:27: Damit haben wir wieder genau das was sich durch die ganze Folge zieht – unser Best of aus mehreren Jahrhunderten-Pestgeschichte.
00:26:35: Denn da wir uns jetzt schon mal im siebzehnte Jahrhundert gewagt haben Machen wir im sevzehnten Jahrhundert auch direkt weiter.
00:26:47: Denn in dem sevzehnten Jahrhundert gab es noch einmal eine große Pestwelle und die hat besonders London extrem hart getroffen!
00:26:54: Und hier haben wir wieder ein Problem, das sich eigentlich durch die ganze Folge zieht Wir werfen die Pests des vierzehnten Jahrhunters und die Pässe des siebzehn Jahrhundreds ziemlich gerne an einen Topf.
00:27:05: Natürlich wurde auch London vom schwarzen Tod im vierzehnth Jahrhunder schwergetroffen Aber die Pest kamen noch einmal zurück.
00:27:13: In einer Epidemie, die als Great Plug of London, also als große Pest von London bekannt wurde und die schlimmste Peste der Epidemi England seit dem Schwarzen Tod war.
00:27:24: Und die Zahlen sind ziemlich heftig!
00:27:26: Offiziell wurden in London achtundsechzigtausend fünfhundert sechsundneunzig Pest-Tote registriert.
00:27:33: Die tatsächliche Zahl lag wahrscheinlich bei über hunderttausenden Toten.
00:27:38: Damit verlor London innerhalb relativ kurzer Zeit ungefähr fünfzehn Prozent seiner Bevölkerung.
00:27:44: Und auf dem Höhepunkt der Epidemie im September.
00:27:46: sechzehntundhundertfünfundsechzig starben innerhalb einer einzigen Woche siebenteinhundert und sechzig Menschen an der Pest – in EINER Woche!
00:27:57: Wer es sich leisten konnte, verließ die Stadt.
00:28:00: König Charles II zog mit seinem Hof zunächst nach Hampton Court und später nach Oxford.
00:28:06: Auch viele andere Wohlhabende Londoner flogen aus Land.
00:28:10: Andere Beamte und Teile der Stadtverwaltung blieben dagegen zurück, und versuchten irgendwie das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten.
00:28:19: Und einer dieser Beamten war ein Mann namens Samuel Pips.
00:28:23: Und Samuel Pipps ist mit einem Grund dafür warum wir heute so unglaublich viel über das Leben während der Pest von sixteenhundertfünfundsechzig wissen Denn Pips führte Tagebuch!
00:28:36: Und zwar nicht einfach nur darüber, was beruflich passiert ist.
00:28:40: Er schrieb über sein Leben, seine persönlichen Gedanken und Erlebnisse, über Menschen denen er begegnete, über Dinge die er hörte – teilweise auch über klatschen Tratsch – und eben auch darüber wie sich London während der Pest veränderte.
00:28:56: Er beschreibt leere Straßen, kranke Menschen, die Angst vor der Krankheit und immer wieder wer gerade erkrankt oder gestorben
00:29:03: war.".
00:29:04: Und ein Jahr später beschreibt derselbe Samuel Pipps übrigens noch die nächste Katastrophe, den großen Brand von London.
00:29:14: Das heißt wenn ihr irgendwann eine Geschichte über die Pest hört in der Samuel Pips auftaucht dann wisst ihr jetzt wir sind nicht beim schwarzen Tod.
00:29:23: Wir sind im London des siebzehnten Jahrhunderts.
00:29:25: und genau deswegen habe ich diese Geschichte überhaupt in unseren Mythenkatalog mit aufgenommen Denn wir reden immer wieder einfach von der Pest und meinen damit Ereignisse zwischen denen teilweise mehrere hundert Jahre liegen.
00:29:37: Der schwarze Tod von thirteenhunderts, siebenundvierzig bis treizendhundertdreiundfünfzig spätere Pestwellen London sixteenhundertfünfundsechzig irgendwann verschwimmt das alles zu einer einzigen großen Pestgeschichte oder wie wir inzwischen wissen zu unserem Best of aus mehreren Jahrhunderten Pest Geschichte.
00:29:56: Wie die Pest sixteenhundhundert fünfundsechszig genau nach London kam lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen.
00:30:02: Es gibt verschiedene Überlieferungen und Theorien darüber, wie sie eingeschleppt wurde.
00:30:06: Aber einen eindeutigen Moment an dem wir sagen können dieses Schiff diese Ladung dieser Floh da kam die Pest nach London haben wir nicht.
00:30:14: Das Gerücht sagt es war ein niederländisches Schiff das Baumwollstoff nach London brachte.
00:30:20: aber wie gesagt den Beweis haben wir nichts.
00:30:23: Und da wir jetzt sowieso schon im sevzehnten Jahrhundert angekommen sind bleiben wir auch noch ein bisschen hier Denn jetzt kommen wir zu einem der berühmtesten Pestdörfer überhaupt.
00:30:34: Ey ja!
00:30:41: Und nun kommen wir zur, entschuldigt die erste falsche Aussprache ihm.
00:30:48: Ihm ist vielleicht einer der spannendsten tragischsten aber wie ich finde irgendwie auch hoffnungsvollsten Geschichten der Pest im Englern des siebzehnten Jahrhunderts.
00:30:59: Aber auch diese Geschichte wird immer wieder mit dem schwarzen Tod in Verbindung gebracht Und deswegen möchte ich auch mit diesem Mythos ein bisschen aufräumen.
00:31:08: Denn die Geschichte von ihm spielt nicht im vierzehnten Jahrhundert, sie beginnt im Jahr sixteenhundert und sechzig zur Zeit der großen Pest von London.
00:31:17: Ihm war auch nicht das einzige sogenannte Pestdorf aber es ist wahrscheinlich das bekannteste und über die Ereignisse dort ist tatsächlich relativ viel überliefert dass ihm Museum arbeitet heute beispielsweise mit Kirchenbüchern, Testamenten und anderen zeitgenössischen Dokumenten.
00:31:36: Ob deswegen alles was heute über ihm erzählt wird hundertprozentig genau so passiert ist wie immer eine andere Frage.
00:31:44: aber ich möchte euch die Geschichte trotzdem so erzählen wie sie überliefert wurde denn der Überlieferung nachgelangte sixteenhundertfünfundsechzig ein Stoff ballen aus London nach ihm.
00:31:57: Mit diesem Stoff sollen infizierte Flühe in das Dorf gekommen sein und damit schließlich auch die Pest.
00:32:02: Der erste bekannte Tote war der Schneidergehilfe George Wickers, der am siebten September sixteenhundert fünfundsechzig starb Und dann passierte etwas dass ihm bis heute berühmt macht.
00:32:16: unter der Leitung der beiden geistlichen William Montesson und Thomas Stanley isolierte sich das Dorff.
00:32:23: Die Bewohner sollten ihn nicht mehr verlassen und dadurch verhindern, dass sie die Krankheit in die umliegenden Gemeinden trugen.
00:32:31: Und das hatte einen unfassbar hohen Preis!
00:32:35: Ungefähr vierzehn Monate dauerte der Ausbruch – bei einer geschätzten Bevölkerung von etwa siebenhundertfünfzig Menschen starben ungefähr zweihundertsechzig, also etwa ein Drittel des gesamten Dorfes.
00:32:48: Besonders spannend finde ich, dass man diese Geschichte heute noch an verschiedenen Orten im Dorf nachholzen kann.
00:32:55: Da gibt es zum Beispiel den sogenannten Boundary Stone, den Peststein.
00:33:00: Weil die Bewohner das Dorf nicht verlassen sollten wurden an solchen Grenzpunkten Waren und Lebensmittel ausgetauscht.
00:33:06: Der Überlieferung nach legten die Einwohner ihr Geld in eine kleine mit Essig gefüllte Vertiefung im Stein – man hoffte, dass Geld dadurch zu Ideas infizieren!
00:33:16: Und dann gibt es die Plagg Cottages, die bis heute mit einzelnen Familien- und Opfern der Epidemie verbunden sind….
00:33:23: Es gibt Kackler Church, eine natürliche Felsformation.
00:33:27: Dort wurden Gottesdienste unter freiem Himmel abgehalten nachdem die Kirche geschlossen worden war damit die Menschen nicht zu dicht beieinander stehen mussten.
00:33:35: Das E-Museum erinnert dort bis heute mit einem jährlichen Gedenkgottesdienst an die Pest.
00:33:41: und dann gibt es die Riley Graves.
00:33:43: Dort liegen Angehörige der Familie Hancock.
00:33:46: Margaret Hancock verlor innerhalb kürzester Zeit ihren Mann und sechs Kinder und musste sie dort begraben.
00:33:53: Sie selbst überlebte!
00:33:56: Und ich glaube, gerade deswegen finde ich ihm so faszinierend.
00:34:00: Es ist natürlich eine unglaublich tragische Geschichte Aber gleichzeitig ist es eine Geschichte darüber das Menschen versucht haben ihre Nachbarn und die umliegenden Gemeinden zu schützen Obwohl sie selbst dafür ein enormes Risiko auf sich nahmen.
00:34:14: Wie gut diese Maßnahmen tatsächlich funktioniert haben und ob wirklich alles genauso passiert ist wie später erzählt wurde ist eine andere Frage Aber wir haben eben auch zeitgenössische Spuren.
00:34:25: Kirchenbücher, Testamente, Briefe, Namen und Gräber.
00:34:28: Die Pest von ihm ist keine erfundene Geschichte.
00:34:31: Nur die Geschichte, die wir heute daraus erzählen Ist wie so häufig über Jahrhunderte gewachsen.
00:34:37: Und für unsere heutige Folge ist vor allem eines wichtig Ihm gehört nicht zum schwarzen Tod.
00:34:43: Wir sind im Jahr sixteenhundertfünfundsechzig Und damit haben wir wieder ein weiteres Stück aus unserem Best-of aus mehreren Jahrhunderten Pestgeschichte Und dann war die Pest einfach vorbei.
00:35:00: Das ist vielleicht auch der letzte Mythos mit dem ich heute noch einmal aufräumen möchte, dass der schwarze Tod irgendwann um thirteenhundertzweihenfünfzig oder dreizehnhundertdreienfünftig vorbei war und damit dann auch die Peste vorbei.
00:35:13: Denn nein!
00:35:14: Die erste große Welle war vorbei.
00:35:16: Die Pest war es nicht.
00:35:18: Sie kam wieder immer und immer wieder über Jahrhunderte.
00:35:24: Und übrigens, die Pest ist auch heute noch nicht ausgestorben.
00:35:27: Yasinia pestus kommt weiterhin in natürlichen Tierreservoirs vor und es gibt bis heute immer wieder einzelne Fälle und kleinere Ausbrüche – v.a.
00:35:36: in bestimmten Regionen Afrikas, Asiens & Amerikas.
00:35:40: Der größte Unterschied ist natürlich... Heute wissen wir was die Krankheit verursacht wie sie übertragen wird und vor allem können wir sie mit Antibiotika behandeln.
00:35:48: Wird eine Pestinfektion rechtzeitig erkannt oder behandelt?
00:35:51: sind die Heilungschancen heute sehr viel besser.
00:35:54: Die Peste sei so nicht verschwunden, sie hat nur einen großen Teil ihres Schreckens verloren.
00:36:00: und vielleicht erklärt das auch ganz gut warum wir uns bis heute dieses etwas absurde Best-of aus mehreren Jahrhunderten der Pestgeschichte zusammengestellt haben Der schwarze Tod im vierzehnten Jahrhundert Ratten und Flöhe Schnabelmasken aus dem sevzehntem Jahrhunder Samuel Pipps und London.
00:36:17: sechzehnhundertfünfundsechzig ihm Geschichten Bilder und Vorstellungen zwischen den teilweise mehrere hundert Jahre liegen, die in unserem Kopf trotzdem irgendwie zu der Pest geworden sind.
00:36:31: Und genau das wollte ich mit dieser Folge ein bisschen auseinandernehmen, denn wieso häufig in der Geschichte lautet die Antwort eben nicht einfach ja oder nein?
00:36:39: Sondern es ist kompliziert!
00:36:50: Ende unserer zweiten Folge über den schwarzen Tod angekommen.
00:36:53: Wenn euch die Folge gefallen hat, dann folgt gerne dem Podcast, bewertet ihn und empfiehlt ihn weiter!
00:36:59: Ihr findet mich natürlich auf Instagram unter just.another.geschichtspotcast Und wenn ihr Anmerkungen Fragen oder Themenwünsche habt oder mir erzählen wollt welchen Pestmythos ich heute streiflich vergessen habe Dann schreibt mir gerne entweder auf Instagram Oder über meine Mail JustanotherGeschichtspottcast at gmail.com.
00:37:19: Und wenn ihr mich und den Podcast noch ein bisschen weiter unterstützen wollt, dann könnt ihr das natürlich auch über Kofi tun.
00:37:27: Und mir dort heute wieder ein einigermaßen historisch passendes Getränk ausgeben!
00:37:32: Nachdem wir nämlich heute ziemlich viel Zeit im england des siebzehnten Jahrhunderts verbracht haben gibt es diesmal etwas ziemlich bodenständiges Ein Eil.
00:37:41: Ihr könnt mir also bei Kofi gerne ein Ale ausgeben.
00:37:45: Und natürlich gibt es auch zu unserem heutigen Getränk noch einen kleinen historischen Fan-Fact, denn wenn ihr im siebzehnten Jahrhundert in England ein Ale getrunken habt, standen die Chancen gar nicht schlecht, dass eine Frau zumindest etwas damit zu tun hatte!
00:37:59: Das Braun von Ale war lange eng mit Frauenarbeit verbunden und gehört auch im seventejahrhundert noch zu den Tätigkeiten, die von Frauen im Haushalt übernommen wurden.
00:38:08: Und auch beim Verkauf von Ale und beim Betrieb von Ale-Houses spielen Frauen eine wichtige Rolle.
00:38:14: Daher kommt doch die Bezeichnung Alewife, also eine Frau, die Alebrowte oder verkaufte.
00:38:20: Falls euch das als historischer Funfact noch nicht reicht habe ich noch etwas wesentlich verstörenderes für euch denn... ...Sechtenhundertneunundsechzig wurde in England ein Rezept für sogenanntes Cock Ale veröffentlicht.
00:38:33: Und bevor jetzt irgendjemand kichert, Cock heißt in diesem Fall einfach Hahn.
00:38:37: Und ja, in diesem Ale kam tatsächlich ein gekochter Hahn.
00:38:43: Ich glaube ich bleib beim normalen Ale und genau das könnt ihr mir heute auch bei Kofi ausgeben!
00:38:50: Wenn ihr kein Geld ausgeben möchtet freue ich mich natürlich genauso sehr wenn ihr den Podcast einfach bewertet weiter empfiehlt oder mir folgt.
00:38:57: und damit sage ich Prost!
00:39:00: Vielen Dank fürs Zuhören.
00:39:01: Und bis zum nächsten Mal, wenn wir ein letztes mal in den Strudel des Schwarzen Todes eintauchen.
00:39:06: Denn nachdem wir jetzt wissen was passiert ist und was von unserem heutigen Bild davon eigentlich stimmt bleibt noch eine Frage Warum lässt uns der Schwarzer Tod bis heute nicht los?
00:39:17: Und genau darum geht es in der dritten und letzten Folge.
00:39:21: Bis dahin Macht's gut!
00:39:24: Literat vor dieser Folge.
00:39:26: Wenn ihr euch noch ein bisschen weiter einlesen möchtet, für einen allgemeinen Überblick zur Pest kann ich euch wieder Klaus Bergdeut die Pestgeschichte des Schwarzen Todes empfehlen.
00:39:34: Für einige der Pestmüten und vor allem die späteren Pestwellen habe ich außerdem mit Joseph P. Barn daily life during the Black Death gearbeitet.
00:39:43: Besonders spannend für die Frage nach Rattenflöhnen und Leusen ist außerdem die Studie Human Actoparasites and The Spread of Plague in Europe During the Second Pandemic von Kathrindin und anderen.
00:39:54: Und für die Regional sehr unterschiedlichen Auswirkungen des Schwarzen Todes, die große Polnestudio von Adam Itzdi-Biski und anderen aus dem Jahr zwanzig zwundzwanzig!
00:40:04: Die vollständigen Literaturangaben und die weiteren Quellen unter anderem zu ihm London und den Schnabelmasken findet ihr wie immer in den Show.
00:40:11: notes Musik und Sounds stammen wie wenn nicht weiter angegeben von Pixabay.
00:40:18: Danke schön fürs Zuhören.
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